Mehr als 13 Stunden unterwegs

Der Werdohler Rundwanderweg: 62 Kilometer und 2000 Höhenmeter zu Fuß

Werdohler Rundwanderweg
+
Gerade im Winter freut sich der Wanderer über eine Bank. Die Wege sind vermatscht, Baumstämme nass und Sitzgelegenheiten rar.

62 Kilometer bin ich zu Fuß gegangen. Im Winter. Allein. Bei Temperaturen zwischen drei und sechs Grad. Ich bin einfach losgegangen und irgendwann wieder angekommen. Das Abenteuer dauerte 13 Stunden und 29 Minuten. Und das Beste daran: Es liegt quasi vor der Haustür und zum Abendessen war ich wieder daheim.

Man kann wohl sagen, dass ich ganz gerne verrückte Sachen mache. Ausdauersport fasziniert mich schon mein ganzes Leben lang. Früher habe ich im Langstrecken-Triathlon Grenzen gesucht, jetzt finde ich sie auf den höchsten Gipfeln der Alpen. Mein Körper kennt diese Belastungen, das Unterwegssein aus eigener Kraft macht mir Freude. Schon zweimal war ich vier Wochen am Stück zu Fuß unterwegs, nur mit Rucksack von Unterkunft zu Unterkunft. Weitwandern ist großartig, Gebietsdurchquerungen, Überschreitungen oder große Rundwege sind besonders erfüllend.

Das war der schönste Streckenabschnitt auf meinen 62 Kilometern rund um Werdohl: Der Pfad am Lenne-Stau beim Wasserkraftwerk Bockeloh gegenüber dem Biwakplatz am Kettling. Die Flusslandschaft ist sanft und beruhigend.

Nachdem wir im Freundeskreis die 30er-Marke rund um Herscheid erledigt und die 42 Kilometer rund um Altena gelaufen waren, brach mein genetisches „Höher-Weiter-Schneller“-Virus aus. Mehr als 50 Kilometer sollten es sein.

Einmal außen drumherum

So reifte in mir der Plan, die 58 Kilometer rund um Werdohl zu gehen, rund um die Stadt, in der ich seit mehr als zehn Jahren arbeite und in der ich sprichwörtlich jede „Ecke“ kenne. Jetzt also einmal außen drumherum.

Es gibt nur wenige Ausblicke auf dem Werdohler Rundwanderweg: Links Gut Bockeloh an der Grenze zu Plettenberg, rechts das Gewerbegebiet am Kettling.

Kurz nach fünf Uhr stehe ich auf an diesem Samstag, schütte einen Kaffee in mich hinein, um sechs Uhr will ich in Elverlingsen starten. Die ersten zwei Stunden laufe ich im Schein meiner Stirnlampe den Berg hoch, schnell komme ich am Gut Ruckeljahn vorbei und lasse die Waldorfschule am Remmelshagen hinter mir. Am Paulstück freue ich mich im Morgengrauen über adventlich beleuchtete Häuser.

Hinauf bis auf über 400 Höhenmeter

Weiter geht es am evangelischen Friedhof an der Landwehr entlang, sehr schön gelegen ist dieser stille Fleck. Lange Strecken gehe ich über steile Waldwege bis auf über 400 Höhenmeter in Richtung Plettenberger Stadtgebiet. Ein Harvester beseitigt Käferholz, der Wald sieht hier schlimm aus. Nach einer Schleife geht es an der Lothmecke hinunter, dann durch die Siedlung am Kettling und an der Lenne entlang. Auf der anderen Seite wird es wieder mal steil, es geht am Riesei vorbei, weiter hinauf nach Pungelscheid.

Der Werdohler Rundwanderweg in Bildern

Der Werdohler Rundwanderweg in Bildern: 62 Kilometer und 2000 Höhenmeter zu Fuß
Der Werdohler Rundwanderweg in Bildern: 62 Kilometer und 2000 Höhenmeter zu Fuß
Der Werdohler Rundwanderweg in Bildern: 62 Kilometer und 2000 Höhenmeter zu Fuß
Der Werdohler Rundwanderweg in Bildern: 62 Kilometer und 2000 Höhenmeter zu Fuß
Der Werdohler Rundwanderweg in Bildern

Bevor ich am Düsternsiepener Weg aus dem Wald komme, lege ich meine erste Pause ein. Die erste Hälfte des Weges liegt hinter mir, 32 Kilometer sind schon auf der Uhr. Sechs Stunden bin ich gegangen. Butterbrote und Mettwurst schmecken mir, zwei Kinder wünschen mir guten Appetit. Lange soll die Pause auf dem Baumstumpf nicht dauern, der Weg ist noch lang, ich will mich gar nicht erst ans Sitzen gewöhnen.

