E 10 : Kaum einer will den neuen Sprit tanken

Nur bei der bft-Tankstelle ist der neue Kraftstoff E 10 in Werdohl zu haben - doch kaum einer will ihn.

WERDOHL ▪ So ein Chaos hat Elke Stickdorn in 25 Jahren noch nicht erlebt. Die Geschäftsführerin der Westfalia-Tankstelle ist genervt. Die Unsicherheit um die Verträglichkeit des neuen Kraftstoffs E 10 verwirrt nicht nur die Kunden, sondern auch die Tankwarte.

An allen vier Werdohler Tankstellen sind die Vorbereitungen auf die Umstellung abgeschlossen. Nur an der bft gibt es schon den neuen Kraftstoff.

„Es stimmt, wir haben E10. Aber er wird gar nicht angenommen“, erzählt Zemir Avdibegovic. Zwei Prozent des Umsatzes mache die Tankstelle momentan damit. Der Inhaber hat auch eine Begründung dafür: „Der neue Kraftstoff kostet derzeit genauso viel wie Super, da würde ich das auch nicht tanken, schließlich ist die Verunsicherung gegenüber dem Neuen groß.“ Die Autofahrer wüssten nicht, ob ihr Auto E 10 vertrage.

„Die Politik wollte den Kraftstoff, dann muss sie jetzt auch für klare Informationen sorgen. So wird das nichts“, da ist sich Avdibegovic sicher. Das ewige Hin und Her zwischen Wirtschaft und Politik schade dem Ganzen nur noch mehr.

Ähnlich sieht das Elke Stickdorn von der Westfalia: „60 Prozent der Kunden wollen das gar nicht. Ich halte da nichts von.“ Die Unternehmerin kann sich nur schwer vorstellen, dass der neue Kraftstoff auf Dauer günstiger bleiben soll. „Wer will das denn prüfen, Super gibt es dann ja nicht mehr.“ Auch sie hält die Verträglichkeit für ein Problem. „Die Kunden sind selbst in der Pflicht sich bei ihrem Hersteller über die Verträglichkeit zu informieren. Wir dürfen dazu keine Auskünfte geben.“ Ärgerlich findet sie zudem, dass es den „kleinen Mann" treffe. Gerade ältere Modelle seien nicht für den neuen Sprit konzipiert. Somit müssten die Kunden zum teureren Super Plus greifen. „Der neue Kraftstoff hat fünf Prozent mehr Alkohol, woraus wird der hergestellt? Na klar, aus Weizen“, gibt sie zusätzlich zu bedenken. Da die Anbauflächen gering wären, sei mit Preiserhöhungen im Getreidesegment zu rechnen. „Essen müssen wir ja. Und wenn die Preise steigen, haben wieder die Geringverdiener darunter zu leiden." Jörg Dimaka, Leiter der Total-Tankstelle, ist der Meinung, dass sich die Debatte um E 10 am Preis entscheiden wird: „Die meisten Kunden sind gezwungen aufs Geld zu achten.“

An der Star-Tankstelle war niemand zu einer Stellungnahme bereit. Eine Mitarbeiterin verwies auf die Pressestelle. Technisch scheinen dort zumindest alle Vorbereitungen getroffen worden zu sein.

Lydia Machelett

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