Es wird viel weniger getankt

Dumpingpreise an den Tankstellen: Betreiber verzeichnen trotzdem drastische Absatzrückgänge

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Werdohl/Neuenrade - Die Spritpreise sind so günstig wie schon seit fünf Jahren nicht mehr. Und doch ist der Umsatz an den Tankstellen massiv eingebrochen. Tankstellenbetreiber berichten von einer völlig paradoxen Situation.

98 Cent kostet der Liter Diesel zu den günstigsten Tageszeiten an der bft-Tankstelle in Werdohl, Superbenzin liegt rund 10 Cent darüber. Rein finanziell gesehen sind das beste Voraussetzungen, um mehr zu fahren als sonst. Auch mehr Zeit ist in vielen Familien bedingt durch Kurzarbeit da. Und doch ist der Umsatz an den Tankstellen massiv eingebrochen.

„Als es mit dem Lockdown losging, hatten wir nur noch die Hälfte an Absatz“, berichtet Marco Brückner, Pächter der Shell-Tankstelle in Neuenrade. Inzwischen sei man wieder bei etwa zwei Dritteln, also knapp 70 Prozent angekommen. „Es fährt kaum jemand zur Arbeit, weil viele Leute im Homeoffice sind. Und der private Verkehr ist momentan ja auch gewollt weniger“, sagt Brückner.

Freizeitparks, Schwimmbäder, einige Geschäfte und andere Stätten für den Zeitvertreib sind geschlossen. Gestiegen ist der Absatz dagegen bei den Zigaretten und Tabakwaren, erzählt Brückner. „Die Menschen haben zu Hause mehr Zeit und rauchen mehr.“ Auch bei Getränken gibt es eine größere Nachfrage als sonst.

„Wegen des guten und warmen Wetters“, vermutet der Tankwart. Was die Gesamtsituation für die Shell-Tankstelle betrifft, so ist merklich weniger los als normalerweise. Verluste gebe es, sagt Brückner, bisher seien sie aber noch verkraftbar. „Andere Branchen hat es deutlich härter getroffen als uns.“

Ein ganz ähnliches Bild von der aktuellen Lage zeichnet Georgios Kirkenidis, Leiter der Total-Tankstelle in Ütterlingsen. „Der Absatz ist mager, die Leute sind nicht mehr so viel unterwegs.“ Die Kunden, die innerhalb einer Stunde in die Tankstelle kommen, könne er an zwei Händen abzählen. „Lange kann das nicht mehr so weiter gehen, da muss sich wieder etwas ändern“, sagt Kirkenidis.

Er halte ohnehin nicht viel von der Corona-Panikmache. Spätestens seit vergangener Woche sind die Tankstellen in direkter Weise von den Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie betroffen. Wie in den Supermärkten gilt seitdem eine Maskenpflicht; nicht an der Zapfsäule, wohl aber beim Bezahlen und Einkaufen im Shop.

Zemir Avdibegovic, Leiter der bft-Station am Mühlenweg, berichtet, dass die Verkaufszahlen in seinem Shop stabil sind: „Die Leute kaufen mehr Produkte, die wetterabhängig sind, zum Beispiel Eis oder kalte Getränke.“ Der warme April habe ihm da sehr geholfen. Der Kraftstoffabsatz ist jedoch auch an der bft-Station „stark rückläufig“. Wirtschaftlich sei das glücklicherweise „bisher noch händelbar“, sagt Avdibegovic.

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