Das beste Publikum Europas in Werdohl

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Das amerikanische Quartett DoDriver stand im Rahmen einer Tour durch Europa am Samstagabend auf der kleinen Bühne im Alt Werdohl.

Werdohl - Ungläubig steht der Sänger der New Yorker Band DoDriver auf der Bühne der Musikkneipe Alt Werdohl und schüttelt den Kopf. Dann sagt er: „Wir waren jetzt zwei Wochen auf Tour. Heute ist die letzte Show. Aber sowas habe ich noch nicht gesehen. Ihr seid echt das beste Publikum Europas.“

In der Konzertpause gehen einige Fans auf den Sänger zu und versichern ihm, dass er und seine Jungs einen großartigen Gig abgeliefert haben. Und auch draußen vor dem Lokal stehen die Raucher und wünschten sich, die amerikanische Band hätte noch etwas weiter gespielt. „Lord Bishop kann doch echt mal zwei oder drei Lieder weniger singen“, überlegten sie.

In der Stunde zuvor haben DoDriver ein Konzert gespielt, bei dem jeder Song ein anderes Musik-Genre abdeckte. Das Ganze klang aber nicht beliebig, wahllos oder unentschieden. Das Quartett drückte jedem Lied seinen eigenen Stempel auf und die komplette Show wirkte wie aus einem Guss. Ihre Punk-Rock-Hymne „Your Favourite Song“ erinnerte beispielsweise an die frühen Green Day. „Half a Million Miles“ nahm Anleihen bei den Stoner-Rock-Legenden von Kyuss. „Watch me“ führte das Publikum zurück in die 70er-Jahre und hin zu Led Zeppelin. Bei der Zugabe „4.34“ erwachte der Hip-Hop-Punk-Metal von Rage Against the Machine wieder zum Leben.

DoDriver coverten im Laufe ihres Gigs auch zwei Bands. „We can Work it Out“ von The Beatles hatte plötzlich ungewohnte Ecken und Kanten, ohne dass die New Yorker den Liverpoolern Gewalt antaten. Es blieb eine Ehrerbietung, genauso wie „Shock me“ von Kiss, für die DoDriver bereits als Vorgruppe auf der Bühne gestanden hatten. Das Versprechen, im nächsten Jahr wieder nach Werdohl zu kommen, hörten die Fans im nur halb gefüllten Alt Werdohl nur allzu gerne.

„Glaubt Ihr an Jesus oder an Rock ‘n’ Roll?“ – Lord Bishop hatte seine Sprüche, kam aber nicht ganz so schrill wie sonst daher.


Jahr für Jahr taucht dort auch Lord Bishop mit seinem Trio Lord Bishop Rocks auf. Dieses Mal begann er seine Show mit der Frage: „Glaubt Ihr an Jesus oder an Rock ‘n’ Roll?“ Die Antwort des Publikums fiel eindeutig aus. Allerdings war ein Teil der Zuschauer da bereits heimwärts gegangen. Für sie konnte nach DoDriver nichts mehr kommen – und den Lord kannten sie aus der Vorjahren schon sehr gut.

Was folgte, war mal krachend-lauter Hard-Rock, mal verträumter Blues und dann ins Tanzbein gehender Funk. Der Zwei-Meter-Hüne trat einmal ungewohnt farbenarm gekleidet auf. Und er sang sogar davon, er sei ein „poor little boy“ – ein armer kleiner Junge. Koketterie, die das verbliebene Publikum johlend quittierte.

„I’m on the Wrong Side (Just Looking in)“ hieß ein Song des Lords. Sein Fusion-Rock erinnerte am Samstag zumeist an die Funk-Metal-Band Living Colour und deren Album-Klassiker „Vivid“. Die Werdohler Musikfreunde vor der Bühne zeigten sich dankbar. Aber der eine oder andere schwelgte immer noch in einer DoDriver-Begeisterung.

Den Abend hatte der heimische Saiten-Virtuose Benny Peiser eröffnet. Eigentlich wollte dieser mit seinem Wolfman Blues Orchestra auftreten, doch sowohl sein angestammter Drummer als auch sein Bassist waren erkrankt. Kurzfristig hatte er zwei Ersatzmusiker engagiert. Die halbstündige Cover-Show, die sie eigens einstudiert hatten, hielt Licht und Schatten parat. So überragend Peiser als Gitarrist ist, so wenig ist er Sänger. „Foxy Lady“ von Jimi Hendrix allerdings scheint ihm auf den Leib geschneidert zu sein. Und wer kann das schon von sich behaupten?

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