Danziger Hof kommt unter den Hammer

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Die ehemalige Gaststätte Danziger Hof an der Burggrafenstraße in Pungelscheid steht seit Jahren leer. Ein Käufer hat sich nicht gefunden, jetzt soll die Immobilie zwangsversteigert werden.

Werdohl - Die ehemalige Gaststätte Danziger Hof in Pungelscheid steht noch immer zum Verkauf. Allerdings könnte die Immobilie auch unter den Hammer kommen, wenn sich weiterhin in der freien Vermarktung kein Käufer findet.

Ende 2014 haben die letzten Wirtsleute das einstmals renommierte Lokal an der Burggrafenstraße aufgegeben. 50 Jahre lang hatten darin viele Werdohler Vereine ihre Versammlungen und Privatgesellschaften ihre Feiern durchgeführt, viele Kegelclubs waren dort ihrem Hobby nachgegangen und auch als Speiselokal hatte der Danziger Hof einen guten Ruf. Die Sommerfeste hatten stets viele Besucher auf das Gelände gelockt. 

Während in Pungelscheid und im Versetal allmählich das Kneipensterben einsetzte, fand die Inhaberfamilie immer wieder Wege, um die Existenz zu wahren und die Gäste zufrieden zu stellen. Dann aber entschieden sich die Besitzer der zweiten Generation, den Gastronomiebetrieb aufzugeben und an einem anderen Ort eine neue berufliche Herausforderung jenseits der Gastronomie zu suchen. 

Immobilie 1964 errichtet 

Die 1964 errichtete und 1972 erweiterte Immobilie mit Gasthof, Kegelbahn und Wohnungen sollte verkauft werden. Das war der Plan. Doch es kam anders. Es fanden sich keine Interessenten. In der Folge stand und steht das Haus leer. Jetzt wird es sehr wahrscheinlich zwangsversteigert. „Wir versuchen, im Auftrag einer Bank, die Immobilie zu vermarkten“, deutete Andrea Haase vom Dortmunder Maklerbüro Haase an, dass die augenblicklichen Eigentümer in finanziellen Schwierigkeiten stecken. Die Immobilienvermittler aus dem Kreuzviertel bezeichnen sich selbst als „Spezialisten für notleidende Objekte“. 

In diese Kategorie scheint der ehemalige Danziger Hof mittlerweile zu gehören. Das Haus macht nämlich einem zunehmend verwahrlosten Eindruck. Im Keller hat ein Gutachter Putz- und Feuchtigkeitsschäden festgestellt, Holzfenster und -balkontüren sowie das Balkongeländer im Obergeschoss sind morsch, in der ehemaligen Gastwirtschaft sackt mittlerweile die Deckenvertäfelung ab. 

Versteigerungstermin am 27. Juni 

Insgesamt spricht der Gutachter von einem Unterhaltungsstau und Renovierungsbedarf in den Wohnungen. Die Vegetation auf dem gut 1000 Quadratmeter großen Grundstück wuchert unkontrolliert, aus dem Briefkasten quillt Post, die an die bereits vor dreieinhalb Jahren verstorbene Eigentümerin adressiert ist. 

Auf der überdachten Terrasse des Danziger Hofs haben sich einst die Gäste wohlgefühlt. Heute sieht es dort trostlos aus.

Bei einem Versteigerungstermin am 27. Juni im Amtsgericht Altena soll die Immobilie nun endlich zu Geld gemacht werden, auf das die Bank und wahrscheinlich auch der Erbbaurechtsgeber, dem das Grundstück gehört, warten. Der Verkehrswert wird mit 147 000 Euro angegeben, hinzu kommen die Kegelbahn und das Inventar der Gaststätte mit insgesamt 17 000 Euro. Der Immobilienmakler bietet das Objekt auf seiner Internetseite für 89 000 Euro an. 

Dass versucht werde, eine Immobilie parallel frei zu vermarkten und in der Zwangsversteigerung zu Geld zu machen, sei gar nicht so unüblich, sagte Dr. Cathrin Christoph, Sprecherin des Deutschen Erbbaurechtsverbands mit Sitz in Berlin. „Man versucht, die Immobilie freihändig zu vermarkten – wenn das nicht funktioniert, geht sie eben in die Zwangsversteigerung.“ 

Besitzverhältnisse können eine Chance sein

Christoph sieht in der besonderen Konstellation der Besitzverhältnisse in diesem Fall sogar eine Chance für potenzielle Käufer: „Als Erbbaurecht-Nehmer erwirbt man zwar kein Volleigentum, weil das Grundstück ja weiterhin dem Erbbaurecht-Geber gehört. Man kommt aber mit weniger Liquidität an eine Immobilie. Das kann auch eine Chance sein“, sagte sie. 

Überdies könne sich der neue Immobilieneigentümer mit dem Erbbaurecht-Geber auch auf einen neuen Erbbaurechtsvertrag mit längerer Laufzeit einigen. Christoph: „Der Erbbaurecht-Geber wird das eventuell auch tun, wenn sich ein anständiger Käufer gefunden hat, denn er dürfte ja ein großes Interesse daran haben, dass der Erbbauzins wieder regelmäßig fließt.“

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