„EncroChat“-Verfahren

Drogenbande aus dem MK und Hagen drohen harte Strafen

In dem Verfahren geht es um Drogenhandel in großem Stil, unter anderem um 30.000 Ecstasy-Tabletten.
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In dem Verfahren geht es um Drogenhandel in großem Stil, unter anderem um 30.000 Ecstasy-Tabletten.

Das vermeintlich abhörsichere Netzwerk „EncroChat“ wurde vier Männern zum Verhängnis. Denn französischen Sicherheitsbehörden entschlüsselten das Netzwerk, über das die Kriminellen ihre Rauschgiftgeschäfte abgewickelt haben sollen, zumindest teilweise.

Deshalb müssen sich die drei Hauptangeklagten aus Werdohl (32), Lüdenscheid (35) und Hagen (32) nun wegen bandenmäßigen Drogenhandels vor dem Hagener Landgericht verantworten. Einem mitangeklagten Lüdenscheider (30) wird Drogenhandel vorgeworfen.

In dem Verfahren geht es unter anderem um 9,2 Kilogramm Heroin, 1,45 Kilogramm Kokain, 30 000 Ecstasy-Tabletten sowie weitere 3,6 Kilogramm Ecstasy.

Drogen in den Niederlanden bestellt

Der Kopf der Band, gegen den in einem separaten Verfahren verhandelt wird, soll die Drogen in den Niederlanden bestellt und nach der Lieferung meist an den 35-jährigen Lüdenscheider und den 32-jährigen Werdohler übergeben haben. Beide sollen die Drogen im Straßenverkauf sowie über eigens erstellte Webseiten im Darknet und Internet vertrieben haben. Laut Ermittlungsstand von Polizei und Staatsanwaltschaft gehörte ab Sommer 2020 auch der Hagener zu der Bande. Schwerpunktmäßig soll er für das Konfektionieren des Amphetamins, die Lagerung, den Transport und den Versand des Rauschgifts zuständig gewesen sein. Der mitangeklagte Lüdenscheider wird eher als eine Art Trittbrettfahrer angesehen. Ohne Teil der Bande gewesen zu sein, soll er von deren Einkaufsbedingungen in den Niederlanden profitiert haben.

Was ist EncroChat?

2016 ging der europäische Dienstleister EncroChat an den Markt und bot Ende-zu-Ende verschlüsselte Kommunikationsnetzwerke und Endgeräte – sogenannte Krypto-Handys – an. Weil Täter vor allem aus dem Bereich der organisierten Kriminalität das System nutzten, leitete Europol zwischen März und Juni 2020 zahlreiche Ermittlungsverfahren gegen EncroChat ein. Französische Fahnder waren zuvor in das Netzwerk eingedrungen und hatten Viren auf den Endgeräten installiert. EncroChat stellte den Geschäftsbetrieb darauf ein. Zum Zeitpunkt seiner Schließung hatte der Dienst 60 000 Abonnenten. Es gab mehr als 1000 Festnahmen. Im September 2020 wurde bekannt, dass das Bundeskriminalamt mehrere hunderttausend Chatverläufe prüft und Ermittlungen gegen etwa 3000 deutsche Nutzer führt. In den Niederlanden wurden insgesamt 19 Drogenlabore ausgehoben, gleich mehrere Auftragsmorde verhindert und rund 100 Verdächtige festgenommen, mehr als acht Tonnen Kokain, rund 1,2 Tonnen Crystal Meth, Schusswaffen, teure Uhren, knapp 20 Millionen Euro und 25 Autos beschlagnahmt.

Ab September 2019 soll das im Nachbarland bestellte Rauschgift mehrfach in größeren Mengen von Kurierfahrern nach Lüdenscheid und Hagen gebracht worden sein. Bei der Kontrolle eines niederländischen Kuriers auf der Autobahn 46 bei Heinsberg wurden 30 Liter Amphetaminöl und 29 Kilogramm Amphetaminsalz sichergestellt. Zudem wurden die Ermittler bei fünf Wohnungsdurchsuchungen bei den Angeklagten und weiteren Bandenmitgliedern in Witten, Wuppertal, Lüdenscheid und Hagen fündig, stellten erhebliche für den Verkauf bestimmte Drogenmengen (unter anderem 3,5 Kilogramm Heroin, 2,2 Kilogramm Methamphetamin und 15 000 Ecstasypillen sowie eine Marihuana-Plantage) sicher.

Die vier Angeklagten sitzen in Untersuchungshaft

Sollten die vier Angeklagten, die in Untersuchungshaft sitzen, verurteilt werden, drohen ihnen mehrjährige Haftstrafen. Für das Handeltreiben mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge sieht das Gesetz eine Freiheitsstrafe von einem bis fünf Jahren vor, bei bandenmäßiger Begehung von fünf bis 15 Jahren. Die beiden Lüdenscheider sollen bereits mehrmals wegen Drogendelikten, der Hagener wegen versuchter Nötigung verurteilt worden sein. Der 32-jährige Werdohler ist nicht vorbestraft.

Für das Verfahren, das am 19. August vor dem Hagner Landgericht beginnt, sind zunächst elf Verhandlungstage vorgesehen. Das Urteil soll nach derzeitigem Stand Ende Oktober fallen.

Erstes Verfahren bereits abgeschlossen

In einem ersten „EnchroChat“-Verfahren hatte die 6. große Strafkammer des Hagener Landgerichts einen 29-jährigen Familienvater aus Lüdenscheid bereits zu einer Freiheitsstrafe von sechs Jahren und zehn Monaten verurteilt. Die ersten 17 Monate wird der Mann im „Vorwegvollzug“ in einer Entziehungsanstalt verbringen. Die Staatsanwaltschaft hatte dem 29-Jährigen vorgeworfen, verbotene Rauschgifte im dreistelligen Kilogramm-Bereich in dem vermeintlich abhörsicheren Netzwerk entweder angeboten oder gesucht zu haben.

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