Werdohler Wahrzeichen

Denkmalschutz: Viadukt an der Lenne in Gefahr

Für die Werdohler Bevölkerung ist das Viadukt mehr als nur eine Eisenbahnüberführung: Stadtverwaltung und Ortsheimatpflege sowie viele Bürgerinnen und Bürger wollen das Wahrzeichen der Stadt erhalten sehen.
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Für die Werdohler Bevölkerung ist das Viadukt mehr als nur eine Eisenbahnüberführung: Stadtverwaltung und Ortsheimatpflege sowie viele Bürgerinnen und Bürger wollen das Wahrzeichen der Stadt erhalten sehen.

Das Team der Werdohler Ortsheimatpflege mit Heiner Burkhardt, Barbara Funke und Udo Böhme kämpft seit 2014 um den Erhalt des Werdohler Eisenbahnviadukts.

Damals teilte die Bahn mit, das Viadukt aus wirtschaftlichen Erwägungen abreißen und durch eine moderne Betonkonstruktion ersetzen zu wollen. Sieben Jahre später steht das Viadukt zwar noch immer, doch die drei Experten sehen neue Gefahren auf das Baudenkmal zukommen, nachdem die Bahn erst jüngst erklärt hatte, die Sanierung des Werdohler Wahrzeichens erneut zu verschieben.

Im Namen der Ortsheimatpflege beschreiben Funke, Böhme und Burkhardt die Gefahren für das 1861 errichtete Bauwerk, die ihrer Meinung nach durch die geplante Neufassung des Denkmalschutzgesetzes entsteht. In einem längeren Schreiben schlagen die Werdohler Heimatpfleger Alarm: „Nach dem vorliegenden Entwurf für die Neufassung des Gesetzes könnte der Abriss derartiger historischer Bauwerke und damit auch unserer historischen Brücke noch leichter sein als bisher. Das 160 Jahre alte architektonische Juwel könnte für immer verschwinden!“

Aufgaben sollen eine andere Reihenfolge bekommen

Die Werdohler folgen damit der Stellungnahme des Westfälischen Heimatbundes, dem Dachverband der lokalen Heimat- und Geschichtsvereine. Die Besorgnis begründe sich darin, dass die im Gesetz formulierten Aufgaben des Denkmalschutzes eine andere Reihenfolge bekommen sollen. Konkret heißt es dort: „Der Schutz von Denkmälern und deren Pflege stand im bisherigen Gesetz an erster Stelle. In der Neufassung rücken diese Aufgaben an die dritte beziehungsweise vierte Stelle.“

Das Team der Werdohler Ortsheimatpflege mit (von links) Udo Böhme, Barbara Funke und Heiner Burkhardt setzt sich seit sieben Jahren für den Erhalt des Bahnviadukts ein.

Damit habe das Gesetz weniger den Schutz und Erhalt wichtiger Denkmäler im Auge, sondern deren wirtschaftliche Nutzung und Umnutzung werde in der Neufassung in den Fokus gestellt. Die drei schreiben: „Bei enger Auslegung des Gesetzes könnte das bedeuten, dass das Eisenbahnviadukt demnächst nicht nur vernachlässigt und notwendige pflegerische Maßnahmen soweit zurückgestellt werden könnten, dass auch ein Abriss des 160 Jahre alten Viadukts in Betracht käme.“

Ortsheimatpfleger: Es droht ein ideeller Schaden

Unmittelbar nach Bekanntwerden der Bahnpläne hatten die Werdohler Ortsheimatpfleger auf das Problem und den drohenden ideellen Schaden hingewiesen. So schreiben sie: „So wie der Bahnhof ist die Brücke mit der Zeit als ein die Landschaft prägendes historisches Element immer mehr in das Bewusstsein der Öffentlichkeit gerückt. Und wir Ortsheimatpfleger wünschen uns, dass es uns gelingt, die Brücke genauso zu erhalten und vor dem Abriss zu bewahren.“

Vergleichbar gebaute Fabricius-Brücke in Rom steht seit 2000 Jahren

Die beim Bau der Ruhr-Sieg-Eisenbahn durch das Sauerland in den Jahren 1859 bis 1861 errichtete Lennebrücke bildet einen Höhepunkt im Eisenbahnhochbau im heutigen Märkischen Kreis und weit darüber hinaus. Die vier Segmentbögen ruhen auf Schiffspfeilern und sind ganz aus Werkstein errichtet. Die Brüstungen setzen sich durch überkragendes Wulstgestein vom Unterbau ab. Die Zwickel am Bauwerk sind mit Rundbildern, sogenannten Tondi, gefüllt. Dadurch erhält die Brücke eine frühe renaissancehafte Architekturform als Übergang zum reinen Ingenieurbau der Folgezeit.

Nicht ohne Grund wurde die Brücke am 5. Mai 1988 unter Denkmalschutz gestellt. Als Eingangstor nach Werdohl prägt das imposante Bauwerk weithin sichtbar das Lennetal an einer seiner schönsten Stellen.

Dank ausgereifter Steinbautechnik und sorgfältiger Arbeit hat das Viadukt 160 Jahre ohne sichtbare Schäden überstanden – Glaubt jemand noch ernsthaft, eine heute gebaute Betonbrücke würde so lange halten? Die nach gleichen technischen Verfahren gebaute Fabricius-Brücke in Rom steht seit 2000 Jahren und sie reiht sich in eine bedeutende Tradition von steinernen Flussbrücken ein.

Ähnliche Beispiele solcher Segmentbogenbrücken speziell bei Bergbahnen gibt es selten, es existiert unseres Wissens lediglich bei Siesel/Plettenberg ein weiteres Exemplar. Im Zeitalter der Industrialisierung waren technische Konstruktionen nie reiner Selbstzweck, sondern sollten immer auch ästhetisch sein und das Auge des Betrachters erfreuen.

Zu Recht zieht das unter Schutz stehende Eisenbahnviadukt nicht nur aus Werdohl, sondern auch überregional Bahn- und Architekturinteressierte an.

Zur Unterstützung des Anliegens hatte der heutige Bürgermeister Andreas Späinghaus ziemlich genau vor einem Jahr eine Online-Petition zum Erhalt der Brücke gestartet. Dabei ging es darum, „Druck auf die Bahn als Eigentümerin der Brücke aufzubauen und mehr Menschen zu animieren, sich zu äußern.“ Dringend notwendige pflegerische Maßnahmen, wie Rückschnitt beziehungsweise Entfernung des Bewuchses und Reparatur von Fugen sollten einem möglichen Verfall entgegenwirken. Späinghaus sagte damals: „Das ist ein Bauwerk, mit dem sich die Menschen in Werdohl identifizieren. Und auch wenn es nicht direkt in der Stadt steht: Es gehört zu Werdohl!“

Das Schreiben endet mit einem Appell

Es sei im Interesse aller Werdohler und Lennetaler, aber auch aller Eisenbahn- und Technikbegeisterten, dass es der Deutschen Bahn auf der Grundlage der Neuformulierung des Gesetzes nicht erleichtert wird, ihr Abrissziel unter Hintanstellung denkmalpflegerischer Belange durchzusetzen. Das Schreiben von Funke, Burkhardt und Böhme endet in einem Appell: „Das können natürlich die Werdohler nicht alleine leisten, aber als eine Stimme von vielen im Chor der Betroffenen könnte und sollte auch aus Werdohl ein Zeichen der Mitwirkung gesetzt werden.“

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