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Diese Männer haben Wirtschaftsgeschichte geschrieben

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Von: Volker Griese

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Der Werdohler Maler- und Lackierermeister Dieter Maus ist von der Handwerkskammer Südwestfalen mit dem goldenen Meisterbrief ausgezeichnet worden.
Der Werdohler Maler- und Lackierermeister Dieter Maus ist von der Handwerkskammer Südwestfalen mit dem goldenen Meisterbrief ausgezeichnet worden. © Volker Griese

Sie hätten an der deutschen Wirtschaftsgeschichte mitgeschrieben, sagte Jochen Renfordt, Präsident der Handwerkskammer Südwestfalen, über die fast 150 Meisterjubilare, die er während einer Feierstunde in Olsberg auszeichnete. Unter den Geehrten waren auch zwei Werdohler.

Werdohl ‒ „Es war damals eine verrückte Zeit, eine komplett andere Welt“, führte Renfordt die Jubilare gleich in seiner Eröffnungsrede zurück in die Jahre von 1952 bis 1972. „Sie haben mit der D-Mark bezahlt, sind ohne Handy und Internet ausgekommen. Trotzdem haben sie maßgeblich die Wirtschaftsgeschichte unseres Landes mitgeschrieben.“

„Ganz sicher erinnern Sie sich noch zurück an den Tag Ihrer Meisterprüfung“, warf auch Kammer-Vizepräsident Michael Neuhaus einen Blick zurück in die Vergangenheit. Umrahmt wurde dies mit einem unterhaltsamen Rückblick auf die Prüfungsjahre 1962 und 1972, in dem auch Musik aus dieser Zeit gespielt wurde. Genau aus der Zeit also, in der die Jubilare ihren erfolgreichen Berufsweg gestartet hatten. Als Höhepunkt folgte danach die Übergabe der Jubiläumsmeisterbriefe, die Kammerpräsident Renfordt und Vizepräsident Neuhaus gemeinsam durchführten.

Einer von denen, die die Ehrenrukunden in Empfang nehmen konnten, ist der Werdohler Maler- und Lackierermeister Dieter Maus (77), der sich vor nunmehr 43 Jahren mit einem Malerbetrieb selbstständig gemacht hat. In Werdohl und Umgebung hat er sich damit einen Namen gemacht.

Dabei waren die Vorzeichen für Dieter Maus zunächst gar nicht so gut: Im Zweiten Weltkrieg hatte er seinen Vater verloren. Seine Mutter heiratete jedoch erneut – ein Glücksfall, auch für Dieter Maus. Denn im Malerbertrieb seines Stiefvaters Hermann Hoppmann konnte er ab 1961 seine Ausbildung zum Maler und Lackierer absolvieren. Elf Jahre später schloss Maus auch den Meisterlehrgang erfolgreich ab. Damit konnte er später den Betrieb des Stiefvaters übernehmen.

Das geschah 1979, allerdings benannte Dieter Maus das Unternehmen neu: Fortan firmierte er unter „Maler Maus“. Dieser Name sollte zum Begriff in Werdohl und Umgebung werden, zumal Maus selbst das Markenzeichen kreierte, die kleine Maus, die auf jedem vom Maler Maus fertiggestellten Objekte zu finden ist. Dieter Maus trägt sie sogar als kleinen goldenen Anhänger an einer Halskette.

Um dem wachsenden Auftragsvolumen und den Herausforderungen der modrenen Zeit gerecht zu werden, drückte Dieter Maus Mitte der 1980er-Jahre noch einmal die Schulbank. „Mit 40 Jahren habe in der Abendschule noch die Ausbildung zum Betriebswirt des Handwerks nachgeholt“, blickt er zurück. Diese zusätzliche Qualifikation könne er jedem selbstständigen Handwerksmeister nur empfehlen, sagt er.

Als Meister hat Dieter Maus über die Jahre auch etliche Nachwuchskräfte ausgebildet. Jedes Jahr seien zwei neue Auszubildende eingestellt worden, erzählt der 77-Jährige, der sich also ständig um insgesamt sechs angehende Maler und Lackierer zu kümmern hatte. Die allermeisten hätten die Ausbildung auch erfolgreich abgeschlossen, berichtet Maus. Weibliche Azubis seien aber die große Ausnahme gewesen, auch wegen der körperlichen Belastung, die der Beruf mit sich bringt. „Die einzige weibliche Auszubildende, die das durchgehalten hat, hat später aber auch den Meisterbrief erworben und führt jetzt mit ihrem Ehemann einen Malerbetrieb in Garbeck“, erzählt der Alt-Meister, der den Werdegang vieler seiner Schützlinge im Auge behalten hat.

Zu den Auszubildenden des Malers Maus gehörte auch dessen eigener Sohn Christian, dessen Berufsweg 1987 begann. Auch der ist inzwischen Meister und führt den Familienbetrieb seit 2008. Damit konnte sich Dieter Maus, der in seiner Ehefrau Christiane als Mitarbeiterin im Büro und in der Buchführung über viele Jahre eine wichtige Stütze hatte, allmählich auf den Ruhestand vorbereiten. 2021 schied er aus dem Unternehmen aus.

Aber die Geschichte der Familienunternehmens wird ja weiterschrieben. Neben Sohn Christian Maus, der den Betrieb derzeit führt, arbeiten mittlerweile auch die Enkel Kevin und Marius Maus im Unternehmen mit. Und Dieter Maus ist zuversichtlich, dass sich später auch die Urenkel für eine Karriere bei Maler Maus entscheiden werden.

Bei der Jubilarfeier in Olsberg hatte Dieter Maus Gelegenheit, mit vielen anderen Handwerksmeistern auf spannende Zeiten zurückzublicken. Die Feierstunde geriet dann auch zu einem unerwarteten Wiedersehen mit vier Kollegen aus dem Hochsauerlandkreis, mit denen er vor 50 Jahren zusammen die Meisterschule besucht hatte. „Ich habe sie erst gar nicht wiederekannt“, gibt Dieter Maus zu. Dann allerdings wurden viele Erinnerungen an vergangene Zeiten wach und es gab viel zu erzählen.

Ein weiter Meisterjubilar aus Werdohl ist der 80-jährige Olaf Pfützenreuter. Auch er hält mittlerweile den goldenen Meisterbrief in den Händen. Pfützenreuter hat seine Ausbildung zum Maschinenschlosser einst bei den Stahlwerken Brüninghaus absolviert und dort auch noch einige Zeit im Beruf gearbeitet. Später wechselte er zum Werdohler Pumpenspezialisten Kracht, wo er nicht nur 26 Jahre blieb, sondern 1972 auch das Zertifikat des Maschinenbauermeisters erwerben konnte. Die letzten Jahre seines langen Berufsleben verbrachte Pfützenreuter schließlich beim Neuenrader Maschinenbauunternehmen Bültmann, ehe er 2011 in den Ruhestand ging.

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