Ehemalige Schwester hat Besuch aus Namibia

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Hetty Merlin Naris (links) und Monica Garoes (rechs) mit Gerda Spelsberg am Tag vor ihrem Rückflug nach Windhuk. Zwei Wochen waren sie in Kleinhammer zu Gast.

Werdohl - „Als ich zum Glauben kam, habe ich mir gesagt, dass ich im Ausland mit Kindern arbeiten möchte.“ Für Gerda Spelsberg (73) aus Kleinhammer steht dieser Satz im Grunde für alles, was sie als damals 26-Jährige an Motivation benötigt hat, um einen nicht unbedingt selbstverständlichen Weg zu gehen.

Von Rainer Kanbach

1966 reiste sie als Missionsschwester nach Südwest-Afrika, wie es damals noch hieß, um immerhin zehn Jahre lang ihr Wissen, ihre Kraft und ihren Glauben für die Jungen und Mädchen des heutigen Namibia einzusetzen.

Die Kontakte, die sie dort im Laufe ihres segensreichen Dienstes mit den Kindern geknüpft hat, waren intensiv und halten bis heute – nur eben, dass die Kids von damals inzwischen gestandene Erwachsene sind. Zwei von ihnen – Hedwig Merlin Naris, genannt Hetty (44), und Monica Garoes (66) – waren bis Freitag für zwei Wochen zu Gast bei Gerda Spelsberg und erlebten in dieser Zeit ein dicht gedrängtes aber interessantes Programm mit Besuchen in der Attahöhle, am Biggesee, in Köln, im Hochsauerland, in Winterberg und in Gelsenkirchen. Die Schwebebahn und das Missionshaus in Wuppertal durften nicht fehlen, genau wie ein kleines Museum in Eslohe mit Exponaten aus der deutschen Frühgeschichte.

König Fußball kam rein zwangsläufig auch zu seinem Recht, wenngleich die beiden Frauen zunächst Ghana die Daumen gedrückt haben. Schließlich sollte aus ihrer Sicht ein afrikanisches Land gegen Deutschland gewinnen. Das war dann im Blick auf das Spiel der Löw-Truppe gegen Frankreich anders. Sie habe ein wenig deutsches Blut in ihren Adern, bekannte Hetty. Also drückte sie Lahm & Co. die Daumen.

Für die in Windhuk lebende Presbyterin Monica war es nach der Premiere 1978 bereits der dritte Besuch in Deutschland. Hetty aus Walfischbai (oder Walvis Bay), eines von elf Kindern von Monicas Schwester, kam dagegen zum ersten Mal überhaupt nach Europa. Es war, so ihre Gastgeberin, „ihr ganz großer Wunsch zu sehen, wo und wie ich lebe.“

Zurück zu den Anfängen. Über die Rheinische Mission (nach einer Fusion die Vereinte Evangelische Mission in Wuppertal) reifte bei Gerda Spelsberg der Plan, sich in Afrika zu engagieren. Dort wurden Menschen gesucht, die in Kindergärten oder Internaten (sogenannten Hostels) arbeiten. „Ich habe, obwohl die Umgangssprache Englisch ist, Afrikaans gelernt, um mich besser verständigen zu können. Zum Schluss habe ich nicht nur so geredet, sondern auch so geträumt“, sagt die 73-Jährige mit einem Schmunzeln.

Allerdings: Die eigentliche Sprache der Eingeborenen in Namibia ist Nama. Sie ist ausgesprochen klangvoll, mit vielen Schnalzlauten versehen und vor allem schwer zu lernen und zu sprechen. „Das Vater Unser und einige wenige Liedverse beherrsche ich in Nama“, verriet Gerda Spelsberg. Ansonsten gilt, was hierzulande auch gilt, wenn man nicht will, dass andere etwas mitbekommen sollen: Man spricht Platt, und Platt ist eben nicht jedermanns Sache.

Immerhin reichten die Sprachkenntnisse insgesamt, um in ehemals Deutsch-Südwest wirkungsvolle Arbeit zu leisten. „Wir sind in den zehn Jahren viel gereist, haben Kindergärten und Hostels besucht, um die dortigen Mitarbeiter bei ihrer Arbeit zu unterstützen“, so die 73-Jährige. Oberstes Ziel: Die Kinder und Jugendlichen sollten eine fundierte Schulausbildung erhalten. Die war damals nicht zwingend gewährleistet, denn eine Schulpflicht gab es in Namibia noch nicht.

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