CDU diskutiert über Sprachtest Delfin 4

CDU-Bürgermeisterkandidatin Silvia Voßloh und die Werdohler Christdemokraten hatten zu einer Diskussionsveranstaltung eingeladen. - Fotos: Koll

Werdohl - Zu einer Diskussionsveranstaltung über den Sprachtest Delfin 4 hatte die heimische CDU für Dienstagabend geladen. Ina Scharrenbach, stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Christdemokraten im Düsseldorfer Landtag, war zu Gast und hielt vor etwa 25 Zuhörern einen Vortrag über diesen Test für Vierjährige und die geplante Abschaffung durch die rot-grüne Landesregierung.

Scharrenbach betonte, Delfin 4 habe einen überdurchschnittlichen Sprachförderbedarf in Werdohl offen gelegt. Die aktuelle Landesregierung gebe jedoch an, dass die Kindergartenkinder durch die Prüfungssituation gestresst würden, was dazu führe, dass die Mädchen und Jungen bei der Testdurchführung nicht gut sprächen. Scharrenbach allerdings glaube das nicht. Die Kamenerin vermute vielmehr ideologische Gründe hinter der geplanten Abschaffung. Zudem sei eine wissenschaftliche Überprüfung von Delfin 4 bisher ausgeblieben.

Die Landespolitikerin erklärte, Delfin 4 solle in Kindertageseinrichtungen nun durch Beobachtungsverfahren ersetzt werden. Für Mädchen und Jungen, die keinen Kindergarten besuchten, bleibe „die Rechtsverbindlichkeit, jedes Kind zu begutachten“, erhalten – sprich: diese würden nach wie vor Delfin 4 unterzogen.

Die nun zu nutzenden Beoabachtungsverfahren würden Sprachförderung in den Alltag integrieren, seien aber „auch geprägt von hoher Subjektivität“. Die Politikerin betonte: „Wir als CDU wollen beides – Beobachtungsverfahren und den Delfin-4-Test.“ Zum Gesetz der Landesregierung zog sie das Fazit: „Das ist am Ende des Tages alles nicht ausgereift.“

Deshalb schlug sie vor, dass beim Wegfall von Delfin 4 „sich mindestens ein Mitarbeiter pro Einrichtung zertifizieren lässt“. Gleichzeitig aber mahnte sie auch an, dass „Beobachtungsverfahren dazu führen, dass Erzieher demnächst mehr am Schreibtisch sitzen und weniger Zeit mit den Kindern verbringen“.

Probleme habe sie, gab sie zu, den Gesetzestext der amtierenden Landesregierung zu verstehen. „Die konkrete Durchführung und auch die Verteilung der zukünftigen finanziellen Mittel ist mir nicht klar.“ Fest stehe nur: Werdohl bekäme nach dem aktuellen Haushaltsplan 52 000 Euro. Künftig seien es nur noch 40 000 Euro.

Landesweit stünden fortan 25 Millionen Euro zur Verfügung. CDU-Ratsfraktionsvorsitzender Stefan Ohrmann prognostizierte, dass das Geld aber künftig derart verteilt würde, dass es aus dem ländlichen Raum abgezogen und in die Ballungsräume – er nannte konkret Hagen und Dortmund – gelenkt würde.

Ein positiver Nebeneffekt von Delfin 4 sei gewesen, dass Kindertageseinrichtungen und Schulen sich mehr füreinander interessiert und besser zusammen gearbeitet hätten. Dieser Effekt falle nun weg, bedauerte Scharrenbach. Zudem befürchte sie, dass in Zukunft nicht mehr jedes Kind die nötige Sprachförderung erhalte, „dabei herrscht eine zunehmende Spracharmut in den Familien“. Bei der anschließenden Diskussion mit dem Publikum kamen unterschiedliche Sacheinschätzungen zu Tage. Karina Wionsek, Leiterin des städtischen Familienzentrums Budenzauber, und Christel Kringe, Leiterin der St.-Michael-Schule, bildeten die beiden Hauptpole.

Wionsek hob hervor, dass der Bedarf an Sprachförderung deutlich nachgelassen habe, seit auch Unter-Dreijährige in den Kindergarten gingen. Eine andere Diskussionsteilnehmerin pflichtete bei: „Das Geld für die Tests kann man sich im Grunde sparen. Wir Erzieher wissen selbst, welche Kinder gefördert werden müssen.“

Das Problem – so Wionsek – seien Kinderärzte, die Eltern aus Familien mit Migrationshintergrund rieten, zuhause nicht Deutsch zu sprechen. Kringe erläuterte: „Früher hieß es, ein Kind, das seine Muttersprache beherrscht, lernt leichter Deutsch. Heute weiß man, dass es besser ist, Kinder so früh wie irgend möglich zweisprachig zu erziehen.“

Denn Kinder, die später erst Deutsch lernten, hätten in den Grundschulen dann „einen viel weiteren Weg hin zur Gymnasialempfehlung zu gehen“. Allerdings, so ergänzte eine weitere Erzieherin im Saal, zeige das Rucksack-Projekt, bei dem Eltern und Kinder mit ausländischem Hintergrund gemeinsam Deutsch lernen, gute Ergebnisse.

Wionsek führte weiter aus: Die alltagsintegrierte Sprachförderung habe im Vergleich zum Delfin-4-Testverfahren spürbar bessere Effekte. Sie begrüßte die von der Landesregierung geplante Umstellung ausdrücklich. Schulleiterin Kringe zweifelte jedoch daran, dass nur durch Beobachtungsverfahren „ohne einen erhöhten Personalschlüssel“ weiter alle Kinder erreicht werden könnten.

Von Michael Koll

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