„Diesen Schritt habe ich nie bereut“

Als Verwaltungsmann in verantwortlicher Position in Plettenberg brachte Siegfried Griebsch beste Voraussetzungen für das Bürgermeisteramt mit. Als Mitglied des Rates (zehn Jahre SPD-Fraktion) kannte er die Zusammenhänge aus anderer Sicht. Beides vereint soll Werdohl nach vorne bringen.

WERDOHL ▪ Mit einem Stimmenanteil von 47,3 Prozent hatte der SPD-Kandidat Siegfried Griebsch am 30. August 2009 die Wahl zum hauptamtlichen Werdohler Bürgermeister gewonnen. Sein Amt antreten konnte er allerdings erst in der konstituierenden Sitzung des neuen Rates am 21. Oktober. Exakt ein Jahr ist das nun her – Zeit, um eine kleine Bilanz aus der Sicht des ersten Mannes der Stadt zu ziehen. Von Rainer Kanbach

Er sei im Grunde erschrocken, wie schnell dieses Jahr umgegangen sei, bekannte Siegfried Griebsch. Die Arbeit im Rathaus sei „dermaßen intensiv gewesen“, dass er das damit verbundene Tempo überhaupt nicht wahrgenommen habe. Gleichwohl sei ihm zu Beginn der Wahlperiode klar gewesen, dass er einen anstrengenden Job antreten werde.

„Diesen Schritt habe ich nie bereut. Die Arbeit ist intensiv und spannend“, so der Bürgermeister in seiner ersten Bilanz. Allerdings – persönlich betrachtet: Man lebt als Privatmensch intensiver angesichts der nur knapp bemessenen Freizeit.

Betrachte man die zuvor gesetzten – dienstlichen – Ziele nach der ersten Etappe, so sei schon einiges erreicht.

Neben den Sachthemen gelte das – vorab gesagt – vor allem auch für das zuvor mehr als schlechte Arbeitsklima sowohl in der Verwaltung, als auch im Rat. Das Verhältnis zur Politik und den Mitarbeitern habe sich inzwischen entspannt, obwohl sich Griebsch klar darüber ist, dass es Zeit brauche, bis das Vertrauensverhältnis innerhalb der Rathaus-Crew wieder gewachsen sei. Hier jedoch sieht er keine Probleme; die Entwicklung innerhalb eines Jahres wertete er als positiv.

Wenn die Sache im Vordergrund stehe – und darum gehe es immer – und Zusammenhänge nicht verschwommen betrachtet werden, sei es gut um den Umgang miteinander bestellt. Wichtig sei, das Beste für Werdohl zu erreichen. Das sehe er so, „und ich verlange, dass dies auch die Mitarbeiter so sehen“, stellte Bürgermeister Siegfried Griebsch fest.

Nach der Hälfte seiner Amtszeit „wollte ich ein gutes Betriebsklima erreicht haben“, um auch hier die Basis für eine funktionierende Kommunikation zu haben. In dieser Frage, so die Feststellung von außen, scheint der Kurs zu stimmen.

Als er zur Wahl um das Bürgermeisteramt angetreten sei, so Griebsch, habe er sich einige wichtige Ziele gesetzt. Ganz oben und vor allem langfristig betrachtet: Der Bildungsbereich – unter anderem mit der Einrichtung von offenen Ganztagsgrundschulen. Drei sind inzwischen verwirklicht. Die Berufsorientierung, Lenneroute und vor allem auch der Stadtumbau West waren weitere Schwerpunkte.

Der Bürgermeister: Der Umbau West kommt voran, und wenn alles klappt, „bringt uns das ganz weit nach vorne“. Zwar stehe der Bahnhof als Startobjekt ganz oben auf der Liste, doch auch die anderen Projekte, die der Rat beschlossen habe, „stehen weiter auf der Agenda“.

Siegfried Griebschs Wunsch ist es, dass der Stadtumbau West in fünf Jahren vollzogen ist, das Projekt Lenneschiene (im Rahmen der Regionale 2013) umgesetzt sei und die Menschen in Werdohl sagen: Er hat seinen Job gut gemacht.

Klar ist für den Bürgermeister: Die bislang schon auf verschiedenen Gebieten (Rosmart, Straßenreinigung, Rock für Kids, Berufsorientierung) funktionierende interkommunale Zusammenarbeit „muss noch verstärkt werden“. Ansätze dazu hatte Griebsch schon in seiner Haushaltsrede vor zweieinhalb Wochen skizziert. Dazu gehört die gemeinsame Beschäftigung eines technischen Prüfers (mit Plettenberg) ebenso, wie die Zusammenarbeit mit Altena bezüglich eines Equipments für Veranstaltungen im Marketingbereich.

Im Bereich Kultur – ein weites und wichtiges Feld – „wollen wir den Kultursommer weiter entwickeln“. Wie genau sich das darstellen soll, sei noch nicht spruchreif, doch stelle er sich mehr Angebote für Familien mit Kindern vor.

Auch das Thema Integration müsse weiter nach vorn gebracht werden. „Da müssen wir mehr Fahrt aufnehmen“, weiß Griebsch. Es müsse mehr miteinander geredet werden – auch abseits von geregelten Formalismen und Themen. Das habe auch vor kurzem sein Besuch in der Ditib-Moschee gezeigt. Es dürfe nicht gewartet werden, wer zuerst die Initiative ergreift; „die Gegenseitigkeit muss da sein“.

Das erste Jahr der Amtszeit war auch für den neuen Bürgermeister geprägt von Kurzbeschreibungen, wie: Was wir müssen, was wir können und was wir dürfen. Wie seit Jahren schon stehen alle drei Vorgaben in einem engen Zusammenhang mit einem wichtigen Nachsatz: „Ohne die Lebensqualität noch weiter zu verringern.“ Trotz allem müssten freiwillige Leistungen stets einer seriösen Beurteilung unterzogen werden.

Die Verbesserung der Infrastruktur und Lebensqualität in Werdohl sei eine Zielsetzung, die mit Augenmaß vorangetrieben werden müsse. Allerdings weiß Siegfried Griebsch genau, dass Fragen, die in diesem Zusammenhang stehen, nicht allein (oder fast überhaupt nicht) im Rathaus entschieden werden. Die Aufsichtsbehörde ist stets mit im Boot, so dass sich der Bürgermeister in seiner Haushaltsrede vor kurzem wünschte, dass auch dort das richtige Augenmaß nicht fehlen möge.

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