E-Scooter: So ist die Nachfrage in Werdohl und Neuenrade

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Waldemar Zegielski und Patrick Jahn (von links) sind Verkäufer im Saturn-Markt in Lüdenscheid. Hier düsen sie mit E-Scootern durch die Gänge und stehen den Kunden beratend zur Seite. Patrick Jahn ist fachkundig auf dem Gebiet der E-Scooter.

Werdohl/Neuenrade - Seit dem 15. Juni dürfen die neuen E-Scooter offiziell im Straßenverkehr bewegt werden. Verbraucher müssen aber Acht geben: Um die Flitzer fahren zu dürfen, müssen bestimmte Anforderungen erfüllt sein.

In Werdohl und Neuenrade prägen die Scooter das Stadtbild bisher aber noch nicht. Allerdings ist auch das Angebot beschränkt: Das WK-Warenhaus und auch der Hagebaumarkt Arens und Hilgert verkaufen die Scooter nicht. 

Darüber, ob E-Scooter die Zukunft der Fortbewegung auf Kurzstrecken sein könnten, lässt sich bislang nur mutmaßen. Auf jeden Fall aber ist es möglich, sich auf vergleichsweise entspannte Art und Weise von Punkt A nach Punkt B zu bewegen. Die E-Roller funktionieren wie folgt: Zu Beginn der Fahrt muss der Fahrer mittels Körperkraft (mit dem Fuß) den Roller anschieben, so wie bei einem klassischen Tretroller. Dann lässt sich durch einen Schalter am Lenkgriff der E-Antrieb zuschalten. Dieser hält die aufgebaute Geschwindigkeit konstant. Beschleunigen funktioniert ebenso wie lenken und bremsen. Darauf sind die Aufgaben des Fahrers beschränkt. Die meisten Scooter haben bisher eine Reichweite zwischen 20 und 50 Kilometern und sind bei einer Höchstgeschwindigkeit von 20 km/h gedrosselt. 

Wo dürfen die E-Scooter fahren

Für E-Scooter gelten dieselben Regeln wie für Fahrradfahrer. Die elektronisch angetriebenen Gefährte dürfen hauptsächlich auf Radwegen eingesetzt werden. Dort, wo es keine Radwege gibt, ist es den Scooterfahrern erlaubt, auf die Straße auszuweichen. Sie sollten sich dann aber rechts halten. In Fußgängerzonen und auf Bürgersteigen darf nicht gefahren werden. 

Patrick Jahn, Fachverkäufer im Saturn-Elektrofachmarkt Lüdenscheid, wo die E-Scooter anders als in Werdohl und Neuenrade zum Sortiment gehören, erklärt: „Um eine Straßenzulassung zu erhalten, müssen einige Vorgaben erfüllt sein. Am wichtigsten ist, dass der Scooter Scheibenbremsen vorne und hinten hat, die sich auch separat betätigen lassen. Eine Lichtanlage sowie Reflektoren sind ebenfalls Vorgabe.“ 

Allgemeine Betriebserlaubnis erforderlich

Wenn diese Vorgaben erfüllt sind, erhält ein E-Scooter die allgemeine Betriebserlaubnis (ABE) vom Kraftfahrtbundesamt (KBA). „Darauf muss man achten, wenn man den Scooter im Straßenverkehr betreiben möchte.“ Liegt die ABE vor, muss der Tretroller aber noch versichert werden. 

Die Versicherungsgebühr liegt zum jetzigen Zeitpunkt zwischen 60 und 100 Euro jährlich. Mit Versicherungsplakette und D-Kennzeichen kann es dann auf Tour gehen. Eine Helmpflicht besteht zum jetzigen Zeitpunkt nicht. Außerdem gibt es keinen Führerschein, der extra gemacht werden muss, sondern lediglich eine Altersbeschränkung: Ab 14 Jahren darf man aufs Trittbrett steigen. Scooter, die bei 12 km/h abgeregelt sind, dürfen sogar schon von Zwölfjährigen gefahren werden. 

Seit einigen Monaten im Handel

Seit einigen Monaten kann man die E-Scooter in Elektrofachmärkten kaufen. Neu ist lediglich die Verordnung, die es erlaubt, die Gefährte offiziell im Straßenverkehr zu bewegen. Im Augenblick gibt es aber noch nicht viele Modelle, die über eine Betriebserlaubnis verfügen. Auch die Rollermodelle, die es bisher im Lüdenscheider Saturn gibt, sind nicht straßenzugelassen. Entsprechende Fahrzeuge, die betrieben werden dürfen, können vorbestellt werden und sind voraussichtlich ab dem 1. August abholbereit. Preislich starten diese Scooter bei rund 400 Euro. 

Das Werdohler Kaufhaus (WK) hat die E-Scooter bisher nicht in das Sortiment aufgenommen. „Die Rechtslage ist noch nicht eindeutig, deshalb halten wir uns vorerst noch zurück. Es ist nicht sicher, was die Zukunft in Bezug auf die Straßenzulassungen und eine Helmpflicht bringen wird“, sagt Peter Ebener, Geschäftsführer des WK-Warenhauses. „Bei Intersport gibt es aber bereits E-Scooter zu kaufen.“ 

Bewusste Entscheidung dagegen

Im Hagebaumarkt Arens und Hilgert in Neuenrade hat man sich bewusst dagegen entschieden, die E-Scooter in das Sortiment aufzunehmen. „Wir sind froh, dass wir das Angebot bei der E-Mobilität momentan nicht weiter ausbauen“, sagt Verkäufer Jörg Serowka. „Unsere Kunden haben einen Garantieanspruch. Wenn etwas nicht ordnungsgemäß funktioniert, sind wir in der Pflicht, eine Lösung für das Problem zu finden. Bei den E-Bikes war das zuletzt immer mit langen Wartezeiten von bis zu sechs Wochen verbunden. Das ist für uns und auch für die Kunden nicht befriedigend.“ 

In einigen Städten hat es bereits Pilotversuche gegeben, um auszutesten, wie sich die Scooter im Straßenverkehr verhalten. In Bamberg und Herne beispielsweise, wurden ab März solche Tests durchgeführt. Das Feedback fiel positiv aus. In Ländern wie Frankreich und Spanien sind die Scooter schon zugelassen. 

Smarte Funktionen wie "Digitale Zäune"

Smarte Funktionen wie die „Digitalen Zäune“, stachen im Test besonders hervor. Es handelt sich dabei um eine Funktion, die auf GPS-Tracking basiert: Bewegt sich der Fahrer in einer Zone, die sehr eng oder hochfrequentiert ist, drosselt der Roller automatisch die Geschwindigkeit. 

Ein ähnliches Feature gibt es auch beim Parken: E-Scooter, die entliehen werden, zählen selbst die Zeit bis zum Ende der Leihperiode. Wird der Roller ordnungsgemäß geparkt, pausiert der Countdown. Stellt man ihn allerdings in einer Parkverbotszone ab, läuft die Zeit einfach weiter und es wird dementsprechend teurer für den Entleiher.

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