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Doppelspitze: Zwei neue Manager für Vossloh Fastening Systems

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Von: Volker Griese

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Die Produktion und Vermarktung der (grünen) Spannklemme fällt jetzt in den Verantwortungsbereich von Sven Haag (links) und Andree Czipura.
Die Produktion und Vermarktung der (grünen) Spannklemme fällt jetzt in den Verantwortungsbereich von Sven Haag (links) und Andree Czipura. © Vossloh AG

Seit Kurzem ist die Geschäftsführung von Vossloh Fastening Systems, dem wohl wichtigsten Geschäftsfeld des Bahntechnikspezialisten Vossloh, wieder komplett.

Werdohl ‒ Neues aus der Geschäftsführung von Vossloh Fastening Systems: Nach Sven Haag, der bereits im Februar 2021 zum Unternehmen gestoßen war, ist mit Andree Czipura nun ein zweiter Geschäftsführer hinzugekommen. Beide sehen sich als Teamplayer. Vorgänger Christian Renners hatte Vossloh im Oktober 2021 nach sechs Jahren verlassen und war zum Sattelauflieger-Hersteller Kögel gewechselt. Seine beiden Nachfolger, Sven Haag und Andree Czipura, hatten in ihrem bisherigen Berufsleben eher wenig mit Bahntechnologie zu tun. Der eine, Haag, hatte bei Bosch mit Elektrowerkzeugen und bei Fischer mit Befestigungssystemen zu tun. Der andere, Czipura, kommt aus der Automotivebranche. Sie vereint die Lust auf die neue Herausforderung bei Vossloh.

Andree Czipura, der den mehr technischen Part der Geschäftsführung übernommen hat, ist ein Kind des Ruhrgebiets, fühlt sich aber im Sauerland seit mittlerweile 15 Jahren sehr wohl. Weil der Vater von zwei Kindern seinen Wohnsitz in einem Olper Ortsteil nicht aufgeben wollte, aber mit Ende 40 noch einmal eine neue berufliche Herausforderung gesucht habe, habe ihn die Aufgabe bei Vossloh gereizt, erzählt der studierte Maschinenbauer und Wirtschaftsingenieur. „Ich bin ein absoluter Stahlmensch, die Spannklemmenfertigung ist genau mein Ding“, sagt er über sich.

„Fabrik der Zukunft“ schon wieder ausgebaut

Ein wesentliches Argument für einen Wechsel vom Attendorner Automobilzulieferer Mubea zum Bahntechnikkonzern Vossloh sei aber die „Fabrik der Zukunft“ gewesen, die Vossloh für 40 Millionen Euro am Stammsitz Werdohl errichtet hat. „Was für ein Bekenntnis zu Werdohl! Das hat mich schwer beeindruckt“, gibt der Mann zu, dessen Herausforderung im bisherigen Berufsleben hauptsächlich darin bestand, Prozesse zu verbilligen und damit Produktionen ins Ausland zu verlagern. Bei seinem neuen Arbeitgeber ist das anders, dort wird investiert. So ist die gerade erst in Betrieb genommene „Fabrik der Zukunft“ schon wieder um eine neue Biegelinie für Spannklemmen erweitert worden. Kostenpunkt: 10 Millionen Euro.

Stammsitz der Vossloh AG in Werdohl: Das Unternehmen konnte in der Hauptversammlung eine gute Bilanz des Geschäftsjahres 2021 ziehen.
Stammsitz der Vossloh AG in Werdohl. © Griese, Volker

Nach 21 Berufsjahren in der Automobilindustrie kommt für Czipura jetzt also der Wechsel zu einem ganz anderen Verkehrsmittel, der Bahn. Doch der 48-Jährige ist überzeugt davon, dass es der richtige Schritt ist: „Ich glaube, dass ich mit einem Wissen bei Vossloh einiges bewegen kann und bewegen werde.“

Etwas bewegen, das möchte auch Sven Haag, obwohl auch er bei Vossloh berufliches Neuland betritt. Bisher hat der 52-Jährige hauptsächlich für die Firma Bosch gearbeitet, kennt sich also mit Elektrowerkzeugen gut aus. Aber auch in der Maschinenbaubranche war Haag tätig, beispielsweise hat er ein solches Unternehmen restrukturiert, also nach wirtschaftlichem Niedergang neu ausgerichtet.

