BMW X1 als Dienstwagen

Bürgermeister Siegfried Griebsch.

WERDOHL - In die Diskussion über die ab 1. September für die Mitarbeiter der Stadtverwaltung erhobene Stromkostenpauschale für privat genutzte Kühlschränke, Kaffeemaschinen, Heißwasser-Automaten, Mikrowellen und Handy-Ladegeräte ist spätestens seit rund einer Woche ein Zungenschlag hinein gekommen, der die Fronten womöglich noch weiter verhärtet.

Von Rainer Kanbach

Gemeint ist nicht die Tatsache, dass Fernsehen, Radio und Tageszeitungen bundesweit und auch in französischer Sprache über das „Werdohler Modell“ berichtet hatten, sondern vielmehr: Personalratsmitglied und ver.di-Mann Ingo Müller hat in seiner Funktion als Gewerkschafter die Verhältnismäßigkeit der Entscheidungen in der Verwaltung bezweifelt.

Ansatzpunkt war für ihn die in einem Nebensatz zur Sprache gebrachte Tatsache, dass „die Verwaltungsspitze jedes Jahr einen BMW geleast“ bekomme. Der Außendienst des Ordnungsamtes müsse hingegen „mit einer uralten Karre“ herumfahren. In der Tat steht in der Garage des Rathauses ein neuer BMW X1 mit Automatikgetriebe und Allrad-Antrieb. Er wird seit dem Frühjahr auf Leasingbasis von der von Müller zitierten Verwaltungsspitze genutzt und kostet für die Dauer des ein Jahr laufenden Vertrages 4800 Euro, so bestätigte Bürgermeister Siegfried Griebsch.

Frühere Verträge seien bis zur jetzt gültigen Anhebung allerdings deutlich günstiger gewesen. Immerhin: Die Zahl ist kein Geheimnis, der Leasing-Vertrag auch nicht. Beides werde jeweils dem Rat im Rahmen der Haushaltsplanberatungen vorgelegt.

Der mit einem hohen Geltungsbedürfnis ausgestattete Ex-Bürgermeister Jörg Bora hatte es zu Beginn seiner Dienstzeit vorgemacht. Begonnen hatte es in der Bora-Ära mit einem „Fünfer“, nachdem der alte Dienstwagen – auch ein BMW, allerdings von der Stadt gekauft – seinen „Geist“ nach vielen Jahren und zunehmendem Reparaturbedarf aufgegeben hatte. Später folgte ein „Dreier“ und aktuell ist es nun ein X1. Die Stadt nutzt den von BMW angebotenen Behörden- und Bürgermeister-Tarif und kommt so in kurzen Zeitabschnitten in den Genuss einer neuen, nur wenige Kilometer gefahrenen Limousine. Der Vorgänger wird vom Händler als Jahreswagen weiter veräußert.

Ein solcher Sondervertrag laufe in der Regel über ein Jahr, in Ausnahmefällen auch schon einmal zwei. „Der große Vorteil“, so Bürgermeister Griebsch, „liegt darin, dass es ein neues Auto ist und wir sonst keinerlei Kosten haben“. Man könne auf anderem Wege kein Auto (mit der Stadt als Eigentümer) finanzieren. Zudem: Es kommt – bis auf zwei oder drei Ausnahmen – kein Fahrer mehr zum Einsatz, im Gegensatz zu früheren Zeiten. „Ich fahre selbst zu den jeweiligen Terminen“, betont der Bürgermeister.

Möglich, dass es die nunmehr bekannte Kombination aus Stromkostenpauschale und Dienstwagenvertrag ist, die die Kritik bei dem einen oder anderen Mitarbeiter im Rathaus harsch ausfallen lässt. Die Stromkostenpauschale muss es freilich nicht zwangsläufig sein, denn eine solche Regelung gab es zu Zeiten des früheren Stadtdirektors Wilfried Leven auch schon einmal. Sie geriet dann nur unter Manfred Wolf und seinem Nachfolger in Vergessenheit.

Ob das Thema weiter am kochen gehalten wird, bleibt offen. Von der Gewerkschaft ver.di habe er bislang nichts gehört, so Siegfried Griebsch. Seine Schlussfolgerung: „Wenn die eine Chance sehen würden, hier aktiv zu werden, hätten sie es längst getan.“

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