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Offener Brief an NRW-Minister: ADFC fordert schnellen Lückenschluss im Lennetal

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Von: Volker Griese

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Die Probe aufs Exempel macht Hans Werner Steiger, Sprecher der ADFC-Ortsgruppe Werdohl, bei einer Fahrradfahrt auf der B236 zwischen Plettenberg und Werdohl: Die Fahrspur ist nicht breit genug, Autofahrer können ihn nicht überholen, ohne gegen Verkehrsregeln zu verstoßen.
Die Probe aufs Exempel macht Hans Werner Steiger, Sprecher der ADFC-Ortsgruppe Werdohl, bei einer Fahrradfahrt auf der B236 zwischen Plettenberg und Werdohl: Die Fahrspur ist nicht breit genug, Autofahrer können ihn nicht überholen, ohne gegen Verkehrsregeln zu verstoßen. © Hattendorf/ADFC Werdohl

Mit einem offenen Brief haben sich die ADFC-Ortsverbände Werdohl und Plettenberg an NRW-Verkehrsminister Oliver Krischer (B90/Die Grünen) gewandt. Darin fordern sie einen schnellen Bau der Radwegverbindung zwischen den beiden Städten. Zudem weisen sie auf Gefahren hin, denen Radfahrer derzeit im Lennetal ausgesetzt seien.

Werdohl/Plettenberg – Die beiden Ortsgruppen des Allgemeine Deutsche Fahrrad-Clubs (ADFC) fordern, dass bis zur Fertigstellung des Radweges Lenneroute auf dem Abschnitt der B236 zwischen Bauckloh und Teindeln ein Tempolimit von 30 km/h eingeführt wird. Sie begründen das damit, dass die Fahrbahnhälften dort durch eine durchgezogene Linie getrennt sind, die auch beim Überholen nicht überfahren werden darf. Die Fahrspuren seien nur drei Meter breit, erläutern sie. Damit sei es sogar für Motorradfahrer nicht mehr möglich, Radler ohne einen Verkehrsverstoß zu überholen, lautet ihr Argument, das sie mit einer Vorschrift untermauern, die seit der Novellierung der Straßenverkehrsordnung im Jahre 2020 gelte. Demnach müsse außerorts beim Überholen eines Radfahrers ein Abstand von mindestens zwei Metern eingehalten werden.

„De facto besteht also ein Verbot, Radler zu überholen. Dieses Verbot wird aber kaum beachtet“, erklärt Friedrich Hattendorf, Sprecher der ADFC-Ortsgruppe Werdohl, und betont, dass „fast immer“ Radfahrer im Bereich der durchgezogenen Linie überholt würden. Somit bestehe in dem kurvigen Abschnitt Lebensgefahr für Radfahrer. Sebastian Rittner von der ADFC-Ortsgruppe Plettenberg ergänzt: „Wir wissen aus vielen Gesprächen mit Werdohler und Plettenberger Radlern, dass sie im Verkehr zwischen den beiden Orten das Fahrrad nicht benutzen, da sie schlicht und ergreifend Angst haben.“

Wo liegen die Probleme?

Trotzdem werde mit besserem Wetter die Zahl der Radler auf dem B 236-Abschnitt wieder zunehmen und damit auch die Zahl der gefährlichen Begegnungen zwischen Rad- und Autofahrern, sind die Sprecher der ADFC-Ortsgruppen sicher. Die Situation könne nur durch ein Tempolimit entschärft werden, ergänzt um große Schilder mit dem Hinweis, dass Radler nicht überholt werden dürfen.

Die ADFC-Vertreter gehen in dem Schreiben an das Verkehrsministerium auch auf die Probleme ein, die der Landesbetrieb Straßen.NRW im Zusammenhang mit dem ins Stocken geratenen Bau des Radweges entlang der Lenne anführt. Wie berichtet, sind Grundstücksverhandlungen die Ursache für die Verzögerung. Hattendorf: „Wir sind verwundert über diese Aussage, da Straßen.NRW mit dem Bau im Herbst 2022 beginnen wollte. Dies ist ohne einen Besitz der Grundstücke nicht möglich. Wir hätten gern gewusst, welche Probleme sich seitdem ergeben haben. Allen Beteiligten ist klar, wie notwendig hier ein Radweg ist. Verzögerungen im Bau dieses schon seit Jahrzehnten geplanten Radweges sind eine unendliche Geschichte.“ Die jetzt genannten „essentiellen Probleme“ ließen die vor einem Jahr erfolgte Baufeldräumung „als Alibi-Veranstaltung zur Besänftigung der Gemüter erscheinen“, findet der Werdohler ADFC-Sprecher.

Hilfe gegen Leerstände?

„Auf der Lenneroute genießen Radfahrer die Schönheiten des Sauerlandes und kommen mit jedem Tritt in die Pedale dem Ruhrgebiet ein Stückchen näher“, zitieren die ADFC-Ortsgruppencher in ihrem Brief an Minister Krischer von der Internetseite von Tourismus NRW, dem Tourismus-Kompetenzzentrum des Landes. „Durch lange Untätigkeit und Verschleppung gilt diese Aussage leider nicht für den Werdohler Teil der Lenneroute“, kritisieren sie und finden, dass damit „viele touristische Möglichkeiten verbaut“ würden. „Mehr Tourismus könnte zum Beispiel auch dem viel beklagten Leerstand entgegen wirken“, geben sie zu bedenken.

Die ADFC-Ortsgruppen thematisieren auch verschiedene Anfragen der Landtagsabgeordneten Inge Blask zum Thema Lenneroute. Im Februar 2020 habe der damalige Verkehrsminister Hendrik Wüst (CDU) einen Abschluss der Planung binnen eines Jahres und den ansachließenden Baubeginn in Aussicht gestellt. rund zweieinhalb Jahre später habe die Landesregierung vertröstet, ein genaues Datum der Verkehrsfreigabe könne „zum jetzigen Zeitpunkt aufgrund von offenen Fragen ... noch nicht abschließend benannt werden“.

Ein Henne-Ei-Problem?

Schließlich mahnen die beiden Verbände noch an, die Planung von Radwegen an die sich wandelnde Mobilität anzupassen. Internationale Erfahrungen zeigten, heißt es in dem Schreiben an den Minister, „dass hier ein Henne-Ei-Problem vorliegt: Gute Radverkehrsmöglichkeiten sorgen dafür, dass es mehr Fahrradnutzung gibt; aber auch das Umgekehrte gilt.“ Die beiden ADFC-Verbände werfen dabei die Frage auf, wie wichtig den Verantwortlichen im Land der beschleunigte Ausbau von Radwegen gemäß des Fahrrad- und Nahmobilitätsgesetzes des Landes Nordrhein-Westfalens im Rahmen der angestrebten Verkehrswende überhaupt ist. Sie fordern: „Für eine Verwirklichung der selbst gestellten Ziele der Landesregierung, der Kreise und Städte benötigen wir dringend Radverkehrsbeauftragte in jeder Stadt und Gemeinde sowie Projekt-Ansprechpartner bei Straßen.NRW.“

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