Phil Collins und die Bundesliga im Ohr

Der Drang ist mächtig, einfach immer weiterzugehen, nicht groß stehen zu bleiben. Über Hesewinkel und Deipschlade geht es nach Grimminghausen, jetzt stellt sich der Rausch der Dauerbewegung ein. Der WDR im Ohr sendet Phil Collins und aufgeregte Bundesliga, das kann ich nicht ertragen. Elektronische Sounds vom Handy treiben mich stattdessen nach vorn. Ich euphorisiere. Im Schnitt gehe ich fünf Kilometer pro Stunde.

Smartphone und GPS-Uhr sind nützliche Helfer

Den Track für diese Wanderung habe ich auf der Seite www.ich-geh-wandern.de gefunden. Dieser GPS-Wanderatlas arbeitet mit dem SGV zusammen und bietet Touren aller Art und Länge in Deutschlands Wanderregionen.

Der Werdohler Rundwanderweg wird dort beschrieben und mit 58,05 Kilometern, 2200 Höhenmetern und einer Gehzeit ohne Pausen von 16 Stunden und 49 Minuten angegeben. Den GPS-Track habe ich mir auf mein Smartphone geladen.

Ich nutze die App „Locus Map“ für mein Android-Handy. Locus kann kostenlose und kostenpflichtige Karten einlesen und darin navigieren. Durch die vorher heruntergeladenen Karten kann das Telefon im akkuschonenden Offline-Flugmodus betrieben werden. Nicht immer sind alle Wege auf der Karte, nicht immer ist ein Weg da, wo der Track entlang führt. GPS-Empfang ist von vielen Faktoren abhängig und oft genug nicht genau. Mit Miss- und Fehlweisungen sowie divergierenden Angaben sollte man Erfahrung haben.

Entfernungsangaben, Höhenmeter und Angaben zur Geschwindigkeit bekomme ich von meiner GPS-Uhr am Handgelenk.

Die Landschaft rauscht an mir vorbei, ein paar Mal marschiere ich an Abzweigungen vorbei und muss umkehren. Mir wird klar, dass ich wohl 60 Kilometer unterwegs sein werde. Nach weiteren Stunden durch Wald erreiche ich Ludemert, vorbei am Bremfeld tief hinunter nach Altenmühle. Der Weg gibt alles und wird wieder steil: Über den Berg dazwischen komme ich ins Augustenthal.

Mit der Stirnlampe über der Mütze die nächste Rampe hoch

Ich bin beeindruckt: Ich bin auf Lüdenscheider Stadtgebiet und auf meiner GPS-Uhr steht bereits die fantastische Zahl von 50 Kilometern! So langsam müsste es heimwärts gehen. Mittlerweile ist es wieder dunkel, mit der Stirnlampe über der Mütze kommt die nächste Rampe von Trempershof, hoch Richtung Höhenweg.

Kurz nach sechs Uhr fällt der Blick von oben auf die Lichter des Kraftwerks Elverlingsen: Es sieht aus wie ein Raumschiff, dazu brummt und summt es.

Jetzt wird es doch langsam zäh im Kopf und in den Beinen. Der Wald ist stockfinster, zu sehen gibt es seit Stunden nichts. Regentropfen und Dunstfetzen schlieren vor meinen Augen. Hölzerne Klinke, Brenge, Köllmanshorst, Rosmart. Tieraugenpaare blitzen aus dem Wald.

Auch das dreizehneinhalb Stunden: Das Kraftwerk summt und brummt

Jetzt kommt Land in Sicht, nur noch hinunter bis Husberg. Schlamm und Pfützen weiche ich nicht mehr aus, jetzt will ich endlich zum Auto. Ein letzter böser Buckel zwischen Dresel und Elverlingsen – nach dreizehneinhalb Stunden summt und brummt das Kraftwerk noch genauso teilnahmslos wie bei meinem Start am Morgen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare