Demografiewandel: Werdohl will doch wieder investieren

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Die Stadt Werdohl erwartet eine deutlichen Zunahme des Anteils von Senioren an der Gesamtbevölkerung.

Werdohl - Im Zuge der Haushaltssanierung hat die Stadt Werdohl vor fünf Jahren die Personalausgaben für die Koordinierung des demografischen Wandels gestrichen. Mittlerweile sei deutlich abzusehen, dass diese Aufgabe in Werdohl nicht ohne Personalaufwand bewältigt werden könne, urteilt die Stadtverwaltung in einem Papier für die Sitzung des Sozialausschusses, der am Dienstag, 25. April, tagt.

Der zuständige Fachbereichsleiter Bodo Schmidt verweist auf eine aktuelle Erhebung zur Bevölkerungsentwicklung, die der Landesbetrieb IT NRW vorgelegt hat. Daraus gehe hervor, dass Werdohl in den nächsten 23 Jahren mit einem deutlichen Bevölkerungsrückgang und einem beachtenswerten Anstieg von Einwohnern über 65 Jahren zu rechnen habe. Die Bevölkerungszahl von derzeit rund 18 000 Einwohnern werde bis 2040 auf etwas mehr als 15 000 Einwohner zurückgehen.

Gleichzeitig werden die Zahl der Werdohler in der Altersklasse 65 bis 80 Jahre von derzeit rund 2750 Personen auf etwa 3150 Personen steigen. In der Altersklasse von 80 Jahren und mehr prognostiziert der Landesbetrieb einen Anstieg von derzeit rund 1000 auf dann fast 1350 Personen, also um rund ein Drittel. Gleichzeitig nehme der Anteil der jüngeren Einwohner ab.

„Selbst wenn die prognostizierte Altersentwicklung durch höhere Geburtenzahlen und durch die Auswirkungen der Aufnahme von Flüchtlingen noch Veränderungen erfahren wird, werden sich bei der Abnahme der Einwohnerzahl und der Alterung keine grundsätzlichen Veränderungen ergeben“, ist Schmidt überzeugt, dass die Prognosen der Statistiker ernst zu nehmen sind. Auch glaubt er, dass es besonderer Anstrengungen bedürfe, um diesen demografischen Prozess gestaltend zu begleiten.

Angebote entwickeln

„Für die sich aus der Alterung der Bürgerschaft ergebenden Bedürfnisse des täglichen Lebens, wie zum Beispiel altersgerechtes Wohnen, ärztliche Versorgung, Öffentlicher Personennahverkehr, Einkaufsmöglichkeiten, Freizeit- und Bildungsaktivitäten und vieles andere mehr müssen entsprechende Angebote entwickelt werden“, fordert Schmidt in der Sitzungsvorlage für den Sozialausschuss. Dabei dürften die Bedürfnisse von jungen Menschen und Familien nicht vernachlässigt werden.

Aufgaben verschieben

Mit anderen Worten: Der Fachbereichsleiter mahnt an, dass die Stadt Werdohl sich nun doch wieder der Koordinierung des demografischen Wandels annehmen müsse, nachdem sie die jährlich rund 28.000 Euro für eben diese Aufgabe vor fünf Jahren gestrichen hat. „Die Verwaltung wird deshalb mittelfristig versuchen, durch Aufgabenverschiebungen und Verlagerung von Aufgabenschwerpunkten in der Abteilung Soziales die notwendigen Ressourcen für die Koordinierung und Netzwerkarbeit im Aufgabenfeld Demografischer Wandel ohne zusätzlichen Personalaufwand aufzufangen“, schlägt Schmidt vor.

Um den Ausschussmitgliedern einen ersten Einstieg in das umfangreiche Aufgabenfeld zu verdeutlichen, werden in der Sitzung am nächsten Dienstag der Geschäftsführer der Wohnungsgesellschaft Werdohl (Woge), Ingo Wöste, über die Situation des altersgerechten Wohnens in Werdohl berichten, teilte Schmidt mit. Die Sitzung des Sozialausschusses unter dem Vorsitz von Andreas Späinghaus (SPD) findet dann ab 17 Uhr im Schulungsraum der Feuerwehr in Kleinhammer (Schulstraße 16) statt.

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