Demenzcafé: Motivation riesig, Nachfrage mäßig

Das Engagement der ehrenamtlichen Helferinnen ist groß, das Angebot wird aber noch enttäuschend wenig nachgefragt. - Foto: Heyn

Werdohl -  Das Angebot des Demenz-Cafés „Memory“ in Ütterlingsen wird – enttäuschend für die erstaunlich große Zahl ehrenamtlicher Helferinnen – nur sehr zögerlich angenommen. Bei einem Arbeitstreffen am Donnerstag überlegten die hoch motivierten und gut ausgebildeten Frauen, woran das wohl liegen kann.

Im großen Gemeinschaftsraum des Woge-Hauses an der Danziger Straße 9 trafen sich jetzt die mehr als zehn frisch ausgebildeten Demenz-Helferinnen, um vor allem einen Dienstplan abzusprechen und verschiedene Modalitäten für die Arbeit im Demenzcafé zu bereden. Gudrun Siebert von der Stadtverwaltung und Silke Kreikebaum von der Wohnungsgesellschaft stellten den Frauen den Werdohler Arbeitskreis Demenz vor. Die Arbeit sei zwar ehrenamtlich, das Angebot der Betreuung an Demenz erkrankter Menschen müsse aber dennoch absolut verbindlich sein. Deshalb wurde am Donnerstag überlegt, zukünftig in Zweier-Teams zu arbeiten, damit sich die Frauen im Notfall gegenseitig vertreten können.

Das Demenzcafé ist wöchentlich donnerstags von 14 bis 17 Uhr geöffnet, derzeit kommen regelmäßig nur zwei bis drei Personen. Eigentlich sollte diese Betreuung im großen Gemeinschaftsraum angeboten werden. Wegen der geringen Besucherzahl gehen die Betreuerinnen mit ihren Gästen immer ins benachbarte Nachbarschaftshilfezentrum. Kreikebaum: „Solange wir nur so wenige sind, setzen wir uns immer nach drüben.“

Mit Ende des Jahres 2014 hatten mehr als zehn neue Mitarbeiterinnen ihr Zertifikat als Demenzhelferin erhalten. Die Frauen bekommen für ihre Einsätze auch eine kleine finanzielle Aufwandsentschädigung, die bis zu einer Höhe von 2400 Euro im Jahr auch steuerfrei ist. Die neuen Helferinnen müssen bestimmte Einverständniserklärungen unterschreiben und polizeiliche Führungszeugnisse beibringen. Neben der Gruppenarbeit am Donnerstagnachmittag können die Frauen auch eine zusätzliche private Betreuung anbieten, die mit den Angehörigen einzeln abzurechnen ist. Gudrun Siebert von der Stadtverwaltung sagte am Donnerstag, dass das Angebot im Augenblick noch aus Förderungen und Beiträgen ausgewogen finanziert sei: „Es rechnet sich.“

Siebert brachte ihre Enttäuschung über das Desinteresse an dem Angebot des Arbeitskreises deutlich zum Ausdruck: „Bei einem Samstagsseminar haben wir den ganzen Tag mit sechs Leuten in der Stadtbücherei gesessen, wir waren abgrundtief enttäuscht.“

Viele der Angehörigen würden das Angebot in dem Sinne verstehen, dass dem Erkrankten mit der Betreuung etwas Gutes getan werde. Siebert: „Wir wollen aber in erster Linie den Angehörigen etwas Gutes tun, dass sie mal ein paar Stunden frei haben von der anstrengenden Betreuung eines Kranken.“ Vielleicht sei auch die Zeit des Demenzcafés am Donnerstagnachmittag ungünstig. In Balve sei ein ähnliches Angebot für den Samstag sehr viel besser angenommen worden. Siebert: „Von der Statistik her gibt es in Werdohl rund 300 dementiell Erkrankte.“

Derzeit laufe das Angebot des Demenzcafés auf kleinster Flamme, obwohl das große Team sehr viel mehr leisten könne. Erstmals haben auch zweisprachige Frauen das Zertifikat erhalten, dementiell Erkrankte könnten auch in ihren Muttersprachen arabisch, türkisch, russisch, polnisch und serbokroatisch betreut werden. Deutsch sprechen alle Helferinnen ohnehin perfekt.

Wer sich für das Betreuungsangebot interessiert, erfährt Näheres bei Gudrun Siebert (Tel. 0 23 92/917 267) oder bei Silke Kreikebaum (Tel. 0 23 92/80 70 40 oder 80 59 86.)

Von Volker Heyn

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