Ärztin will von Dämonen besessen gewesen sein

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In Unna steht eine Ärztin vor Gericht, die früher in Werdohl praktiziert hat.

Werdohl - Ausgerechnet eine in Werdohl bis August 2015 tätige Ärztin soll auf eine Wunderheilerin hereingefallen sein. So gab es die Medizinerin zumindest im Schöffengericht des Amtsgerichts Unna an. Die 42-Jährige muss sich derzeit wegen Betruges verantworten.

Die angeklagte Ärztin war Kundin einer in Unna ansässigen Privatärztlichen Verrechnungsstelle (PVS). Diese zahlt bei Privatpatienten 90 Prozent der Behandlungskosten im Voraus an die Ärzte und holt sich dann die komplette Summe vom Patienten. Auf diese Weise kommen die Mediziner schneller an ihr Geld.

Die Angeklagte reichte, wie es üblich ist, Rechnungen bei der PVS ein. Diese stammten jedoch von älteren Behandlungen, die längst bezahlt worden waren. Zudem kassierte die 42-Jährige nicht nur bei einer, sondern gleich bei zwei PVS parallel ab. Etwa 260 000 Euro gelangten so zu Unrecht in die Hände der Frau.

Die gab den Betrugsvorwurf vor Gericht sofort zu. Den Grund für ihr Verhalten lieferte sie in epischer Breite. Mehr als eine Stunde dauerte die Einlassung. Demnach begann alles damit, dass ihr Ex-Mann mit den Kindern ins Rheinland zog. Fortan konnte die Angeklagte die Kinder nicht mehr oft sehen, da sie in der Praxis in Werdohl und in einer zweiten in Düsseldorf tätig war. Mit dem geringen Kontakt habe sie zu kämpfen gehabt, insbesondere weil es den Kindern nicht gut gegangen sei ohne Mutter.

Eigentlich habe sie so schnell wie möglich von Werdohl nach Köln ziehen wollen. Allerdings habe sie keinen Käufer für das von Mietnomaden beschädigte Haus und für die Praxis gefunden. Zudem habe sie gleichzeitig 13 Kredite tilgen müssen.

Exorzismus-Prozedur für 164 000 Euro

Über eine Patientin habe sie schließlich eine Wunderheilerin kennengelernt. Die habe der Ärztin erklärt, dass diese verflucht, von Dämonen besessen sei. Die Heilerin habe versprochen, ihr mittels einer Exorzismus-Prozedur zu helfen. Kosten: 164 000 Euro. Aus Verzweiflung habe sie der Fremden geglaubt.

Da die beiden Praxen sehr gut liefen, habe sie innerhalb weniger Monate die Summe bezahlt. Mehrfach sei sie für Waschungen mit einem magischen Pulver in die Türkei geflogen. „Danach fühlte ich mich wie neu geboren.“

Irgendwann galt die Ärztin als von ihren Dämonen befreit. Dann habe die Wunderheilerin jedoch plötzlich erklärt, dass die Schwester der Ärztin sterben würde, wenn die Angeklagte nicht 300 000 Euro bezahlte. So viel Geld konnte die Medizinerin nicht aus eigenen Mittel aufbringen. Deshalb habe sie sich das Geld geborgt. Unter anderem von einem Spielhallenbetreiber. Der wollte sein Geld aber schnell zurück, habe der Frau mit Vergewaltigung gedroht, wenn sie ihm nichts gebe.

Zufall beschert den Geldsegen

Eine Umstellung des Computersystem in der Praxis habe zufällig dazu geführt, dass Rechnungen nicht nur bei einer, sondern bei zwei PVS eingereicht und doppelt ausgezahlt worden waren. Aus Geldnot und Angst vor dem Gläubiger, habe sie diesen Zufall genutzt und absichtlich längst beglichene Rechnungen eingereicht.

„Das Geld war ein Segen“, so die Angeklagte. Dann habe sie einen Arzt kennengelernt, der sie aus dem Schlamassel holte. Er brach den Kontakt zur Wunderheilerin ab und sorgte dafür, dass sich die Angeklagte mit den PVS auf eine Ratenzahlung zum Zwecke der Rückerstattung einigte.

Schwester und Bruder der 42-Jährigen gaben im Zeugenstand an, die Wesensänderung der Angeklagten bemerkt zu haben. Schließlich hätte die Ärztin ihnen erklärt, dass sie von Dämonen besessen sei.

Ein Urteil gab es noch nicht. In der kommenden Woche wird der Prozess mit weiteren Zeugen fortgesetzt.

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