Ebola-Hilfe: Vortrag beim CVJM Werdohl

Christoph Weiland, Beauftragter für Weltdienstarbeit beim CVJM-Kreisverband aus Lüdenscheid, referierte über die Ebola-Epidemie. Er war selbst mehrfach in der betroffenen Region.

Werdohl - 30 Millionen Euro – und damit mehr als ein Viertel der gesamten Hilfssumme für die Ebola-Opfer – zahle die Bundesregierung an die Lufthansa, um einen Transport-Airbus anzumieten, erzählte Christoph Weiland aus Lüdenscheid. Der Beauftragte für Weltdienstarbeit des CVJM-Kreisverbandes hielt am Montagabend im Gemeindehaus der Christuskirche einen Vortrag über die Epidemie.

Von Michael Koll

„Von der Bundesregierung wurde mehr Energie aufgewendet, um Deutschland zu schützen, als den Menschen vor Ort zu helfen“, rügte der Referent, der beim CVJM-Abendkreis zu Gast war. „Das, was die Regierung da macht, ist eine totale Bankrott-Erklärung“, bilanzierte Weiland. Ein Diskussions-Teilnehmer warf ein: „Die nicht-christliche Partei in der Koalition bremst doch.“

Von der Virus-Krankheit betroffen seien die West-afrikanischen Länder Sierra Leone, Guinea und vor allen Dingen Liberia. Weiland war selbst mehrfach in der Region – zuletzt allerdings vor zwei Jahren, berichtete er den 18 Anwesenden. Damals, so der Lüdenscheider, habe dort aber noch Krieg geherrscht. Aber vor der Krankheit jetzt schrecke er schon zurück. „Wenn Ebola vorbei ist, werde ich wohl bald wieder hinfliegen“, vermutete er.

„Vor zehn oder 20 Jahren wäre ein Ausbruch der Krankheit noch nicht so das große Thema gewesen“, blickte er zurück. Seinerzeit seien die Straßen in West-Afrika noch nicht so weit ausgebaut, noch nicht geteert gewesen. Das hätte ein derart rasantes Ausbreiten des Virus verhindert. Die Menschen seien damals kaum über die Grenzen ihres Dorfes hinaus gekommen.

Aus eigener Anschauung weiß Weiland, dass in den betroffenen Gebieten jede Stadt über ein Krankenhaus verfüge. „Aber die Behandlungsmöglichkeiten sind dort weit spärlicher als in Deutschland“, betonte der Referent. Außerdem seien unterdessen die Kliniken vielfach geschlossen, „weil das Personal selbst von der Krankheit betroffen ist“. Auch würden die Felder nicht mehr bestellt und es werde kein Handel mehr betrieben. Die Folge sei eine Hungersnot.

„Die Lebensverhältnisse abseits der Städte seien recht ärmlich: „Die Menschen leben in Dörfern ohne Strom, Wasser und Schulen.“ Die Krankenversorgung werde vorgenommen durch traditionelle Heiler, „deren Wissenstand auf unserem des Mittelalters liegt“. Die Menschen sprächen lokale Dialekte – weder die Amtssprachen, geschweige denn Englisch.

Die Übertragung des Virus erfolge oft bei der traditionellen Abschiednahme von aufgebahrten Toten, denen etwa die Hände geküsst würden. „An einem Toten stecken sich etwa 20 bis 30 Angehörige an.“ Hellhäutige Helfer lösten bei Eingeborenen, die noch nie einen Weißen gesehen hätten, Angst aus. „Die West-Afrikaner halten Weiße in Schutzanzügen für Außerirdische.“

Die Sterblichkeitsrate bei der momentanen Epidemie liege bei lediglich 55 Prozent. „Geheilte allerdings werden vom Sozialsystem – sprich: der Dorfgemeinschaft – ausgeschlossen. Das betrifft häufig auch Waisenkinder, die gar nicht selbst erkrankt sind“, erklärte Weiland. Wer geheilt sei, könne sich nicht wieder infizieren – jedenfalls nicht am aktuell vorherrschenden Virusstamm.

Das wichtigste Hilfsmittel sei folglich die Gesundheitsaufklärung. Diese erfolge mit Plakaten, auf denen Bilder vor Text gingen.

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