WK-Schließung wirkt sich aus

In drei Monaten ist Heiligabend: Unsicherheit vor dem Weihnachtsgeschäft

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Schneemänner und Wichtel zwischen blühendem Lavendel: Bei sommerlichen Temperaturen bereiten sich Floristmeister Carsten Fromm und sein Team auf das diesjährige Weihnachtsgeschäft vor.

Werdohl – Während Kinder auf dem Brüninghaus-Platz genüsslich ihr Eis schlecken und sich eine Passantin schwitzend über die Hitze im September beklagt, hebt Carsten Fromm nebenan in seinem Ladenlokal Schneemänner und Wichtel aus einem großen Pappkarton, um sie mit einem Preisschild zu versehen.

„Wir haben schon mit der Auszeichnung der Weihnachtsartikel begonnen“, sagt der Floristmeister. Ab heute vergehen noch genau drei Monate – dann ist Heiligabend. 

Verkaufen wird Carsten Fromm Engel, Rentiere und Co. in seinem Blumen- und Deko-Fachgeschäft allerdings erst ab der letzten Oktoberwoche. Auf dem Großmarkt, den er regelmäßig ansteuert, seien die Weihnachtsartikel seit etwa zwei Monaten zu haben. „Und für uns war der späteste Einkaufstermin im März“, erzählt der Floristmeister. 

Kunden schimpfen über coronabedingte Einschränkungen

Dem Weihnachtsgeschäft sieht er in diesem Jahr mit gemischten Gefühlen entgegen. „Wir wissen nicht, was uns erwartet“, stellt Fromm fest. Denn nicht nur die coronabedingten Einschränkungen („Viele Kunden schimpfen über die Masken und bleiben längst nicht mehr so lange wie früher im Laden“) machen dem Geschäftsmann zu schaffen. „Seit das WK geschlossen ist, fehlt uns die Laufkundschaft völlig“, stellt er fest. „Viele WK-Kunden sind nach ihrem Einkauf bei uns vorbeigeschlendert und haben spontan etwas gekauft.“ Andererseits seien viele seiner Kunden „mal eben ins WK gegangen“, um dort beispielsweise noch eine Kleinigkeit zum Blumengeschenk zu besorgen. „Deshalb bieten wir jetzt das Lindt-Schokoladensortiment und eine sehr große Kartenauswahl für verschiedene Anlässe an. Mehr geht einfach nicht.“ 

Was die Entwicklung der vergangenen Monate für sein Geschäft bedeutet, kann Fromm in Zahlen ausdrücken: „Im Vergleich zum Vorjahr hatten wir in diesem August 900 Kunden weniger.“ Dazu komme, dass auch das Geschäft mit Hochzeits- und Trauerfloristik in den Zeiten der Corona-Pandemie stark zurückgegangen sei. 

Floristmeister wünscht sich kostenfreies Parken

Nicht nur mit Blick auf das Weihnachtsgeschäft wünscht sich der Floristmeister deshalb eventuell auch ein Umdenken im Rathaus: „Wenn die Kunden schon kommen, um noch bei den heimischen Einzelhändlern einzukaufen, sollten sie doch idealerweise kostenfrei in der Nähe parken können.“ 

Für Juwelier Dirk Holtschmidt beginnt das Weihnachtsgeschäft noch deutlich später. „Man kann sagen, dass wir erst im Dezember an der Reihe sind.“ Die Schaufenster am Eggenpfad sollen Mitte bis Ende November dekoriert werden. Waren für das Weihnachtsgeschäft hat Holtschmidt aber längst eingekauft. 

Holtschmidt: Derzeit nicht unzufrieden

Auch seine Kunden würden sich über die Maskenpflicht beklagen, erzählt Holtschmidt. „Sie sind allerdings sehr diszipliniert“, lobt er, ebenso wie zuvor Fromm, die Werdohler. Trotz der Einschränkungen in Zusammenhang mit der Corona-Pandemie sei er aktuell aber „nicht unzufrieden“, erzählt der Juwelier. „Wir bieten viele Dienstleistungen an, wechseln zum Beispiel Uhren-Batterien oder Armbänder. Das wurde auch im WK-Warenhaus angeboten. Seit der Schließung haben wir in diesem Bereich mehr zu tun.“ 

Sabine Armbrecht, Geschäftsführerin des Elektrohauses Armbrecht, ist zufrieden mit dem Umsatz.

Auch Sabine Armbrecht, Geschäftsführerin des Elektrohauses, ist augenblicklich nicht unzufrieden. „Wir merken, dass die Menschen in Corona-Zeiten viel zu Hause sind, und es ihnen wichtig ist, es dort schön zu haben.“ So habe der Kundendienst augenblicklich sehr viel zu tun. „Die Menschen hier kennen uns seit Jahrzehnten. Und gerade in dieser Zeit möchten sie wissen, wer zu ihnen ins Haus kommt“, weiß Armbrecht aus Gesprächen mit ihren Kunden. Hinzu komme, dass viele Werdohler coronabedingt in diesem Jahr auf die geplante Urlaubsreise verzichten mussten: „Stattdessen gönnen sie sich dann beispielsweise einen neuen Herd.“ 

Armbrecht: Vor allem der Herd ist gefragt

Apropos Herd: Speziell dieses Küchengerät verkaufe sich in der Vorweihnachtszeit in der Regel gut. „Für die Weihnachtsgans“, weiß Sabine Armbrecht. Auch Kaffeevollautomaten seien dann besonders gefragt. Weihnachtlich dekoriert wird an der Hasenhelle allerdings erst nach Totensonntag. 

Abdul Kaya, Inhaber des Kaufhauses „my city Shop“, ist mit der aktuellen Situation nicht zufrieden. „Es kommen viel weniger Kunden, etwa 30 bis 40 Prozent weniger“, schätzt er. Kaya fragt sich: „Was soll noch aus Werdohl werden, wenn die Menschen nicht mehr in die Geschäfte gehen?“ Um gegenzusteuern, hat sich der Geschäftsmann dazu entschlossen, seine Waren auch im Internet anzubieten. „Die Planungen für unseren eigenen Internetauftritt laufen“, berichtet er. Zusätzlich denke er darüber nach, künftig auch im Internetauktionshaus eBay tätig zu werden.

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