Drohungen und Polizeieinsätze

Autofahrer versuchen Stauchaos im Versetal zu umfahren

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Werdohl – Kaum war der Höhenweg am Mittwoch vergangener Woche um 5 Uhr dicht, kam es schon zu den ersten Zwischenfällen im Berufsverkehr. Allerdings nicht auf der völlig überfüllten Umleitung durch das Versetal.

Werdohl – Kaum war der Höhenweg am Mittwoch vergangener Woche um 5 Uhr dicht, kam es schon zu den ersten Zwischenfällen im Berufsverkehr. Allerdings nicht auf der völlig überfüllten Umleitung durch das Versetal.

Zur Hölzernen Klinke musste die Polizei am 15. Juli gleich zweimal ausrücken. Viele Autofahrer nutzten die Anliegerstraße, die vom Höhenweg runter auf die Bundesstraße 229 und umgekehrt führt, um die Ampel in Bärenstein zu umfahren und so Wartezeiten im teils kilometerlangen Stau zu umgehen. 

Das Problem: Die Straße ist für massiven Begegnungsverkehr nicht ausreichend breit dimensioniert. „Beim ersten Einsatz am Mittwoch hatten sich 20 Autos festgefahren“, berichtet Polizeisprecher Marcel Dilling auf Anfrage der Redaktion und nach Blick in den Einsatzbericht der Kollegen. Anwohnerin Petra Lehmann berichtet sogar von 30 Fahrzeugen, vor allem aber von einer ausgesprochen aggressiven Stimmung. Viele Fahrer hätten gehupt und sich rücksichtslos verhalten. Ein Fahrer sei ausgestiegen und habe zu Lehmanns Lebensgefährten gesagt: „Dir haue ich jetzt erst mal auf die Fresse!“ 

Straßen.NRW und das Ordnungsamt haben reagiert

Der Landesbetrieb Straßen.NRW als Straßenbaulastträger und das Werdohler Ordnungsamt haben inzwischen reagiert und die Absperrungen im Bereich am und rund um den Höhenweg so verschoben und erweitert, dass ein Durchkommen zur Hölzernen Klinke für Autos nicht mehr möglich ist. 

Das hat augenscheinlich Wirkung gezeigt. Schon zuvor hatten die Anwohner der Hölzernen Klinke die Straße selbst gesperrt – mit einem Trecker. Eine Maßnahme, die laut Aussage von Ordnungsamtsleiterin Andrea Mentzel nicht erlaubt war: „Es handelt sich um einen Wirtschaftsweg, der durch die Stadt Werdohl angelegt wurde – dementsprechend hat kein Anwohner die Befugnis, diesen Weg zu sperren.“ Außerdem ließ die Aktion nicht lange auf Proteste der Autofahrer warten: Gleich dreimal wurde die Polizei wegen Beschwerden bezüglich des Treckers zur Hilfe gerufen, wie Marcel Dilling berichtet. Er erinnert daran, dass der Weg prinzipiell auch als Rettungsweg für Einsatzfahrzeuge dienen kann, wenn er gerade der schnellste ist. 

Landwirt sperrt Weg mit Stacheldraht

Das beanstandet auch eine Autofahrerin, die sich an die SV-Redaktion gewandt hat: „Natürlich ist uns bekannt, dass der Weg über die Hölzerne Klinke, eine Anliegerstraße, nicht genommen werden darf. Allerdings darf der Landwirt diesen Weg auch nicht verstellen beziehungsweise mit Stacheldraht zusperren.“ Der „regelmäßig mitten auf der Straße“ stehende Trecker sei „lebensgefährlich, selbst für Spaziergänger, die diesen Bereich jetzt, da er quasi autofrei ist, zur Naherholung nutzen.“ Auch als Rettungsweg für die Anwohner in der Hölzernen Klinke müsse dieser Weg zwingend frei bleiben, gerade bei dem Stauchaos im Versetal. Die Bewohner des Ginsterweges könnten im Notfall sonst keine schnelle Hilfe erhalten. 

Petra Lehmann verteidigt sich: Der Trecker habe nur auf dem Weg gestanden, wenn sie zu Hause war und im Notfall schnell hätte beiseite fahren können. War sie unterwegs, sei auch der Trecker weg gewesen. 

Verhalten der Autofahrer "ein Ärgernis"

Für Lehmann ist und bleibt das Verhalten der Autofahrer ein Ärgernis, denn an den Einfahrten zur Hölzernen Klinke ist klar ausgeschildert, dass der Weg nur für Anlieger freigegeben ist. Um auf Nummer sicher zu gehen, hat sie von der Sperrbake am Höhenweg nun mit Stacheldraht eine Erweiterung zum Weidezaun gezogen. Die Autofahrer hätten die Baken zuvor einfach weggeräumt, erzählt Lehmann. Sie kann zwar den Missmut über die Wartezeit im Versetal verstehen („das ist Obermist, natürlich“) nicht aber, dass sich Einzelne so einfach über Verkehrsregeln hinwegsetzen. Sie stehe selbst täglich in der Warteschlange an der Ampel und nehme nicht die Abkürzung über den Höhenweg. 

Lehmann berichtet auch von überhöhter Geschwindigkeit, die zu gefährlichen Verkehrssituationen vor ihrer Haustür führten und von Müll, der aus den Autos in die Landschaft fliege. Der Lärm verschrecke zudem die Tiere, die normalerweise auf den Weiden stehen. Bulle „Anton“ sei in der vergangenen Woche deshalb schon einmal ausgebüchst und musste in Brunscheid wieder eingefangen werden.

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