Angeklagter gelobt Besserung

Drogenhandel: Gericht reduziert das Strafmaß

Ein Werdohler hatte jetzt mit seiner Berufung vor dem Landgericht Erfolg.
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Ein Werdohler hatte jetzt mit seiner Berufung vor dem Landgericht Erfolg.

Auch kleine Erfolge können zur Zufriedenheit beitragen: Im Fall eines 33-jährigen Werdohlers war die Minderung einer vom Amtsgericht Altena im September 2020 verhängten Bewährungsstrafe Anlass für Freude

Eine Berufungskammer des Landgerichts Hagen erließ ihm zwei Monate und verurteilte ihn wegen Beihilfe zum Handeltreiben mit einer nicht geringen Menge Betäubungsmittel zu einer nunmehr zehnmonatigen Bewährungsstrafe.

Eine Nachbarin hatte im Herbst 2018 den regen Kundenverkehr an der Wohnung des Angeklagten mit dessen angeblichem Drogenhandel in Verbindung gebracht. Tatsächlich fand die Polizei in seiner Wohnung bei einer Durchsuchung am 5. Dezember 2018 gut 200 Gramm Marihuana. Der Beschuldigte trug vor, dass die heiße Ware nicht ihm gehöre. Er habe sie vielmehr für einen anderen Drogenhändler gebunkert, den er nur vage beschrieb. Als Bezahlung für die Verwahrung habe er ab und zu mal etwas davon abzweigen dürfen.

Polizei nimmt die Drogen mit

Diese Geschichte war im Amtsgericht nicht zu widerlegen. Eine gewisse Glaubwürdigkeit erlangte sie dadurch, dass der Angeklagte anschaulich von den Prügeln berichtete, die er vom Eigentümer der Drogen nach deren Verlust bekommen hatte. Denn die Polizei hatte das Marihuana pflichtgemäß mitgenommen. Auch die Entscheidung des Landgerichts stützte sich auf diese Feststellungen über die Tat, nachdem der 33-Jährige seine Berufung auf das Strafmaß beschränkt und damit sein Geständnis aus dem Amtsgericht bekräftigt hatte.

Er hatte sich offenbar bemüht, sein Leben in den Griff zu bekommen: Aus einer Qualifikationsmaßnahme der Arbeitsagentur heraus hatte er sich erfolgreich um eine Umschulung beworben. „Das Strafverfahren hatte etwas Segensreiches für ihn“, lobte der Verteidiger die Denkanstöße, die auch vor Gericht initiiert werden können. Der Angeklagte gelobte Besserung und sprach von einer „Dummheit“.

Tat wird zu einem minderschweren Fall

Was sprach für eine Minderung der Strafe? Rechtsanwalt Christian Simonis bemängelte das Vorgehen des Amtsgerichts bei der Strafzumessung. Vor allem sei die Frage eines „minderschweren Falles“ nicht ausreichend geprüft worden. Die Staatsanwältin hielt dagegen: „Ja, man kann sich mit einem minderschweren Fall auseinandersetzen – annehmen kann man ihn nicht.“ Sie beantragte, die Berufung zu verwerfen. Doch auch die Richter sahen Anlass, die Tat als minderschweren Fall anzusehen. Allerdings fanden sie keinen Spielraum für eine weitergehende Minderung der Strafe. Der Angeklagte und sein Verteidiger waren im Hinblick auf zukünftige Bewerbungen um einen Arbeitsplatz dennoch zufrieden.

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