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Drei Monate nach der Flut: Alle Hilfsgelder sind verteilt

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Von: Volker Griese

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Das Hochwasser traf unter anderem die Bewohner eines Mehrfamilienhauses an der Heimstraße. Mahmut Sinecek zeigte einige Tage später den Stand des Hochwassers, das vom Nachbargrundstück in die Keller und Kellerwohnungen geströmt war.
Das Hochwasser traf unter anderem die Bewohner eines Mehrfamilienhauses an der Heimstraße. Mahmut Sinecek zeigte einige Tage später den Stand des Hochwassers, das vom Nachbargrundstück in die Keller und Kellerwohnungen geströmt war. © Heyn, Volker

Der Jahrhundertregen, der am 14. und 15. Juli auf die Region niedergegangen ist, hat auch in Werdohl zum Teil beträchtliche Schäden angerichtet.

Für die Stadt war das Anlass, eine Spendenaktion ins Leben zu rufen. Jetzt seien die letzten Hilfsgelder ausgezahlt worden, teilte Bürgermeister Andres Späinghaus (SPD) mit und sprach von einer großen fünfstelligen Summe.

Sehr schnell nach der Flut, die vor allem in Dresel und im Versetal für große Verwüstungen gesorgt hat, hatte Bürgermeister Späinghaus im Juli die Bevölkerung zu Spenden für die Familie des im Einsatz ums Leben gekommen 52-jährigen Feuerwehrmanns, aber auch für die anderen Flutopfer aufgerufen. Er richtete einen Appell an die Werdohler, die nicht von der Flutkatastrophe betroffen sind, die betroffenen Mitbürger finanziell zu unterstützen.

Spenden kommen auch aus der Partnerstadt

Einen Spendenaufruf hatte es auch in Werdohls Partnerstadt Stavenhagen (Mecklenburg-Vorpommern) gegeben. Die politisch Verantwortlichen in der Reuterstadt hatten sich an die Unterstützung erinnert, die ihre Stadt in der Nach-Wendezeit aus Werdohl erhalten habe und wollten nun die Partnerstadt im Sauerland nicht im Stich lassen. „Wir müssen helfen, wir sind Partner“, hatte Stavenhagens Bürgermeister Stefan Guzu erklärt.

Mehr als 70 000 Euro spendeten in den folgenden Tagen und Wochen die Werdohler selbst für ihre Mitbürger, weitere 15 000 Euro seien aus Stavenhagen überwiesen worden, teilte Bürgermeister Andreas Späinghaus jetzt mit. „Für die Hilfe aus Stavenhagen bin ich wirklich ausgesprochen dankbar“, betonte Späinghaus. Die Menschen dort hätten sich „in einer wunderbaren Art und Weise solidarisch gezeigt“ und „dem Begriff Partnerstadt eine ganz neue Bedeutung gegeben“, schrieb Späinghaus in einem Brief an seinen Amtskollegen Guzu.

Spendenrat entscheidet über Verteilung des Geldes

Über die Verteilung des Geldes entschied ein vom Bürgermeister ernannter Spendenrat, bestehend aus Altbürgermeister Manfred Wolf, Pfarrer im Ruhestand Rüdiger Schmale und Ex-Vossloh-Betriebsrat Wolfgang Klein. Anfang August, gerade einmal zwei Wochen nach der Flut, tagte der Spendenrat erstmals und schüttete 50 000 Euro an Flutopfer aus. Vor wenigen Tagen traf sich das Gremium noch einmal, um auch noch das letzte Geld an Betroffene zu verteilen. „Die Auszahlung ist damit abgeschlossen“, erklärte Bürgermeister Späinghaus, dass nun alle eingegangenen Spenden ausgezahlt worden seien.

Ex-Bürgermeister Manfred Wolf erläuterte, worauf es dem Spendenrat bei der Verteilung der rund 92 000 Euro angekommen sei. „Es sollten keine langwierigen Prüfungen vorgenommen werden“, machte er deutlich, dass es dem Trio auf unbürokratische Hilfe angekommen sei. Der Spendenrat habe sich daran orientiert, welche von der Unwetterkatastrophe betroffenen Werdohler Soforthilfen des Landes beantragt hätten. Dieses Hilfsprogramm hatte einen Sockelbetrag von 1500 Euro für jeden betroffenen Haushalt und darüber hinaus 500 Euro für jede im Haushalt lebende Person, maximal jedoch 3500 Euro pro Haushalt vorgesehen. „In Relation zu diesen staatlichen Hilfen haben wir auch die vor Ort eingegangenen Spendengelder verteilt“, erklärte Wolf.

Gute Vorarbeit durch die Stadtverwaltung

Dank einer guten Vorarbeit der Stadtverwaltung, insbesondere der Abteilung für Bauen und Immobilienmanagement, habe der Spendenrat damit nicht allzu viel Arbeit gehabt. „Das ging alles recht zügig. Wir haben insgesamt drei Mal getagt“, blickte Manfred Wolf zurück. Die Arbeit des Spendenrates betrachtet er damit als erledigt.

Direkten Kontakt zu Flutopfern beziehungsweise Empfängern von Hilfszahlungen in Werdohl habe der Spendenrat übrigens nicht gehabt, sagte Wolf auf Nachfrage. Allerdings habe sich „der eine oder andere“ für die finanzielle Unterstützung bedankt.

Schäden sind noch lange nicht behoben

Rückblickend hält Wolf die Idee, seines Amtsnachfolgers, die Verteilung der Spendengelder in die Hände eines unabhängigen Gremiums zu legen, für gut. „Und da es sich um eine gute Angelegenheit handelte, wollten wir uns seiner Bitte auch nicht verschließen“, sprach Wolf auch für Schmale und Klein.

Bewusst ist Manfred Wolf auch, dass die Schäden, die die Jahrhundertflut vor gut drei Monaten in Werdohl hinterlassen hat, noch lange nicht behoben sind. Die Auszahlung der Spenden aus Werdohl und Stavenhagen habe nur ein Beitrag sein können, die ersten Schäden zu beheben. „Für das, was jetzt noch nötig ist, gibt es den 30-Milliarden-Euro-Aufbaufonds“, verwies Wolf auf weitere Finanzhilfen, auf die sich Bund und Länder verständigt haben.

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