Werdohler Unternehmen klagen über hohe Spritpreise

Ralf Neubauer betankt seinen Lkw auf dem Hof der Spedition Kayser in Dresel.

WERDOHL ▪ „Momentan, sagt Fahrlehrer Horst Burghardt, tanke die komplette Fahrschulflotte für etwa 1500 Euro im Monat – im Gegensatz zu früheren 1200. Das sei schon „eine ganze Ecke mehr“. Allerdings überraschen die hohen Spritpreise den Fahrlehrer nicht wirklich.

„Das war an sich zu erwarten.“ Durch den Lieferstopp des Irans sei die Preissteigerung absehbar gewesen; noch dazu meinten die Gesellschafter der Tankstellen, das Öl auf der Börse in Rotterdam sei zu teuer. Burghardt hält nichts von dieser Aussage.

Tipps zum spritsparenden Fahren hat er einige. So solle rechtzeitig in höhere Gänge geschaltet werden, um mit niedriger Drehzahl zu fahren. Es gelte auch „je mehr Gas, desto mehr Sprit“. Des weiteren sollten die Autofahrer verhaltener fahren. Auf der Autobahn, so Burghardt, reichten 120 statt 150 Stundenkilometer. Das könne auf einer Strecke von 100 Kilometern zwei bis drei Liter Benzin sparen. Dies habe er erst letztens auf dem Weg von Wolfsburg nach Werdohl getestet – und im Durchschnitt 25 Prozent Kraftstoff gespart.

Weitere Empfehlungen hat auch sein Sohn Martin, ebenfalls Fahrlehrer. Sich über die hohen Preise aufzuregen sei vergebene Mühe. „Man kann eh nichts daran ändern“, sagt er. Stattdessen rät auch er zum kraftstoffsparenden Fahren. Es helfe, den Reifendruck zu erhöhen. Auch den Motor öfter auszustellen könne Benzin sparen. Burghardt rät auch dazu, den Schwung des Autos auszunutzen und zu versuchen, ohne Anfahren zu müssen weiterzukommen. Elektrische Verbraucher wie die Klimaanlage erhöhen den Verbrauch ebenso wie unnötige Dachaufsätze oder schwere Gegenstände im Kofferraum. Wenn man auf diese Dinge achte lohne es sich schon; das Ganze müsse über das Jahr gerechnet werden. Abschließend verwies Martin Burghardt darauf, dass die Fahrschule auf Anfrage auch Seminare zum Thema „Kraftstoffsparen“ anbietet.

Bei benötigten 100 000 Litern Lkw-Diesel pro Monat ist Spritsparen auf jeden Fall angebracht. Zwischen 30 und 45 Liter auf 100 Kilometer verbrauchen die Lastwagen der Werdohler Spedition Kayser. „Das kommt auf die Strecke und die Beladung an“, weiß Axel Neu aus der Finanzbuchhaltung des Unternehmens. Touren nach Norddeutschland führten zu weniger Verbrauch als Fahrten in den Süden, zum Beispiel nach Pforzheim. Für ihren Sprit kann die Spedition auf eine eigene Tankstelle zurückgreifen, doch auch hier muss beim Einkauf der „richtige Moment“ abgepasst werden. Auch Kayser unterliegt den Schwankungen des Marktes. Für die Kunden der Spedition kann es auch mal einen Treibstoffzuschlag geben, „doch in Vorkasse müssen wir da erstmal gehen.“

Privat fährt Neu übrigens einen Wagen mit Autogas. Das lohnt sich bei den derzeitigen Benzinpreisen. Diese Alternative nutzt das Unternehmen auch schon für Gabelstapler. Dazu gibt es eine Flüssiggasstation auf dem Firmengelände. „Durch den hohen Dieselpreis lohnt sich das“, betont Neu. „Bei den Lkw gibt es diese Möglichkeit leider noch nicht, da es keine Serienfahrzeuge gibt.“

Auch dem Umzugsunternehmen Anton Schlotmann sind die hohen Spritpreise ein Gräuel. „Das können wir nicht eins zu eins an die Kunden weitergeben“, sagt Christel Schlotmann, denn die Angebote für einen Umzug gehen schon Monate vorher raus. „Bei Fernumzügen ist das ein Problem“, betont Schlotmann. „Zur Euro-Umstellung haben wir mal mit einem Euro pro Liter kalkuliert. Heute steht der Preis bei 1,50 Euro für den Diesel“, ist Schlotmann von der Preisentwicklung enttäuscht.

An den Tankstellen sei die Entwicklung auch spürbar. Es würde allerdings per se nicht weniger, sonder nur für kleinere Beträge getankt, so Martina Zölliger von der Total-Tankstelle in Ütterlingsen. „Die Leute müssen ja tanken“, sagt sie, „sie tanken nur nicht mehr so viel auf einmal, falls es wieder billiger wird.“ ▪ Stefanie Gerdes und David Schröder

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