Günstige Miete gibt es nicht umsonst

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Die SPD-Fraktion Werdohl hat am Dienstag das im Bau befindliche Nachbarschaftshilfezentrum auf der Königsburg besucht. Bauleiter Markus Zanger (rechts) erläuterte den Baufortschritt und zeigte, wie alles nach der Fertigstellung aussehen soll.

Werdohl - Prinzipiell ist das Nachbarschaftshilfezentrum (NHZ), das derzeit auf der Königsburg entsteht, ein Wohnmodell für die ältere Generation. In einem Punkt könnten die Enkel ihre Großeltern, die demnächst dort einziehen, aber beneiden. Die SPD-Fraktion des Stadtrates hat sich am Dienstag ein Bild vom Baufortschritt an der Oststraße gemacht.

Ingo Wöste, Geschäftsführer der Wohnungsgesellschaft (Woge), und Woge-Bauleiter Markus Zanger, erläuterten den Sozialdemokraten das Konzept der Nachbarschaftshilfezentren, von denen in Werdohl bereits zwei – in Pungelscheid und in Ütterlingsen – entstanden sind, und führten sie durch das dreigeschossige Gebäude, in dem die Bauarbeiten inzwischen deutlich sichtbar vorankommen.

Im Erdgeschoss des Hauses mit der Fassade in kräftigen Farben befindet sich neben einem 145 Quadratmeter großen Gemeinschaftsraum, der Gemeinschaftsküche und der Gästetoiletten auch das Büro des Pflegedienstes, der demnächst dort 24 Stunden am Tag präsent sein wird.

Auf dieser Etage wird sich auch eine Wohngruppe mit acht Appartements für jeweils eine Person befinden. Einige davon werden rollstuhlgerecht sein. Allen Bewohnern dieser Wohngruppe wird eine Gemeinschaftsterrasse zur Verfügung stehen.

"Wohnungen werden beliebt sein"

Im Obergeschoss entstehen gerade 16 gut 60 Quadratmeter große Wohnungen, in denen zwei Personen gemeinsamen wohnen können. Sie werden durch einen Laubengang erreichbar sein und auf der Talseite über einen Balkon verfügen, der weite Ausblicke über Werdohl ermöglicht. „Diese Wohnungen werden beliebt sein“, ist sich Ingo Wöste sicher, dass sie schnell vermietet sein werden. Zumal der Mietpreis mit 4,65 Euro pro Quadratmeter aufgrund der öffentlichen Förderung des Neubaus sehr günstig sei.

Das Untergeschoss bietet nicht nur Platz für eine Tiefgarage für zwölf Autos und Kellerräume, sondern auch für fünf Ein-Raum-Wohnungen, die talseitig angeordnet sind und deshalb viel Tageslicht erhalten.

Woge-Geschäftsführer Wöste verspricht sich viel von diesem 3,4 Millionen Euro teuren Nachbarschaftshilfezentrum, auch für das gesamte Wohngebiet Königsburg. „In Ütterlingsen hat das NHZ den ganzen Stadtteil beeinflusst. Das ist der Beweis, dass man ein Quartier auf diese Weise auch positiv beeinflussen kann“, blickte er ein wenig lenneabwärts, wo vor zehn Jahren das erste NHZ der Woge eröffnet worden ist.

Woge-Geschäftsführer Ingo Wöste führte die SPD durch die Baustelle.

Ziel der Woge war es, dass betagte Menschen in ihrem gewohnten Wohnumfeld bleiben können. Grundlage dafür ist ein Pflegestützpunkt im NHZ, der auch den Bewohnern der umliegenden Häuser rund um die Uhr Versorgungssicherheit bietet. Ambulante Pflege, kleine Hilfen, Notrufe oder das Mittagessen können Mieter aller Woge-Häuser rund um das NHZ aus dem Wohngemeinschaftshaus nebenan beziehen.

So etwas wünsche er sich auch für die Königsburg, weshalb die Woge sich ihre Mieter für das neue Haus auch sehr genau ansehen wolle. „Unsere Bewohner sollen sich nicht nur den günstigen Mietpreis sichern, sondern müssen auch bereit sein, sich in die Gemeinschaft einzubringen, Kontakte mit den Mitbewohnern und Nachbar zu pflegen“, stellte Wöste klar, dass es der Woge sehr auf den sozialen Zusammenhalt in den Quartieren ankommt.

Abstellgleis oder neue Lebensphase

Die Nachbarschaftshilfezentren hält Wöste für eine zukunftsträchtige Wohnform. Viele Menschen, die sich im Alter für einen Umzug entscheiden müssten, stünden doch vor der Frage, ob sie sich für das „Abstellgleis oder für eine neue Lebensphase entscheiden, die auch Vorteile bringt“, sagte er. Die einzige Alternative zum NHZ sei dann das Seniorenheim. „Ein anderes Zwischending gibt es nicht“, ist Wöste überzeugt.

Erste Interessenten, die in das neue NHZ an der Ecke Oststraße/Am Nocken einziehen möchten, gebe es schon. „Wir führen aber mit jedem einzelnen Gespräche, um herauszufinden, ob wir auch zusammenpassen“, betonte Wöste mehrfach. Ohne die Bewohner blieben die Wohnungen, die die Woge derzeit an der Oststraße baue, nur kalter Stein und Beton. „Richtig aufblühen wird das Nachbarschaftshilfezentrum erst durch die Menschen, durch ihre Bereitschaft zum Miteinander“, sagte Wöste.

Mit der Fertigstellung des Neubaus, für den zuvor sechs Mietshäuser mit insgesamt 18 Wohnungen weichen mussten, rechnet der Woge-Geschäftsführer für September, sein Bauleiter Markus Zanger ist nicht ganz so optimistisch und spricht lieber vom Jahresende. Die Bewohner werden dann eine Annehmlichkeit vorfinden, um die sie die jüngere Generation vielfach beneiden dürfte. „Das Haus wird durchgängig mit Glasfaserkabel versorgt sein“, versprach Ingo Wöste für das Nachbarschaftshilfezentrum einen rasant schnellen Zugang zum Internet.

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