1. come-on.de
  2. Lennetal
  3. Werdohl

Droht Verkehrschaos? B229 wird für Wochen gesperrt

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Volker Griese

Kommentare

In Versetal hat Westnetz eine neue Ferngasleitung verlegen lassen. Um jetzt die Fahrbahn wieder herstellen zu können, soll die B229 wochenlang gesperrt werden.
In Versetal hat Westnetz eine neue Ferngasleitung verlegen lassen. Um jetzt die Fahrbahn wieder herstellen zu können, soll die B229 wochenlang gesperrt werden. © Birke, Maximilian

Seit dem Sommer 2020 hat der Verteilnetzbetreiber Westnetz die Ferngasleitung durch das Versetal erneuert, was mit mehreren monatelangen Baustellen verbunden war. Die Gaspipeline liegt mittlerweile im Boden, aber Verkehrsteilnehmer müssen sich trotzdem noch einmal auf wochenlange Verkehrsbehinderungen einstellen. Das hängt auch mit der A45-Sperrung zusammen.

Werdohl – Ja, die Bundesstraße 229 durch das Versetal werde in den Sommerferien noch einmal gesperrt, bestätigte Werdohls Bürgermeister Andreas Späinghaus auf Nachfrage. Details würden aber noch bei einem sogenannten Verkehrstermin Anfang Juni besprochen.

Ursache für die notwendigen Bauarbeiten ist die Verlegung der Ferngasleitung im Auftrag von Westnetz. Dabei hatte das Bauunternehmen an verschiedenen Stellen die Straße aufbrechen müssen; die Fahrbahn war anschließend zunächst nur provisorisch wieder hergestellt worden. Die gründliche Wiederherstellung war eigentlich für das Jahr 2021 geplant. Diese Planung hat allerdings das Juli-Hochwasser durcheinandergewirbelt. Straßenbauunternehmen mit ihren Maschinen wurden plötzlich in anderen Teilen des Landes dringender benötigt als im Versetal, weshalb die Fahrbahnsanierung dort aufgeschoben wurde.

Jetzt lassen sich die Arbeiten nach Ansicht von Bürgermeister Späinghaus aber nicht länger hinauszögern. „Die Straße ist stellenweise in einem absolut maroden Zustand“, sagte er. Dabei werde die B229 demnächst, wenn die Rahmedetalbrücke der A45 gesprengt wird, als Umleitungsstrecke benötigt.

Zum Verständnis: Für die Sprengung der maroden Autobahnbrücke muss auf der darunter verlaufenden Altenaer Straße ein Fallbett aus Schotter und Erde angelegt werden, das die zusammenbrechende Brücke aufnehmen kann. Die Straße wird an dieser Stelle also über einen längeren Zeitraum nicht passierbar sein. Dann soll die B229 durch das Versetal als Umleitungsstrecke ausgewiesen werden. Um sie für diese Belastung zu ertüchtigen, soll nun in den Sommerferien die Fahrbahn zwischen Altenmühle und Borbecke in mehreren Abschnitten von Grund auf saniert werden.

Für die Unternehmen in der Region kommt diese Straßensperrung zur Unzeit. Die Sperrung der Bundesstraße 236 in Nachrodt, wo ein Felshang gesichert werden muss, wird sich noch mindestens drei Monate hinziehen, vielleicht auch länger. Damit fällt auch diese Sperrung komplett in die Sommerferien. In Richtung Norden und Westen aus Werdohl herauszukommen, gestaltet sich dadurch äußerst schwierig. Es bleibt nur die B229 in Richtung Neuenrade und dann weiter über Balve in Richtung Sundern/Arnsberg oder Menden (B515) und von dort aus in Richtung Hemer/Iserlohn. „Dafür arbeiten wir noch an einer Lösung“, gab Bürgermeister Späinghaus einen Einblick in die Überlegungen der beteiligten Behörden.

Für den Verkehr in und aus südlicher Richtung sei vorstellbar, die L 879 (Schwarze Ahe) zu nutzen, sagte Späinghaus weiter. Der Verkehr würde dann über Herscheid umgeleitet. „Dann müsste dort vorübergehend das LKW-Fahrverbot aufgehoben werden“, meint Späinghaus.

Heimische Unternehmen, insbesondere die aus dem Transportgewerbe, beobachten die Planungen mit Sorge. „Es ist ja gut, dass die Straße saniert wird, aber eine Vollsperrung ist dort sicherlich problematisch“, sagt zum Beispiel Bernd von Kiedrowski. Der Werdohler war einst Spediteur mit Leib und Seele, hat seine letzten Fahrzeuge aber in der Coronakrise abmelden müssen. Jetzt plant er für andere Unternehmen Sondertransporte.

Man könne doch die einzige Hauptstraße, die von Werdohl in Richtung Westen noch übrig geblieben sei, nicht komplett sperren, meint er. Für die Unternehmen in der Region habe das enorme Auswirkungen, gibt von Kiedrowski zu bedenken und nennt den Steinbruch in Kleinhammer als Beispiel. Von dort müsse Schotter zum Dortmunder Hafen abtransportiert werden. Außerdem sei für die Sommerferien mit vielen Schwertransporten zu rechnen, weil viele Unternehmen gerade diese Zeit nutzten, um ihre Maschinen auszutauschen, berichtet er aus seiner mehr als 40-jährigen Berufserfahrung. Eine Vollsperrung der B229 über mehrere Wochen wäre für ihn „ein weiterer Sargnagel für Werdohl, der eingeschlagen wird“.

Bernd von Kiedrowski glaubt, dass die Sanierung der Bundesstraße auch unter halbseitiger Sperrung und mit Erledigung größerer Arbeiten an Wochenenden zu bewältigen wäre. Auf jeden Fall brauche es „pragmatische Lösungen“, um den Verkehrskollaps zu verhindern.

Bürgermeister Späinghaus sind solche Sorgen nicht fremd. Eigenen Angaben zufolge hat er „jeden Tag Gespräche mit Unternehmern, die mich fragen, was sie tun sollen“. Er hofft deshalb, dass sich für die Sommerferien noch eine Lösung finden lässt. „Die Überlegungen sind noch nicht abgeschlossen. Aber wir machen uns natürlich Gedanken um unsere Unternehmen, vor allem um die Speditionen“, sagte er.

Westnetz

Die Westnetz GmbH mit Hauptsitz in Dortmund ist der Verteilnetzbetreiber für Strom und Gas im Westen Deutschlands. Das Unternehmen ist eine 100-prozentige Tochter der Westenergie AG. Westnetz betreibt mit 5800 Mitarbeitern eine Vielzahl von Netzen unterschiedlicher Eigentümer.

Innerhalb der Westenergie AG verantwortet Westnetz im regulierten Bereich Planung, Bau, Instandhaltung und Betrieb von 175 000 Kilometern Stromnetz und 24 000 Kilometern Gasnetz.

Auch interessant

Kommentare