Diegel: „Werdohl braucht große finanzielle Hilfe“

Regierungspräsident Helmut Diegel (r.) weiß, was man bei seinem Antrittsbesuch in Werdohl gerne hört.

WERDOHL ▪ Hemdsärmelig und locker packten Regierungspräsident Helmut Diegel und Bürgermeister Griebsch mit ihrer jeweiligen Entourage die größte Schwierigkeit an, die Werdohl zu bewältigen hat: Die drohende Überschuldung.

Beim Pressegespräch nach der zweieinhalbstündigen Arbeitsphase brachte Diegel die Sache auf den Punkt: Werdohl gehöre seiner Einschätzung nach zu den Städten, die ihre Kommunalfinanzen nicht mehr aus eigener Kraft bewältigen können. Diegel stellte Werdohl in eine Reihe mit Städten wie Herne und Bad Laasphe. Diese beiden Städte befinden sich im Nothaushalt, die schon drastisch zurückgefahrenen Ausgaben überschreiten die Einnahmen bei weitem. Bürgermeister Griebsch und Kämmerer Schlüter hatten Diegel vermittelt, dass in Zukunft kaum wieder mit so hohen Gewerbesteuereinnahmen gerechnet werden könne, um die notwendigen Ausgaben abdecken zu können.

Helmut Diegel sagte Hilfe zu: „Wir werden Werdohl nicht allein lassen.“ Auf Landesebene müsse eine Lösung gefunden werden, Die Bezirksregierung als Partner der Städte und Gemeinden könne da nur „sauber analysieren“. Das Land müsse für die Finanzierung sorgen. Die Bezirksregierung erstelle gerade einen Katalog an Städten, die „große Hilfe nötig“ haben. Werdohl gehöre nach dem gestrigen Besuch dazu, sagte Diegel. Der Behördenleiter hält ebenso wie der Werdohler Rat nichts vom zu harten Einsparen freiwilliger Leistungen: „Wir wollen ja nicht zur Flucht der Einwohner einladen.“ Lebensqualität müsse in den Städten erhalten bleiben: „Dass Szenario, dass eine Überschuldung ins Haus steht, ist anzupacken.“

Konkreter wurde Diegel ebenso wenig wie Thomas Sommer, Leiter der Kommunalaufsicht bei der Bezirksregierung. Die Erfahrungen aus den Besuchen anderer Kommunen würden zusammen getragen, aus der Praxis entwickelten sich „Erkenntnisprozesse.“ Die Städte seien auf diese Weise zur Zusammenarbeit angehalten. Mögliche Partner für Werdohl seien Neuenrade, Plettenberg und Altena. Diegel riet Griebsch, sich in seiner Arbeit breit abzusichern: „Holen Sie Ratsbeschlüsse ein, die Verwaltung braucht die Unterstützung der Bürger.“

Der Kurs Werdohls Richtung Stadtumbau West werde von der Bezirksregierung voll mitgetragen. „Wir haben verstanden“, sagte Diegel. Kommunalaufseher Sommer wartet noch auf ein detailliertes Finanzierungskonzept bis Ende August. Alles sei voll im Zeitplan.

Die schulfachliche Dezernentin Susanne Blasberg-Bense bescheinigte Werdohl eine gute Schulplanung, die für die kommenden Jahre tragen würde. Weil in Düsseldorf noch über die Regierungsbildung diskutiert werde, müsse das Thema Hauptschule ausgeklammert bleiben.

Volker Heyn

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