Werdohler vor Gericht

Dopingmittel bei Hausdurchsuchung sichergestellt

Bei der Durchsuchung der Wohnung eines Werdohlers wurden Dopingmittel sichergestellt.
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Bei der Durchsuchung der Wohnung eines Werdohlers wurden Dopingmittel sichergestellt.

Es war ein eher ungewöhnlicher Vorwurf, dem sich ein Angeklagter aus Werdohl im Amtsgericht Altena stellen musste.

Die Staatsanwaltschaft warf ihm den Besitz einer nicht geringen Menge verschiedener verbotener Dopingmittel vor, die die Polizei bei einer Durchsuchung seiner Wohnung in Werdohl gefunden hatte.

Der Verteidiger des Angeklagten bemühte sich zunächst auf einem Umweg, seinen Mandanten zu entlasten: In den Akten befinde sich kein richterlicher Durchsuchungsbeschluss, monierte er. Die Rechtmäßigkeit der Wohnungsdurchsuchung sei deshalb zweifelhaft. Richter Dirk Reckschmidt konterte: „Wenn es eine richterliche Anordnung gibt, finde ich die raus.“ Aber selbst ohne eine solche Anordnung wären die Funde der Polizei höchstwahrscheinlich gerichtlich verwertbar gewesen.

Synthetische Abkömmlinge des männlichen Sexualhormons Testosteron

Die Namen, Struktur- und Summenformeln der chemischen Substanzen, die bei dem Angeklagten gefunden wurden, sind eher etwas für Experten. Es handelt sich dabei um synthetische Abkömmlinge des männlichen Sexualhormons Testosteron, das ebenfalls bei der Durchsuchung gefunden wurde. Auch einen Schlagstock nahmen die Beamten mit. Dieser habe ihm nicht gehört, versicherte der Angeklagte.

Drostanolon, das unter anderem bei der Wohnungsdurchsuchung gefunden wurde, ist laut der Internet-Enzyklopädie Wikipedia „ein synthetisch hergestellter Arzneistoff mit stark androgener (vermännlichender) Wirkung“. Der Stoff werde „missbräuchlich in der Bodybuilder-Szene zwecks Muskelaufbau und Leistungssteigerung verwendet“. Auch Trenbolon sei ein bekanntes und hochwirksames Dopingmittel: „Seine muskelfördernde Wirksamkeit ist zehn- bis 15-mal stärker als die von Testosteron, da es im Gegensatz zu Testosteron ,magere’ Muskelmasse aufbaut, daher weder Fett ansetzt, noch Wasser einlagert.“ Früher wurden diese Mittel deshalb auch in der Tiermast eingesetzt. Die Liste der Nebenwirkungen ist besonders bei Drostanolon und Trenbolon ziemlich lang. Die Mittel stehen auf der Verbotsliste der Welt-Anti-Doping-Agentur und unterliegen dem deutschen Arzneimittelgesetz.

Mittel „dienten dem Eigenbedarf“

Der Werdohler Angeklagte bestritt jegliche Weitergabe der in seiner Wohnung aufgefundenen Substanzen an andere Personen. „Das diente dem Eigenbedarf“, erklärte sein Anwalt und verwies auf die Statur seines Mandanten und dessen Bedarf für etwa sechs Monate: „Nicht gerade der Spargeltarzan.“

Da der Angeklagte nicht vorbestraft war, sahen Staatsanwältin und Richter schließlich keinen zwingenden Grund für eine förmliche Verurteilung. Die Einstellung des Verfahrens gab es allerdings nicht zum Nulltarif: Nach anfänglichem Zögern erklärte sich der Angeklagte bereit zur Zahlung einer Geldauflage von 3000 Euro an die Staatskasse.

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