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Drei Monate nach dem Unwetter: So läuft die Reparatur der Bahnstrecken in der Region

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Von: Michael Koll

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Interessiert hörten die Werdohler Eisenbahner zu, was Guido Kaiser (Mitte)  von der DB über den Zustand der Strecken in der Region nach der Flut im Juli berichtete.
Interessiert hörten die Werdohler Eisenbahner zu, was Guido Kaiser (Mitte) von der DB über den Zustand der Strecken in der Region nach der Flut im Juli berichtete. © Michael Koll

Sprichwörtlich großer Bahnhof herrschte bei der Jubiläumsveranstaltung des Eisenbahnerstammtisches im Heimat- und Geschichtsverein Werdohl, der damit am Donnerstagabend sein Zehnjähriges feierte. 24 Teilnehmer saßen im Kleinen Kulturforum beisammen. Grund für die hohe Resonanz war der Besuch von Guido Kaiser.

Werdohl ‒ Der Bezirksleiter Betrieb der Deutschen Bahn, dessen Arbeitsplatz sich in Hagen befindet, hielt einen Vortrag über die Schäden auf heimischen Bahnstrecken, die die Flutkatastrophe Mitte Juli hervorgerufen hat. „Im gesamten Raum zwischen Hagen und Dortmund haben wir damals vier Tage gebraucht, um zu erkunden: Wo können wir überhaupt wieder Züge fahren lassen?“, erinnerte Kaiser an die erste Inaugenscheinnahme der Verwüstungen. „Im Siegerland und im Hochsauerlandkreis hingegen gab es überhaupt keine Schäden“, berichtete er.

Seither habe sich „der Stand fast nicht verändert“, gab er zu. Die heimische Ruhr-Sieg-Strecke ist seit dem Jahrhundertunwetter gesperrt. Allerdings war Kaiser optimistisch, dass es noch vor dem Jahreswechsel positive Nachrichten geben könnte. Es handele sich schließlich um einen Versicherungsschaden „und das Geld ist da“, wobei es derzeit noch nicht möglich sei, abzuschätzen, von welcher Summe da eigentlich die Rede sein müsste, konkretisierte er auf Nachfrage.

In Hagen sei das Stellwerk ausgefallen. Behelfsmäßig würden derzeit die Aufgaben vom Stellwerk in Finnentrop übernommen. In Hagen selbst werde nun das für die Technik benötigte Kabelwerk in einem neuen Gebäude untergebracht. Die Züge führen augenblicklich teils große Umwege. „So werden Firmen in Plettenberg momentan etwa über Strecken aus dem Ruhrgebiet kommend beliefert – statt direkt von Hagen aus“, verdeutlichte der Bezirksleiter. „Wir hoffen aber, das Stellwerk in Hagen zum Monatswechsel wieder in Betrieb nehmen zu können.“

In Hohenlimburg hingegen müssten sämtliche Gleise ausgetauscht werden. Das dauere noch etwas länger. Erst wenn das geschafft sei, könne der Bahnhof in Altena beispielsweise seine Arbeit wieder aufnehmen. Konkreter terminierte Kaiser das nicht. Doch für Werdohl hatte er ein festes Datum im Gepäck: „Zum Fahrplanwechsel am 12. Dezember soll nach derzeitigen Planungen die Ruhr-Sieg-Strecke auch wieder bedient werden.“ Diesen Termin hatte die Bahn zuletzt auch offiziell genannt. Denn mit dem Fahrplanwechsel soll erstmals die neue Intercity-Linie 2324 auch durch Werdohl, Altena und Plettenberg fahren.

Mit dem IC 2324 bringt die Bahn eine ganz neue zusätzliche Fernverkehrslinie von Frankfurt über Siegen nach Dortmund beziehungsweise Münster auf die Schiene. Auch Werdohl, Altena und Plettenberg erhalten damit etwa zweistündlich schnelle, umsteigefreie Fernverkehrsanbindungen nach Frankfurt sowie nach Hamm, Dortmund und Münster.

Die Strecke von Hagen-Rummenohl bis Lüdenscheid-Brügge hingegen wird nach momentaner Einschätzung Kaisers erst wieder im Dezember 2022 voll befahrbar sein. „Aber wir sind noch gut davongekommen. In der Eifel wird Normalität im Bahnverkehr wohl erst Ende 2024 wieder erreicht werden“, zog er einen Vergleich.

Im Märkischen Kreis hingegen würden derzeit auch Brückenbauwerke mit Hilfe von Probebohrungen untersucht. Dazu gehöre auch das Viadukt in Ütterlingsen. „Wir schauen, inwieweit diese Bauwerke noch voll belastbar sind“, sagte Kaiser und gab darüber hinaus keine Prognosen ab. Die konkrete Nachfrage, ob ein Abriss des Viaduktes zu befürchten sein könnte, beantwortete er nicht.

Auch beschädigte Tunnel müssten aufgearbeitet werden. „Das wird aber sicher fünf bis zehn Jahre in Anspruch nehmen“, erstickte der Bahn-Experte Hoffnungen auf schnelle Hilfen. Vielmehr führten diese Arbeiten zu weiteren Einschränkungen im Bahnverkehr. So werde die Strecke zwischen Iserlohn und Schwerte ab dem 22. Oktober für acht Wochen gesperrt, weil dort zwei Behelfbrücken eingefügt werden müssten.

Von Lüdenscheid nach Köln könnten Bahnreisende hingegen problemlos „und planmäßig jede Stunde“ kommen, wenn nicht – wie am Donnerstag – der Sturm zu einer vorübergehenden Sperrung der Trasse führe.

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