Vision: Eine Brauerei im alten Werdohler Postgebäude

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Michael Tauscher ist seit dem 1. September Demografiebeauftrager der Stadt Werdohl.

Werdohl - Die nackten Zahlen, die Michael Tauscher, seit dem 1. September Demografiebeauftragte der Stadt Werdohl, am Montagabend dem Rat vorlegte, konnten schon nachdenklich machen: Durch den Sterbeüberschuss verliert Werdohl derzeit jedes Jahr rund 65 Einwohner, durch Wegzüge erhöht sich diese Zahl noch einmal um 27. Bis zum Jahr 2030 wird die Bevölkerungszahl gegenüber dem Jahr 2012 um 14,9 Prozent gesunken sein.

„Dass Werdohl schrumpft, ist nichts Ungewöhnliches. Viele Städte schrumpfen, aber hier geht es besonders schnell“, fasst Tauscher die Situation an Lenne und Verse zusammen. Für Werdohl gehe es deshalb darum, dieser Entwicklung möglichst schnell entgegenzuwirken. Dabei dürfe es aber keinesfalls nur darum gehen, eine seniorengerechte Stadt anzustreben, sondern alle Altersgruppen im Blick zu haben.

Mehrgenerationenwohnformen seien ebenso erstrebenswert wie eine Workout-Station für Sportliche unter freiem Himmel, ein Demenz-Arbeitskreis könne das Leben in Werdohl genau so angenehmer machen wie eine Ehrenamtsbörse, Bordsteinabsenkungen seien ebenso wichtig wie der Ausbau der Elektromobilität.

Was Werdohl attraktiver macht

Tauscher nannte viele weitere solcher Beispiele, die das Leben in Werdohl attraktiver machen könnten: Wohnen in Hausbooten auf der Lenne, den Ausbau des Remmelshagens zum Erlebnisberg, die Belebung der Innenstadt durch die Verbannung von Autos aus diesem Bereich, die Nutzung des nicht mehr benötigten „Bangel-Baus“ an der Realschule für ein Citywohnen und, und, und.

Tauscher überschüttete den Rat beinahe mit überaus visionären Ideen, mit denen sich nach seiner Einschätzung die Anziehungskraft Werdohls erhöhen ließe. Dazu gehörte ein Lennecoaster, eine Bahn, auf der man zu Tal rasen kann. Auf 2,5 Millionen Euro schätzte der Demografiebeauftragte die Kosten für ein solches hochbahnähnliches Schienensystem. Finanziert werden könne es vielleicht durch auswärtige Investoren. „Das lohnt sich aber natürlich nur, wenn auch das Angebot drumherum stimmt“, sagte Tauscher.

Skywalk am Forsthaus

Und dieses Angebot könnte nach seiner Vorstellung beispielsweise einen Skywalk am Forsthaus beinhalten: Touristen könnten von einer solchen Plattform – vielleicht sogar mit Glasboden – die Aussicht auf das Lennetal genießen. Das alte Postgebäude an der Freiheitstraße könnte sich der Demografiebeauftragte für eine Nutzung als Brauhaus mit angrenzendem Biergarten vorstellen: „Vielleicht findet sich junges Start-up-Unternehmen, das dort beispielsweise ein Bier mit dem Namen 1101 braut“, dachte Tauscher laut über ein lokales Bier mit der Jahreszahl der ersten urkundlichen Erwähnung Werdohls im Namen nach.

Auch für den ehemaligen Kindergarten Funkenburg, den die Stadt derzeit noch als Reserveunterkunft für Flüchtlinge bereit hält, könnte sich Tauscher eine andere Nutzung vorstellen: Dort sei ein Ausflugslokal mit Aussichtsterrasse denkbar.

Fördertöpfe anzapfen

Doch wie soll all das finanzierbar sein? Tauscher empfahl, Fördertöpfe von Land, Bund und EU anzuzapfen, es könnten Spenden gesammelt und auswärtige Investoren gesucht werden. Nicht zuletzt kämen aber auch städtische Haushaltsmittel zum Einsatz.

Erörtert wurden die Thesen und Ideen Tauschers am Montagabend im Rat nicht. Das ist dem zunächst dem Sozialausschuss vorbehalten, der sich nach Aussage von Bürgermeisterin Silvia Voßloh demnächst mit dem Thema befassen wird. Die erste Sitzung dieses Fachausschusses im neuen Jahr ist für den 24. April terminiert.

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