Datenschutz: Vereinen drohen Bußgelder und Image-Schäden

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Die Vertreter der Werdohler Sportvereine erfuhren am Montag, dass durch die neue Datenschutzgrundverordnung viel Arbeit auf die Ehrenamtler zukommt.

Werdohl - „Mit Mehrarbeit haben wir ja gerechnet, aber dass es es so viel wird, ist erschreckend“, stellte der Vertreter eines Werdohler Sportvereins am Montagabend fest.

Und auch den anderen mehr als 30 Vereinvertretern war anzusehen, dass sie von den Ausführungen zum Thema Datenschutzgrundverordnung alles andere als begeistert waren. 

Auf Einladung der FSV Werdohl referierte Dieter Ostertag, Justiziar des Fußball- und Leichtathletik-Verbandes Westfalen im Auftrag des Landessportbundes im Vereinsheim am Riesei. Er machte seinen Zuhörern unmissverständlich klar, dass spätestens seit dem 25. Mai dieses Jahres kein Weg mehr am Thema Datenschutz vorbei führe: „Man muss was tun.“ Der Bußgeldrahmen für den Fall eines Verstoßes sei drastisch angehoben worden. „Dazu kommt der Image-Schaden für den Verein, der dann möglicherweise noch schwerer wiegt“, erklärte er. 

Der alte Karteikasten ist keine Lösung 

Grundsätzlich stünden Vereine allerdings nicht im Fokus der Verordnung, die durch die Europäische Union erlassen wurde. „Deshalb werden sicher keine existenzbedrohenden Bußgelder verhängt. In welcher Höhe sich ein Bußgeld einpendeln wird, weiß zurzeit aber kein Mensch“, stellte Ostertag fest. Er zeigte auf, dass die Rückkehr vom Computer zum „alten Karteikasten mit Mitgliedskarten“ keine Lösung sei: „Auch dafür gilt vollumfänglich das Datenschutzrecht.“ 

Der Justiziar gab den Anwesenden einen „Erste-Hilfe-Koffer“ rückwirkend für den 25. Mai an die Hand. Auf dieser Checkliste sind acht Punkte aufgeführt, die laut Ostertag auf jeden Fall möglichst schnell umgesetzt werden sollten. „Zunächst würde ich jedem Verein eine Bestandsaufnahme empfehlen“, sagte er. Dabei gelte es unter anderem zu klären, wo Daten gespeichert würden, wer Zugriff darauf habe und wann sie gelöscht würden. Die Verpflichtung der Mitarbeiter auf die Vertraulichkeit sei ebenfalls wichtig: „Übungsleiter sollten am besten schriftlich auf ihre Datenschutz-Verpflichtung hingewiesen werden.“ Dadurch erreiche der Vorstand zum einen einen größeren Erziehungszweck und behalte sich im Fall eines Verstoßes Regressansprüche vor. 

In jedem Fall müssten die Vertreter jedes Vereins – unabhängig von der Mitgliederzahl und dem Umfang der Datenverarbeitung – ein Merkblatt über die Informationspflichten erstellen. Dieses Schriftstück muss künftig jedem Neumitglied ausgehändigt werden. 

Rechtsunsicherheit und überlastete Behörde 

Dieter Ostertag machte deutlich, dass in einigen Bereichen noch Rechtsunsicherheit bestehe, obwohl die Verordnung bereits in Kraft getreten ist. Ein Beispiel: Wenn mindestens zehn Personen ständig mit der automatisierten Verarbeitung personenbezogener Daten beschäftigt sind, muss ein Datenschutzbeauftragter im Verein benannt werden. „Bisher ist aber nicht klar, ob Übungsleiter zu diesem Personenkreis gehören oder nicht. Dazu hat die Aufsichtsbehörde NRW noch nichts gesagt. Genau das wird aber bei vielen Vereinen von entscheidender Bedeutung sein“, sagte Ostertag, und erklärte: „Diese Behörde ist völlig überlastet.“

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