An WM-Stadien mitgebaut

Schließlich verschlug es ihn zum Dübel-Spezialisten Fischer, was viele internationale Kontakte mit sich brachte. Als Geschäftsführer für den Marktbereich Asien, Mittlerer Osten und Afrika kam er viel herum in der Welt und kann auch von einem öffentlichkeitswirksamen Projekt erzählen: „In Katar haben wir an sechs Stadien für die Fußball-WM mitgebaut, dort sind Befestigungsprodukte von Fischer verwendet worden.“

Nun also der Bahntechnik-Spezialist Vossloh, wo es Sven Haag im weitesten Sinne ja auch mit Befestigungstechnik zu hat, mit Schienenbefestigung, um genau zu sein. Durch einen Headhunter sei er auf die dort wartenden Aufgaben aufmerksam geworden, berichtet Haag, der mit seinem schwäbischen Dialekt zunächst ein bisschen behäbig erscheint. Doch hinter dieser Fassade verbirgt sich wohl ein Mann, der weiß, was er will und diesen Willen mit einer gewissen Ungeduld paart. „Die Bahnbranche ist mir eigentlich zu langsam“, sagt er deshalb, schiebt aber schnell hinterher: „Die kriege ich aber auch noch beschleunigt.“

Sven Haag ergeht sich dann in einem Vortrag über Bahnprojekte in aller Welt und sagt auch, was sich seiner Meinung nach hierzulande ändern müsste, damit Deutschland nicht den Anschluss verliert. Denn dass die Eisenbahn, eins der ältesten Verkehrsmittel, in der Zukunft der Mobilität eine wichtige Rolle spielen wird, steht für Haag fest. „Die Bahnbranche steht vor einer Renaissance“, ist er überzeugt. Deshalb müsse Deutschland in die Infrastruktur, vor allem ins Schienennetz investieren, fordert der Schwabe. Am liebsten natürlich mit Produkten von Vossloh.

Ziel ist die CO2-neutrale Spannklemme

Denn die Bahn und mit ihr das Unternehmen Vossloh könne einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz leisten. „Für uns ist Grün nicht nur eine Farbe, die in unserem Firmenlogo auftaucht, sondern auch ein Symbol dafür, der nächsten Generation einen schönen Planeten zu bieten“, formuliert Sven Haag im schönsten Marketingjargon. Vosslohs Beitrag dazu? „Unser Ziel ist die CO2-neutrale Spannklemme“, sagt der Manager über das Vorhaben, ein wichtiges Bauteil im Schienennetz besonders umweltfreundlich produzieren zu wollen. Noch dieses Jahr, verspricht Haag, werde Vossloh eine Innovation auf den Markt bringen.

Es scheint, als habe Sven Haag die Green Mobility, also Maßnahmen, die die Nachhaltigkeit im Verkehr fördern und Emissionsbelastungen sowie Spätfolgen für Mensch und Umwelt reduzieren, zu einem Unternehmensprinzip erhoben, zumindest aber als Ziel deutlich formuliert. Der Alltag holt ihn allerdings immer wieder ein, wenn er sich auf den Heimweg nach Schwaben macht. Denn dort hat Haag der Familie wegen nach wie vor seinen Hauptwohnsitz. Unter der Woche wohnt er in Werdohl, nur 300 Meter von seinem Arbeitsplatz entfernt. Aber die Fahrt in den Südwesten legt der Bahntechnik-Manager dann doch lieber im Auto zurück, wenn auch nicht gerne. „Liebend gerne“, versichert er, würde er den Zug nehmen. Doch auf der Schiene ist er zwischen Werdohl und Ulm fünf bis sechs Stunden unterwegs. Mit dem Auto, behauptet er, sei das deutlich schneller zu schaffen. Aber vielleicht gelingt es Sven Haag ja in seiner Zeit bei Vossloh, die Bahn ein wenig zu beschleunigen. Vorgenommen hat sich das ja.

Ein Schwabe und ein Ruhrpottler managen im Sauerland

Sven Haag (52) ist seit Februar 2021 kaufmännischer Geschäftsführer von Vossloh Fastening Systems (VFS). Der gebürtige Schwabe verfügt über mehr als 20 Jahre Vertriebserfahrung und verschiedenen Branchen. Seine Karriere begann er als Sales & Marketing-Manager bei der Robert Bosch GmbH und durchlief mehrere verantwortungsvolle Positionen in verschiedenen Firmen wie dem Chemieunternehmen Röhm (Darmstadt) oder Fischer Befestigungssysteme (Waldachtal/Baden-Württemberg). Bei VFS ist Haag zuständig für die Bereiche Vertrieb und Marketing, Innovation, Application Engineering, Finanzen und Recht.

Andree Czipura (48) ist seit April 2022 technischer Geschäftsführer von VFS und verantwortet die Bereiche Einkauf, Logistik, Qualitätsmanagement, Sicherheit, Gesundheits- und Umweltschutz, Produktion, Technik und Personalwesen. Der gebürtige Gladbecker hat Studienabschlüsse in Maschinenbau und Wirtschaftsingenieurwesen. Er hat in Liechtenstein, den USA, Spanien und Australien gelebt und gearbeitet. Seine Karriere begann er bei Thyssen Krupp Presta, bevor er 2007 zum Automobilzulieferer Mubea (Attendorn) wechselte, wo er zuletzt den globalen Geschäftsbereich für Asien, Europa, Nord- und Südamerika leitete.

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