Entscheidende Phase beginnt

Debatte um Schulschließung: Das wünscht sich die heimische Wirtschaft

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Die Albert-Einstein-Gesamtschule am Riesei ist die einzige Werdohler Schule, an der Schüler das Abitur machen können. Wie wichtig ist das für Unternehmen?

Werdohl – Die Debatte um die Gestaltung der zukünftigen Werdohler Schullandschaft geht in die entscheidende Phase.

Am Montag wird der Schul- und Sportausschuss darüber beraten, ob Real- oder Gesamtschule weiter bestehen sollen, am 17. Juni wird die Frage dann womöglich schon vorentscheidend im Hauptausschuss beantwortet. Das letzt Wort hat aber am 1. Juli der Stadtrat. 

Vertreter der Parteien und der Schulen haben sich bereits darüber geäußert, welche Schule nach ihrer Auffassung bestehen bleiben soll. Doch wie sehen das die Werdohler Unternehmen, die den Absolventen von Gesamt- und/oder Realschule bisher und auch in Zukunft Arbeitsplätze bieten sollen und wollen? Welche Rolle spielt für sie insbesondere der Umstand, dass eine Werdohler Schule den Weg bis zum Abitur anbietet? Wir haben bei einigen Unternehmen nachgefragt. 

Abitur in Werdohl für Firmen nicht entscheidend

Dass Schüler die Möglichkeit haben, in Werdohl die Abiturprüfung abzulegen, ist für die Unternehmen nicht von entscheidender Bedeutung. Sowohl Heiko Zahn (Kracht GmbH) als auch Sven Haarhaus aus der Personalabteilung von VDM Metals glauben, dass die Verkehrsverbindungen in die Nachbarstädte so gut sind, dass es kein Problem wäre, das Abi beispielsweise in Plettenberg, Altena oder Lüdenscheid zu machen. „Die Mobilität der Auszubildenden hat sich in den letzten Jahren ohnehin erhöht“, sagt Haarhaus. 

Für Kracht-Chef Zahn spielt das Abitur ohnehin keine besonders große Rolle. „Wir bilden mehr gewerblich aus, und deshalb ist der Anteil der Abiturienten unter unseren Auszubildenden gering“, sagt er. Etwa 25 Prozent der Kracht-Azubis hätten das Abi in der Tasche. Auf einen derart hohen Abiturienten-Anteil kommen andere Unternehmen nicht, wie etwa Niclas von Seidlitz berichtet. Der ist Personalchef der Lukad-Gruppe und hat damit einen Überblick über mehrere Unternehmen, darunter die in Werdohl ansässigen Firmen Stauff und Menshen. Etwa zehn bis 15 Prozent der Azubis seien dort Abiturienten. Ludwig Kirchhoff-Stewens, Geschäftsführer bei Rötelmann, beziffert den Anteil der gewerblichen Azubis mit Abi sogar auf etwa 50 Prozent. „Im Verbundstudium sind bei uns natürlich ausschließlich Auszubildende mit Abitur“, ergänzt er. 

Leidet Attraktivität des Standortes?

Den Wegfall der gymnasialen Oberstufe in Werdohl würden die meisten Unternehmen bedauern, insbesondere, weil dadurch die Attraktivität des Wirtschaftsstandortes Werdohls sinke, sagen deren Sprecher. Kirchhoff-Stewens beispielsweise befürchtet, dass Werdohl damit für Fachkräfte an Anziehungskraft verliere. Und der Rötelmann-Chef bringt noch einen anderen Aspekt zur Sprache: Er geht davon aus, dass sich viele Abiturienten in dem Ort, in dem sie zur Schule gehen, auch um einen Ausbildungsplatz bewerben. 

Kirchhoff-Stewens hält aber grundsätzlich beide Schulformen – Realschule und Gesamtschule – für wichtig für Werdohl. Das sieht auch von Seidlitz so: „Wenn ein Schulstandort geschwächt wird, ist das immer fatal. Starke Schulen sind für uns auch ein wichtiger Standortfaktor“, sagt er. Die Lukad-Holding kooperiert seit geraumer Zeit mit der Albert-Einstein-Gesamtschule, stellt in ihren Unternehmen immer wieder auch Abiturienten von dieser Schule ein – auch im gewerblich-technischen Bereich. „Wir brauchen diese jungen Leute mit Abitur, die dann auf ihre Ausbildung später noch aufsatteln wollen“, sagt von Seidlitz. 

Vossloh hält sich zurück

Bei Vossloh hält man sich mit einer Äußerung zur Schuldebatte zurück. „Als internationaler Konzern ist Bildung für uns selbstverständlich wichtig, aber wir vertrauen wir auf den staatlichen Bildungsauftrag, den Bund, Länder und Kommunen wahrnehmen“, erklärte Nina Greitemann aus der Personalabteilung des Werdohler Bahntechnik-Konzerns.

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