Diskussion um den Jugendraum Pungelscheid

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Jugendamtsleiterin Dworschak (r.) und der stellvertretende Fachbereichsleiter Schmidt (2.v.r.) hörten den Mietern zu, warben aber bisweilen sogar leidenschaftlich für die Notwendigkeit eines Kinder- und Jugendtreffs in Pungelscheid.

Werdohl - Die Stadt hat am Donnerstag gegenüber den Woge-Mietern in Pungelscheid die Pläne zur Einrichtung eines Kinder- und Jugendtreffs im ehemaligen Schlecker-Markt vorgestellt.

Woge-Chef Ingo Wöste hatte seine Mieter zu diesem Meinungsaustausch in das Nachbarschaftshilfezentrum an der Iserschmittstraße eingeladen. Auf einen gemeinsamen Nenner kamen Mieter und städtische Vertreter an diesem Nachmittag nicht, wohl aber zu einer vorsichtigen Annäherung. Ergebnis: Beide Seiten bleiben im Gespräch, bei einem neuerlichen Termin sollen die geplanten Umbauten direkt im Ladenlokal vorgestellt werden. Vor allem die Mieter, die direkt über dem seit langem leer stehenden Ladenlokal wohnen, fürchten um ihre Ruhe. Schichtarbeiter wohnen dort, und die wollen auch tagsüber nicht durch Lärm gestört werden.

Gleich zu Beginn der fast zweistündigen Versammlung stellte Stadtjugendpfleger Michael Tauscher das Konzept des möglichen Jugendtreffs Pungelscheid vor. Drei Öffnungstage – Montag, Mittwoch und Freitag – seien geplant, jeweils von 16 bis 20 Uhr. Zu erwarten seien maximal 15 Kinder und Jugendliche gleichzeitig in einem Alter zwischen sechs und höchstens 16 Jahren. Ältere Jugendliche seien in heutigen Jugendtreffs nicht mehr zu finden.

Selbstverständlich herrsche in allen städtischen Jugendeinrichtungen ein absolutes Alkohol- und Rauchverbot. An einem Tag solle eine Hausaufgabenbetreuung angeboten werden, auch eine für Eltern verlässliche Betreuung werde angestrebt. Mit Partnern und Nachbarn aus dem Stadtteil will Tauscher zusammenarbeiten, meistenteils würden die Kinder und Jugendlichen einfach nur Zeit miteinander verbringen: Kochen, Essen, Spielen, Musikhören und Reden.

Schnell kamen die Anwohner auf den Knackpunkt: Sie beschwerten sich vor allem über Lärmbelästigungen, Müll, zerschlagene Flaschen, Drogenkonsum und die Gemeinschaft störendes Verhalten von älteren Jugendlichen und jungen Erwachsenen vor allem nach 20 Uhr und in der Nacht. Tauscher entgegnete: „Was nach 20 Uhr oder nachts im Stadtteil passiert, dafür sind wir nicht verantwortlich.“ Dennoch bringen die Mieter und Anwohner beide Aspekte zusammen. Sie befürchten, dass durch den Treff noch mehr Jugendliche angelockt werden, die dann nachts Randale machten. Ein Bewohner brachte es auf den Punkt: „Ich habe überhaupt nichts gegen Jugendliche, ich habe selber Kinder, aber das ist ein Familien-Mietshaus, da wird ein Jugendtreff im Keller auf jeden Fall stören und allen nur Ärger machen.“ So sahen es viele andere auch: Jugendliche bräuchten natürlich ihren Ort, man habe nichts gegen Jugendliche, aber kaputte Schnapsflaschen, Randale, Müll und Lärm würden alle einfach nur nerven.

Woge-Chef Wöste erklärte, dass natürlich eine Schallschutzdecke eingezogen werde und die Treppe abgebaut werden soll, die in besonderer Weise Jugendliche anlocke. Der ganze Raum soll hell und freundlich umgebaut und unterteilt werden. Als Vermieter sagte er aber auch: „Ich nehme mit Erschrecken und Sorge wahr, dass Sie hier solche Probleme haben.“ Er wolle seinen Mietern „natürlich nicht eine Disco in den Keller setzen“ und als Wirtschaftsunternehmen habe er überhaupt kein Interesse daran, seine eigenen Mieter zu verärgern. Er frage sich allerdings, ob der Jugendtreff nicht zu einer Verbesserung der Situation führen könne. „Es kann doch nicht schlimmer werden, als es jetzt schon ist“, sagte er, und weiter: „Ich glaube an das Projekt.“ Bodo Schmidt von Fachbereich Soziales antwortete direkt: „Da, wo wir als Jugendpflege sind, wird die Situation besser.“

Die halbe Verwaltungsspitze redete mit aller Geduld und Engelszungen auf die Woge-Mieter ein, ihr Bild von Jugendarbeit zu überdenken und der Sache eine Chance zu geben. Bürgermeisterin Voßloh sagte, dass das mittlerweile verkaufte Gemeindehaus Paulusweg keine Alternative gewesen sei: „Es wäre für uns nicht zu finanzieren gewesen.“ Alternativen gebe es nicht. Eine Option stellte Michael Grabs dar: „Geht das Projekt schief, wird es abgewickelt. Jeder Vertrag sei kündbar.“ - Von Volker Heyn

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