„Die besten Tage unseres Lebens“

Uli Hopmann (li.), langjähriger Mitarbeiter des „Schrottkellers“, und Jürgen „Pöngse“ Krutzsch.

WERDOHL -   Ein Buch, so prall wie das Leben junger Leute zu dieser Zeit: Viele Werdohler erinnern sich gern an die Zeit zwischen 1960 und 1980. Und an „Gotti“ Schumann, eine schillernde Persönlichkeit, die im Amt des Lüdenscheider Stadtjugendpflegers damals das Leben zahlloser Jugendlicher auch über die Stadtgrenzen hinaus beeinflusst hat.

Seit wenigen Tagen ist nun das Buch „Die besten Tages unseres Lebens“ auf dem Markt. Auf 288 Seiten (DIN A 4, Hardcover) dokumentiert es die bunten, wilden und spannenden Jahre des Aufbruchs; mit einem Ausblick auch auf das Lennetal. Hier wird unter anderem die Zeit des Werdohler „Schrottkellers“ in Wort und Bild wieder lebendig.

Der erste selbstverwaltete Jugendclub im Kreis hatte seine Wiege in Werdohl. 1966 fanden sich in Ütterlingsen die Jugendlichen zusammen. Noch bevor in Lüdenscheid das Studio 19 eröffnete, engagierte sich ein zirka zehnköpfiges Helferteam ehrenamtlich für seine Altersgenossen. Das junge Betreiberteam veranstaltete Konzerte (zum Beispiel mit den „Starfighters“, „Ihre Kinder“ (nannten 1971 ihre vierte LP „Werdohl“), „Franz K.“ und vielen heimischen Bands, wie den Werdohler „Missing Links“), ging auf Tour (nach London, Paris oder Amsterdam), sorgte für die Bewirtschaftung. Auch „Tibet“, die in Zeiten des Krautrocks ihre viel beachtete Musik herausbrachten, finden Erwähnung.

Doch der Blick in Text und Bild geht noch weiter: von Altena („Blackjets“, „Look“) bis Plettenberg („The Motion“).

„Zu einem demokratischen Preis von 19,90 Euro“, sagte Dr. Dietmar Simon bei der öffentlichen Vorstellung des 1,7 Kilo schweren Werkes. Das war eine bewusst gewählte Formulierung. Jeder, der diese Zeit miterlebt hat, jeder, der selbst im Buch vorkommt, soll es erwerben können. Das ist eine Hommage an die Zeit. Jugendliche und junge Erwachsene forderten mehr Teilhabe an der Gesellschaft und ein selbstbestimmtes Leben.

Bilder von gestern präsentiert mit Hilfe der Technik von heute: Das sieht man dem Buch an. Es wurde mit viel Liebe zum Detail bei „Seltmann printart“ produziert. Die Arbeit der Lüdenscheider Bücherdrucker ist preisgekrönt. Anfang November wurden sie mit dem Druck & Medien-Award 2013 ausgezeichnet. Er gilt als eine der renommiertesten Preise der Branche.

Die Zeit von Rockern und Hippies

Die Autoren Dr. Dietmar Simon und Michael Nürenberg haben drei Jahre intensive Arbeit in das Werk gesteckt.

Recherche quer durch ganz Deutschland bis nach Spanien und in die USA, im Stadtarchiv, Gespräche mit Zeitzeugen, Sichtung des umfangreichen Materials – das dauerte.

Bei der Buchvorstellung erweckten die Autoren die Zeit der Beatbands in der Schützenhalle, dem Studio oder dem Parktheater, Rocker, Hippies, der Lüdenscheider Außerparlamentarischen Opposition (APO), die Zeit der Rocker und der von „Gotti“ Schumann organisierten Auslandsreisen.

Aus den ursprünglich geplanten acht Kapiteln wurden schließlich 15. Sie reichen von „Eine neue Zeit“ und „Das Studio 19“ über „Gottis Reisen“ und „Jugend und Kirche im Umbruch“ bis zu „Das Ende der Ära Schumann“ und „Ausblicke und Zugaben“. So spiegelt das Buch in zahlreichen Facetten die Zeit, die zum Ursprung der Lüdenscheider Gegenwart gehört wie kaum eine andere.

„Die besten Tage unseres Lebens“ ist erhältlich an der Info-Theke im Lüdenscheider Rathaus, in der Buchhandlung Thalia in Lüdenscheid sowie über den Geschichts- und Heimatverein, www.ghv-luedenscheid.de (ISBN 978-3-981325-2-0).

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