Döner-Prozess: Werdohler vor Gericht

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In seinem Döner-Imbiss soll der Werdohler nicht alle Umsätze korrekt angegeben haben.

Werdohl/Hagen – Ein Werdohler Imbissbetreiber steht ab Montag vor Gericht. Er soll sich Dönerfleisch schwarz geliefert  haben lassen -  und so eine satte Summe am Finanzamt vorbeigeschmuggelt haben.

Seit dem Sommer 2018 beschäftigt sich die 1. große Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichts Hagen mit den Umsätzen von Döner-Imbissen, die durch ein Hagener Unternehmen beliefert wurden. 

In einem nächsten Akt geht es jetzt auch um einen Werdohler Imbissbetreiber. Vor diesen Strafverfahren hatte ein Steuerfahnder zwölf Jahre lang fast ausschließlich den Fleischlieferanten und insgesamt 17 Döner-Imbisse kontrolliert, die ihre Steuern nicht korrekt abgeführt haben sollten. Die beiden Inhaber der Hagener Lieferfirma wurden in einem ersten Strafverfahren wegen Schwarzlieferungen von Dönerfleisch zu Haftstrafen bis zu drei Jahren und neun Monaten verurteilt. 

Bei der Durchsuchung ihrer Büroräume stellten die Ermittler umfangreiches Beweismaterial über „schwarz“ geliefertes Dönerfleisch sicher, was eine Welle von Ermittlungs- und Strafverfahren nach sich zog. 

Es geht um mehr als 300.000 Euro

Letztere finden vor der 1. großen Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichts Hagen statt, die ab Montag erstmals die Vorwürfe gegen einen Döner-Imbiss-Betreiber aus Werdohl zu prüfen hat. Der nicht vorbestrafte Angeklagte soll für die Jahre 2009 bis 2015 Steuern gegenüber dem Finanzamt falsch oder gar nicht erklärt haben. Hierdurch soll er in dem genannten Zeitraum Umsatzsteuer, Einkommenssteuer und Gewerbesteuer in einer Gesamthöhe von mehr als 300 000 Euro hinterzogen haben. 

Den beiden Angeklagten des Ursprungsverfahrens soll er darüber hinaus bei der Hinterziehung von Steuern in Höhe von rund 12 000 Euro geholfen haben. Die jahrelange Tätigkeit des Hauptermittlers in dieser Sache deutet schon an, dass die Steuerfahnder keine Kosten und Mühen scheuten, um den mutmaßlichen Steuerbetrügern auf die Spur zu kommen. 

Test-Döner gewogen

So wurden etwa Testkäufe gemacht, um die Menge des in den Dönertaschen enthaltenen Fleisches zu wiegen. Aufgrund der tatsächlich gelieferten Fleischmengen wurde dann hochgerechnet, für wie viele Döner und andere Grillprodukte diese gereicht hätten. Diese Zahlen ließen sich anschließend in Beziehung setzen zu den tatsächlich angegebenen Verkaufserlösen. Auch die Menge des verbrauchten Mehls und die daraus mutmaßlich gebackenen Dönertaschen interessierten die Fahnder. 

Sollten die Vorwürfe zutreffen, haben nicht vorbestrafte Angeklagte nach den bisherigen Erfahrungen nur dann eine Chance auf eine Bewährungsstrafe, wenn sie im Landgericht umfassend „auspacken“. „Bei so einem wahnsinnigen Steuerschaden gibt es Bewährung bei einem klaren Geständnis“, betonte der Staatsanwalt in einem der vorangegangenen Verfahren. 

Eine Imbissbetreiberin schon im Knast

Eine Imbissbetreiberin aus Menden bekam dies leidvoll zu spüren: Nachdem sie bis zuletzt versucht hatte, Vermögenswerte in Sicherheit zu bringen, wurde sie zu einer Haftstrafe ohne Bewährung verurteilt. Es geht im Verfahren gegen den Werdohler deshalb um viel. Die 1. große Wirtschaftstrafkammer hat bisher sechs Verhandlungstage eingeplant, um die Vorwürfe gegen ihn aufzuklären.

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