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Diebesbande schlägt bei Rossmann zu: Gericht spricht 28-Jährigen frei

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Von: Thomas Krumm

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Die Werdohler Rossmann-Filiale an der Freiheitstraße. Hier schlugen die Diebe im April 2020 zu und klauten Medikamente, Pflege- und Kosmetikprodukte mit einem Wert von mehr als 1300 Euro.
Die Werdohler Rossmann-Filiale an der Freiheitstraße. Hier schlugen die Diebe im April 2020 zu und klauten Medikamente, Pflege- und Kosmetikprodukte mit einem Wert von mehr als 1300 Euro. © Heyn, Volker

Viele Rossmann-Drogeriefilialen wurden vor gut einem Jahr zur Zielscheibe einer überregional operierenden Diebesbande, die erstaunliche Vermögenswerte aus den Filialen schleppte. Auch in Werdohl schlugen die Täter zu.

So sollen am 16. April 2020 drei Diebe aus der Filiale an der Freiheitstraße Medikamente, Pflege- und Kosmetikprodukte für insgesamt 1341 Euro gestohlen haben. Im Amtsgericht Lüdenscheid musste sich jetzt ein 28-jähriger Angeklagter aus Georgien verantworten, der an jenem Tag mit zwei Mittätern in der Werdohler Rossmann-Filiale gewesen sein sollte.

Die Beweisaufnahme gestaltete sich deshalb recht schwierig, weil niemand die Männer mit ihren vollen Rucksäcken bei ihrem Weg aus dem Ladenlokal aufgehalten hatte. So blieben nur die Videoaufnahmen, die das Leerräumen ganzer Regalabschnitte deutlich zeigten. Zwei der Männer ließen sich offenbar eindeutiger identifizieren. Ihre Strafverfahren liefen möglicherweise andernorts, da sie mehrfach tätig geworden waren.

Seit 23. Februar in Untersuchungshaft

Übrig blieb der 28-Jährige, der am 23. Februar dieses Jahres vorläufig festgenommen wurde und seitdem in Untersuchungshaft saß. Das Schöffengericht kam durch die vorhandenen Bilder aber letztlich nicht zur Überzeugung, dass er an jenem Tag der dritte Mann gewesen war. Er wurde freigesprochen und konnte den Gerichtssaal als freier Mann verlassen. „Der Angeklagte war an dieser Tat nicht mit der für eine Verurteilung nötigen Sicherheit beteiligt“, verkündete Richter Thomas Kabus. Ob der 28-Jährige – wie angekündigt – zügig nach Georgien zurückkehrt oder noch auf seine finanzielle Haftentschädigung wartet, ist nicht bekannt.

Der Werdohler Rossmann-Filialleiter schilderte den Diebstahl vor Gericht, den er nur nachträglich auf den Aufzeichnungen beobachtete: Drei Leute seien mit schwarzen Wanderrucksäcken hereingekommen und hätten ganze Regale leer geräumt. Erst durch diese erheblichen Verluste wurde der Diebstahl entdeckt. Der Tathergang sei „recht dämlich“ gewesen, erklärte der Zeuge. Damit konnte er eigentlich nicht das Vorgehen der Diebe meinen, die vergleichsweise erfolgreich gewesen waren. „Es ist etwas passiert, was nicht passieren darf. Ich habe mich geärgert.“

Bis zu 15 Personen beteiligt

Anderen Filialen erging es offenbar nicht viel besser. Bei einer Kriminalbeamtin in Hagen liefen die Ermittlungen nach Diebstählen in Hagen, Ratingen, Solingen, Radevormwald und weiteren Städten zusammen. Sie beauftragte einen Auszubildenden, sich anhand der vorhandenen Videoaufzeichnungen einen Überblick über die Mitglieder des „georgischen Täternetzwerks“ zu verschaffen – zehn bis 15 Personen sollen es gewesen sein. Alle Prozessbeteiligten beugten sich im Amtsgericht Lüdenscheid lange über diverse Foto-Abzüge bewegter Bilder, ohne letztlich den Angeklagten als den gesuchten dritten Mann identifizieren zu können.

So sprach letztlich auch einiges dafür, dass er am 16. April 2020 tatsächlich nicht mit in der Werdohler Filiale gewesen war.

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