„Die Liebe ist dein Untergang“

Konnten am Ende einer durchweg gelungenen Premiere doch noch vor den Altar treten: Hochzeitssänger Robbie heiratet endlich, nachdem sie sich fast verpasst hätten, seine Julia. 

WERDOHL ▪ Ein großes Ziel hatten sich die Realschüler gesetzt – in relativ kurzer Probenzeit ein Broadway-Musical auf die Bühne ihrer Aula zu bringen. Und das auch noch ungekürzt. Dass ihnen dieses Unternehmen durchaus gelungen ist, davon konnten sich die Besucher am Freitag selbst überzeugen.

Die Aula war voll – ein paar Besucher saßen auf Extra-stühlen, und über die freigebliebenen Ehrenplätze in der ersten Reihe durften sich diejenigen freuen, die sonst hätten stehen müssen. „Was wir spielen ist für eine Realschule fast unmöglich“, sagte Lehrer Thorsten Leppert, der die Schüler in den Proben begleitet hatte. Nach einer kurzen Begrüßungsrede öffnete sich dann der Vorhang – und die Schüler überzeugten das Publikum von Beginn an.

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Zu Beginn des Stücks erzählt Robbie Hart (überzeugend gespielt von Lukas Tigges), Sänger der Hochzeitsband „Simply Wed“ den Gästen einer Hochzeit stolz, dass er selbst morgen vor den Altar treten wird. Während der Feier lernt er die Kellnerin Julia (dargestellt von Duygu Gönel) kennen; ihr Verlobter Glen arbeitet an der Wall Street und betrügt sie mehrfach. Als Robbie von seiner Verlobten Linda (Natascha Tsipiridou) vor dem Altar sitzen gelassen wird – sie schickt ihm einen Brief – bricht seine Welt zusammen. Julia versucht ihn aufzumuntern und will ihn aus dem Tief holen. Über Höhen und Tiefen – in einem dunklen Moment singt Robbie sogar „Bittet bringt mich um“ – finden die beiden zueinander.

Es ist eine turbulente und herrlich komische Geschichte, die die Realschüler auf die Bühne gebracht haben. Mit viel Herzblut und noch mehr Spielfreude gewannen sie das Publikum von Beginn an für sich. Die Rollen sind überzeugend besetzt – Justin Cyganek als Macho Glen kauft man seine Rolle ebenso ab wie Lukas Tigges als Hochzeitssänger, der zwischen himmelhochjauchzend und tiefdeprimiert schwankt. Auch die Nebenrollen stechen heraus – nicht zuletzt Julias Mutter, die in Glen den einzig richtigen Mann für ihre Tochter sieht. „Er ist reicht, gut aussehend, charmant… sagte ich schon, dass er reich ist?“

Auch im Bühnenbild und den Kostümen war zu sehen, wie viel den Schülern an dieser Aufführung lag. Kleine technische Schwierigkeiten oder der ein oder andere Texthänger waren sofort verziehen. Was die Schüler, übrigens fast komplett in Eigenregie, geschafft haben, ist wirklich „fast unmöglich“ – vor allem in dieser Qualität.

Für ihre Leistung erhielten Orchester und Schauspieler Standing Ovations und viel Lob aus dem Publikum. Auch Schulleiter Bernd Bunge war total begeistert. „Man musste nicht lachen, man hat gelacht“, lobte auch er die Qualität der Aufführung.

Ein besonderer Dank von der Schulleitung und den Schülern, ging an die begleitenden Lehrkräfte Barbara Bell (Regie) und Thorsten Leppert (Orchesterleitung) und ihre Familien – sie hätten in den letzten zwei Wochen auf einiges verzichten müssen. „Aber das“, sagt eine der Besucherinnen, „war es wert.“

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