Digitale Ratsarbeit spart 80.000 Euro

Auf dem iPad 2 mit Verbindung ins Funknetzwerk können die Ratsmitglieder während der Sitzungen arbeiten. Auf dem Tablet läuft dann die SitzungsApp iRICH der Firma Sternberg.

WERDOHL - Der Druck der Öffentlichkeit und aus den Reihen der Politik war zu groß: Bürgermeisterin Silvia Voßloh hat Freitagmittag die Kostenrechnung freigegeben, die bei der Umstellung auf digitale Ratsarbeit neben Papier und Porto vor allem Personalkosten einsparen soll. In den sechs Jahren der laufenden Ratsperiode bis 2020 sollen nach der seit Freitag vorliegenden Rechnung der Verwaltung 80 280 Euro eingespart werden.

Die Bürgermeisterin gab dazu eine Presseerklärung heraus. Vor ein paar Tagen hatte sie noch erklärt, die Zahlen erst nach der Sommerpause veröffentlichen zu können. Aufgrund politischer Intervention ging es jetzt wohl doch früher, dazu schreibt sie: „Die Zahlen waren bisher nur nichtöffentliche Grundlage für die Vertragsentscheidung. Sie wurden jetzt aber für die Veröffentlichung freigegeben, um entstandene Spekulationen zu beenden.“

Das Zustandekommen der Kostenrechnung erklärte auf Nachfrage Fachbereichsleiter Michael Grabs. Ziehe man die Aufwendungen für die iPads, die Software und die Technik drumherum ab, spare die Stadt monatlich an der Umstellung von Papier auf digitale Ratsarbeit nur 115 Euro.

Richtig rechnet sich der Umstieg erst, wenn die eingesparten Personalkosten berücksichtigt würden. Das seien immerhin 1000 Euro im Monat. Eingespart werden also insgesamt 1115 Euro im Monat, aufgerechnet auf die kommenden sechs Jahre Ratsarbeit bis 2020 seien das stolze 80 000 Euro. Bürgermeisterin Voßloh sprach in ihrer Stellungnahme von „erheblichen Kosteneinsparungen.“

Personalkosten werden eingespart, weil städtische Mitarbeiter nicht mehr mit dem Kopieren, Frankieren und Versenden von Dokumenten an Ratsmitglieder beschäftigt sind. Eine Stelle im Rathaus in diesem Bereich laufe aus und werde nicht wiederbesetzt, so Grabs. Mitarbeiter könnten sich dann anderen Aufgaben widmen als Vorlagen zu kopieren.

Die Verwaltung und der Arbeitskreis digitale Ratsarbeit hätten sich für das Tablet iPad 2 der Firma Apple entschieden, weil die SitzungsApp iRICH nur auf dieser Geräteklasse von Anfang an problemlos laufe. Die Verwaltung habe Erkundigungen bei anderen Verwaltungen im Kreis eingeholt, so Grabs.

Demnach laufe iRICH auf preisgünstigeren Geräten mit der Android-Plattform nicht so problemlos wie auf den teureren Apple-Geräten. Das iPad2 mit W-Lan sei dennoch relativ preiswert. Der durchschnittlicher Ladenpreis liegt derzeit bei 320 Euro. Die SitzungsApp iRICH wurde von der Firma Sternberg aus Bielefeld entwickelt und wird bundesweit von zahlreichen Verwaltungen genutzt.

Sachkundige Bürger bekommen die Sitzungsunterlagen nicht ausgedruckt. Sie müssen sich über ihre Fraktionen behelfen. Für die Verwaltung müssten noch iPads angeschafft werden, so Grabs. Wie viele Tablets gekauft werden, sei noch nicht beschlossen. Lediglich die Bürgermeisterin habe bereits ein Gerät.

Von Volker Heyn

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