Kastanienfällung unter erschwerten Bedingungen

„Wir schneiden nicht so lange, bis der Baum fällt. Bäume werden umgekeilt oder umgehebelt“ - Dirk Schmidt und Michael Meyer.

WERDOHL ▪ Unter erschwerten Bedingungen waren Michael Meyer vom gleichnamigen Werdohler Forstbetrieb und Forstwirt Dirk Schmidt aus Lüdenscheid am Samstagmorgen gefordert: Auf dem schmalen Pfad an der Christuskirche im Werdohler Stadtzentrum mussten die beiden bei der Fällung von 18 Kastanien Zentimeterarbeit leisten.

„Man muss sich vorher die Bäume angucken und schauen, wie sich vom Platz her arbeiten lässt. Hier war es schon ziemlich eng“, äußerten die beiden Holzexperten, die binnen zwei Stunden rund 20 Tonnen Holz auf dem Kirchplatz aufgetürmt hatten.

Während Schmidt hoch oben in der 120-PS-Forstmaschine mit einem bis zu drei Tonnen hievenden Kranaufsatz noch recht bequem saß, musste Kollege Meyer am Boden echte Schweißarbeit verrichten. Mit seiner 5-PS-Motorsäge war er im nicht ganz ungefährlichen Geschehen mittendrin. „Bei der Kastanie handelt es sich um ein kurzfaseriges Holz, das schnell abbricht. Eine Birke als langfaseriges Holz können Sie in Zeitlupe fällen. Aber bei einer Kastanie macht es nur einmal kurz ,Knack’ und dann kippt sie auch schon um. Da gilt es noch mehr aufzupassen“, schilderte Meyer.

Entsprechend vorsichtig ging er beim Sägen zu Werke: Zunächst schaute er sich das zu fällende Objekt genau an und überlegte, wohin dieses am besten fallen könnte. Nach diesem „Baumansprache“ genannten Vorgang startete Meyer sein Schnittgerät und begann mit der Keilsetzung im Stamm. „So lässt sich die Kipprichtung bestimmen, das ist wie ein Scharnier“, erläuterte Meyer die Funktion der „Bruchleiste“, bei deren Anfertigung er, mal hockend, mal knieend, zum um den Stamm herumwindenden Holzspanregenmacher avancierte.

„Wir schneiden nicht so lange, bis der Baum fällt. Bäume werden umgekeilt oder umgehebelt“ – per Handzeichen und aufgrund jahrelanger Erfahrung mit gutem Gefühl für das kurz bevorstehende „Knack“ gab Meyer das Startsignal für den in der Forstmaschine sitzenden Schmidt, der den tonnenschweren Rest besorgte und mit dem Kran die Stämme zum rund drei Meter hohen Kastanienhügel auftürmte. Beim Blick auf das Innenleben der Stämme bezifferten die Holzexperten den Grad der Fäulnis auf rund 60 Prozent, im Durchschnitt war ein Drittel des Stammes in heller Farbe und überhaupt noch für den Wassertransport intakt. „Egal, was sie abschneiden, es muss behandelt werden. Und so eine Allee in Schuss zu halten, ist teuer“, deutete Meyer an, dass die Bäume in all den Jahren nicht die erforderliche Wartung und Pflege bekommen haben könnten. Noch am Samstag wurden die Stämme verladen und abtransportiert: Sie werden zu Holzhackschnitzeln für ein Heizkraftwerk in Olpe verarbeitet. Auch wenn sie es nach dem Prinzip der Photosynthese nicht mehr aufnehmend verwandeln können, leisten die Bäume noch ihren Anteil für die Einsparung von CO2 und eine Verbesserung der Ökobilanz. Der Kirchenpfad kann ohne Bedenken benutzt werden: Auch die Arbeiten mit der Stukenfräse, mit der sich die Stümpfe beseitigen ließen, sind bereits vollendet worden.

von Nico Schwarze

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