Schwimmkursus in den Sommerferien

Kinder in Werdohl lernen nicht von Eltern

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Zwölf Kinder im Alter von fünf bis acht Jahren machen im Ütterlingser Freibad in diesem Jahr beim Sommerferien-Schwimmkursus ihre ersten Erfahrungen im und mit dem Wasser.

Werdohl - Quietschend vor Vergnügen laufen zwölf Mädchen und Jungen unter der Dusche her. Andreas Conrad, Vorsitzender der Deutschen Lebensrettungs-Gesellschaft (DLRG) in Werdohl, und Susanne Guder vom Werdohler Schwimmverein 08 beaufsichtigen ihre Schützlinge, die seit einer Woche am Sommer-Schwimmkursus teilnehmen. Ein Kind hat in dieser Zeit bereits das Anfänger-Abzeichen Seepferdchen erfolgreich absolviert.

„Na, da haben manche ja grad mal zwei Tropfen Wasser abbekommen“, sagt Guder und schmunzelt vor sich hin. Unterdessen plumpsen die ersten mit ihren Schwimmflügelchen an den Armen ins Becken. Neun Ausbilder warten im kühlen Nass bereits schon auf sie. Alle Betreuer sind ausgebildet, haben das Rettungsschwimmer-Silberabzeichen.

Manche der Fünf- bis Achtjährigen tummeln sich mit sichtlichem Vergnügen im Wasser, sind dabei etwas ungestüm und müssen von Zeit zu Zeit sogar gebremst werden – beispielsweise, wenn sie im Rücken des Ausbilders unbeobachtet davonschwimmen. Andere sind noch scheu, teils gar ängstlich, ans Wasser gewöhnt waren sie vor Beginn des Sommerkurses aber alle schon.

Geduldig und mit Freude an der Arbeit unterrichten die Betreuer von DLRG und SV08 die Wasser-Neulinge.

Zwei ältere Flüchtlingskinder sind dieses Mal dabei, eines aus Lüdenscheid, ein anderes aus Werdohl. Die anderen sind alle deutlich jünger. Dennoch schaffen SV08 und DLRG es nicht, dass jeder Werdohler Erstklässler vor der Einschulung schwimmen kann. „Uns fehlen einfach Wasserzeiten im Frei- und im Hallenbad“, hat Conrad den Hauptgrund ausgemacht. Guder ergänzt: „Wir bräuchten aber auch noch Sponsoren für die Schwimm-Ausbildung.“

2011 begann die Zusammenarbeit der beiden heimischen Vereine. Bis 2013 hieß das Programm Qietschfidel. Seit 2014 lernen junge Werdohler unter dem Motto „Werdohl schwimmt“ Brust- und Kraulschwimmen. 12 bis 20 Teilnehmer hatten die Sommerkurse bisher in jedem Jahr. Gut 100 Kinder haben so also schwimmen gelernt. Längst ist es nicht mehr selbstverständlich, dass Eltern ihrem Nachwuchs das Schwimmen beibringen.

Jugendliche, die bei einem der Vereine den Umgang mit dem Wasser erstmals kennenlernen, gebe es nicht, verraten Guder und Conrad. Aber immer wieder meldeten sich Erwachsene, die ihre Angst dann doch noch einmal besiegen und die Fortbewegung im nassen Element erlernen wollten. Aktuell stünden, berichtet Guder, „vier oder fünf schon wieder auf der Liste“.

Schwimmkurse für Erwachsene bietet der SV08 nur in der Wintersaison und im Hallenbad an. Erwachsene brauchen länger, um schwimmen zu lernen. Sie werden auch höchstens in Zweiergruppen unterrichtet. Guder weiß: „Wenn sie nicht schon immer Furcht vor Wasser hatten, haben sie diese im Laufe der Jahre als Nichtschwimmer bekommen.“

Schwimmen zu lernen ist sicher anstrengend, kann aber offensichtlich auch viel Spaß machen.

Der aktuelle Sommerferien-Schwimmkursus läuft noch bis Freitag, 25. August, täglich von 18 bis 18.45 Uhr im Ütterlingser Freibad. Erfahrungsgemäß, sagt Guder , „bleibt die Hälfte der Teilnehmer einem der beiden Vereine als Mitglied erhalten“. So wird der Nichtschwimmer von gestern möglicherweise zum Rettungsschwimmer und Ausbilder von morgen.

Wer „Werdohl schwimmt“-Kurse finanziell unterstützen möchte, meldet sich bei Susanne Guder unter Tel. 0 23 92 / 7 19 90.

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