Vom Dornröschenschlaf und einer glänzenden Perle

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Moderator Michael Krause glaubt, dass Werdohl erwacht ist.

WERDOHL ▪ Mit der Lenneroute will der Verein Sauerland Tourismus vorerst lieber nicht werben. Zu viele Beschwerden von Radtouristen haben die Verantwortlichen dazu bewegt. Es wird abgewartet, bis sich die Qualität der Strecke verbessert hat. Das hat Daniel Wegerich, Leiter von Sauerland Radwelt mit Sitz beim Sauerland Tourismus in Bad Fredeburg, am Donnerstagabend klar gemacht.

Er sprach im Rahmen der öffentlichen SPD-Fraktionssitzung als ein Vertreter der Expertenrunde über das Radtourismus-Potenzial in Werdohl im Allgemeinen und der Lenneroute im Besonderen. Die Ist-Bestandsaufnahme wurde während der zweistündigen Veranstaltung überdeckt von einer Soll-Definition.

Mit einer optimistischen Sicht auf die Dinge wartete der Moderator Michael Krause auf. Als Geschäftsführer des Vereins „Freizeit- und Touristikverband Märkisches Sauerland“ eine Art Chef-Werbetrommelrührer in Sachen Tourismus in der Region lobte er die Vorzüge der Stadt. Krause: „Mittlerweile ist Werdohl aus dem Dornröschenschlaf aufgewacht.“ Erst einmal dabei, Bilder in den Köpfen der Zuhörer entstehen zu lassen, ging er zu den „heißen Eisen im Feuer“ über, die nur noch zum Glühen gebracht werden müssten: die Bereiche Wandern und Radwandern. „Das sind Potenziale, die man hat, um die Sie andere Städte beneiden.“

Das Ziel der Veranstaltung machte SPD-Fraktionschef Cornelius Böttcher zu Beginn klar: den Tourismus über das Fahrrad nach Werdohl zu holen. Dass die Radler nicht nur bestens asphaltierte Strecken benötigen, verdeutlichte Werner Kroll, Vorsitzender des ADFC Iserlohn. „Eine wassergebundene Strecke ist ausreichend.“ Wichtig bei der Planung sei, die Städte entlang der Route zu verknüpfen. Und hier müsse sich eine Stadt nicht verstecken. „Werdohl ist eine Perle entlang der Lenneroute.“ Und diese müsse mit der Lenneroute „powern“. Noch existente Schwächen müssten abgestellt werden. „Es gibt schöne und nicht so schöne Teile.“

Einen Blick über den Zaun wagte Ute Plato vom Märkischen Kreis, die auf Radtourangebote und Werbung für den heimischen Radtourismus aufmerksam machte. So sei es Balve hervorragend gelungen, auf entsprechende Touren aufmerksam zu machen. Insgesamt sieht Plato die Städte hier in einem Entwicklungsprozess.

Dass die Gastronomie mitziehen muss, unterstrich nicht nur Geschäftsführer Krause, sondern verdeutlichte auch Sabine Risse. Die Geschäftsführerin des Verkehrsvereins Iserlohn schilderte die Bemühungen ihrer Stadt, den Bereich Elektro-Bikes zu forcieren. 32 Räder werden von den Hoteliers und den Stadtwerken geleast und samt Helmen und GPS-Gerät Besuchern zur Verfügung gestellt. Bei der SPD-Versammlung wurde aber deutlich, dass von den Hoteliers und Gastronomen aus Werdohl lediglich ein Vertreter im Sitzungsssaal war. Am gewünschten Schwung fehlt es also noch.

Aus stadtplanerischer Sicht und mit Blick speziell auf Werdohl zeigte Stadtplaner Bernd Strotkemper konkrete Defizite beim Alltagsverkehr auf. Er wolle die Besucher aber nicht entmutigen. Der Weg hin zum Radtourismus könne einige Jahre dauern. Dabei dürfe nicht vergessen werden, dass letztlich mit einer besseren Radinfrastruktur zu allererst etwas für die eigenen Bürger getan werde.

Obwohl die Skepsis gegenüber einer touristischen Erschließung Werdohls spürbar war und auch in Wortbeiträgen Defizite auf dem Stadtgebiet verdeutlich wurden, wollte Bürgermeister Siegfried Griebsch, vom Enthusiasmus des Moderators Krause offenbar zu Beginn angesteckt, es sich zum Abschluss offenbar nicht nehmen lassen, auch noch einmal für seine Stadt und das Projekt Lenneroute zu werben. „Lassen Sie uns ruhig mal ein wenig träumen und optimistisch an die Sache herangehen“, appellierte der oberste Marketingsprecher der Stadt. Und ein weiteres Bild durfte dann auch nicht fehlen: „Im Moment sind wir noch eine Muschel, die ist halb geöffnet.“ In der großen Runde war zudem zuvor die Rede von einer Perle, der nur noch der Glanz fehlt. Mit einer planungs-, touristischen und technischen Sicht ist diese jedenfalls intensiv beleuchtet.

Marco Fraune

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