Serie: Deutsch-türkisches Miteinander in Werdohl

Wer ist deutsch in Werdohl, wer ist türkisch?

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Die geplante Moschee-Erweiterung mit einem Minarett und einer Kuppel wird in der Stadt diskutiert. Schon seit Jahren wollen die Muslime der Ditib diese Ausbauten, vor ein paar Monaten haben sie den Bauantrag eingereicht.

Werdohl - Heute leben trotz des Einwohnerrückgangs immer noch mehr als 2.100 Männer und Frauen mit türkischer Staatsangehörigkeit in Werdohl. Eingebürgerte Türken mit deutschem Pass tauchen nach der Einbürgerung nicht mehr in der Bevölkerungsstatistik als Ausländer auf. Türkischstämmige deutsche Werdohler lassen sich also kaum mehr in Zahlen fassen.

Die jüngste Bevölkerungsstatistik der Stadt Werdohl für das Jahr 2017 zählt insgesamt 4044 Ausländer auf, darunter stellen die 2114 Türkinnen und Türken die Hälfte.

Die nächsten Bevölkerungsgruppen (bulgarisch, griechisch, italienisch und polnisch) erreichen gerade einmal eine Stärke von je knapp 250. Damit sind die Türken die größte in Werdohl lebende Gruppe von Ausländern. Gerechnet auf die Bevölkerungszahl von 18.588 sind das 11,4 Prozent.

Von den 2114 türkischen Staatsangehörigen besitzen 1035 zudem noch die deutsche Staatsangehörigkeit. Diese 1035 Doppelstaatler dürften vorwiegend Kinder und Jugendliche sein.

Ordnungsamtsleiterin Andreas Mentzel erklärt die gesetzlichen Grundlagen: Kinder aus rein türkischen Ehen bekommen die türkische Staatsangehörigkeit. Kinder aus türkischen Ehen, von denen ein Elternteil länger als acht Jahre in Deutschland lebt, bekommen zunächst beide Staatsbürgerschaften. Die bis 2014 geborenen Kinder müssen sich mit dem 23. Lebensjahr für eine der beiden Staatsbürgerschaften entscheiden.

Doppelstaatler müssen sich 2035 entscheiden

Für nach 2014 geborene Kinder aus türkischen Ehen gilt eine neue Regelung: Damals wurde die Optionspflicht im Staatsbürgerrecht dahingehend geändert, dass die Kinder mit doppelter Staatsangehörigkeit weiterhin beide Staatsangehörigkeiten führen können. 

Sie müssen sich bei Vollendung des 21. Lebensjahres mindestens acht Jahre in Deutschland aufgehalten haben oder sechs Jahre Schulbesuch in Deutschland nachweisen können beziehungsweise einen Schulabschluss erworben oder eine abgeschlossene Berufsausbildung haben. Diese Personen werden aktuell auch als Doppelstaatler geführt, sie müssen sich erst 2035 entscheiden.

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Weiter in der Statistik: 14 türkische Staatsangehörige stellten 2017 einen Einbürgerungsantrag und wurden zu Deutschen. Diese Entscheidung trifft der Kreis als Ausländerbehörde. In den Jahren von 2013 bis 2017 wurden insgesamt 105 Einbürgerungen vorgenommen, das sind im Schnitt ungefähr 20 Einbürgerungen pro Jahr.

59 Kinder mit deutscher und türkischer Staatsbürgerschaft wurden 2017 geboren, zum Vergleich stehen 56 Geburten ausschließlich deutscher und danach 15 bulgarischer Herkunft. Alle andere Nationalitäten bringen es auf maximal vier Geburten pro Jahr.

Das bedeutet, dass rein rechnerisch allein die 2000 Türken in Werdohl pro Jahr genauso viele Kinder bekommen wie alle 14.000 deutschen Einwohner von Werdohl zusammen.

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