Fahrradklima-Test 2020

Das stört Radfahrer in Werdohl ‒ und das finden sie gut

Wie eng es wird, wenn sich auf dem Fuß- und Radweg im Bereic h von „Posten 40“ an der Plettenberger Straße zwei Radfahrer begegnen, demonstriert der Werdohler ADFC-Sprecher Friedrich Hattendorf hier mit seiner Ehefrau Heike.
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Wie eng es wird, wenn sich auf dem Fuß- und Radweg im Bereic h von „Posten 40“ an der Plettenberger Straße zwei Radfahrer begegnen, demonstriert der Werdohler ADFC-Sprecher Friedrich Hattendorf hier mit seiner Ehefrau Heike.

Das ist keine Überraschung: Die fahrradfreundlichsten kleinen Städte in Deutschland liegen im Münsterland. Und auch das überrascht nicht: Werdohl liegt im bundesweiten Ranking der Städte unter 20.000 Einwohnern auf dem 404. von 418. Plätzen. Dennoch sehen Radfahrer, die am Fahrradklima-Test 2020 teilgenommen haben, an Lenne und Verse auch positive Ansätze.

Werdohl ‒ Der alle zwei Jahre von Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) zusammen mit dem Bundesverkehrsministerium erhobene Fahrradklima-Test ist zwar nicht repräsentativ, gilt aber als Stimmungsbarometer. Allein in NRW beteiligten sich im Herbst 2020 mehr als 60.000 Menschen an der Online-Umfrage. Bei den Fragen ging es unter anderem um das Sicherheitsgefühl der Radler, Konflikte mit Fußgängern oder Autofahrern oder um die Qualität von Radwegen.

In die Auswertung kamen Städte, in denen mindestens 50 Teilnehmende die Fragen beantwortet hatten, weshalb zum Beispiel Neuenrade nicht auftaucht. In Werdohl wurden 79 Teilnehmende gezählt.

Das stört Radfahrer in Werdohl

Unzufrieden sind Werdohls Radfahrer vor allem mit der Erreichbarkeit des Stadtzentrums, dem zügigen Radfahren und dem Fehlen von Zweirichtungsradverkehr in Einbahnstraßen. Kleinere Lichtblicke gab es bei den Themen Fahrraddiebstahl und Falschparkerkontrolle. Ebenfalls zufrieden zeigten sich die Radler mit der Berichterstattung über Fahrradthemen in den Medien.

Der Gründungsbeauftragte des ADFC-OrtsverbandsWerdohl, Friedrich Hattendorf, sagt: „Die Corona-Pandemie hat auch in Werdohl viele Menschen neu auf das Rad gelockt – und wir wollen, dass sich auch die Neuaufsteiger auf dem Rad wohl und sicher fühlen.“ Leider sei das in Werdohl nicht der Fall, bedauert der pensionierte Lehrer: Mehr als 85 Prozent der Umfrageteilnehmer fühlten sich beim Radfahren auf Werdohler Straßen und Radwegen nicht sicher. Hattendorf: „Dabei ließe sich schon mit kleineren Maßnahmen die Situation deutlich verbessern, beispielsweise durch fahrradfreundliche Lösungen an Baustellen.“ Dabei denkt der 67-Jährige insbesondere an die Kreisel-Baustelle vor dem VDM-Werk.

Geld für Verbesserungen ist da

Doch allein das reiche nicht, betont Hattendorf. „Die Menschen in Werdohl wollen Straßen, die einladend zum Radfahren sind. Dafür brauchen wir ein durchgängiges Netz an guten Radverkehrsverbindungen, auch zu den Nachbarorten.“ Der Bund habe mit dem Sonderprogramm Stadt und Land dafür ausreichend Mittel zur Verfügung gestellt, sagt er.

In dem Programm stellt der Bund in einem Vierjahreszeitraum (2020 bis 2023) 657 Millionen Euro für die kommunale Radverkehrsinfrastruktur zur Verfügung, die vor Ort für den flächenhaften Ausbau sicherer komfortabler Radwegenetze eingesetzt werden können. Dadurch soll die Verkehrssicherheit und das subjektive Sicherheitsempfinden Radfahrender im Alltagsverkehr deutlich verbessert und die Einrichtung sicherer und komfortabler Qualitätsradwegenetze vorangetrieben werden. Kommunen, also auch Werdohl, können die Fördermittel abrufen.

Nach Auffassung des ADFC könnten durch Umwidmung von Straßen und Kraftfahrzeug-Fahrspuren oft mit einfachen Mitteln und geringem Aufwand schnelle Ergebnisse im Sinne der Radfahrer erzielt werden.

Für einen für Radfahrer besonders gefährlichen Bereich in Werdohl hält Hattendorf den sogenannten „Posten 40“, die Überführung der Bahnlinie an der Plettenberger Straße im Bereich des städtischen Baubetriebshofes. Der kombinierte Fuß- und Radweg sei dort nur 1,40 Meter breit, hat er gemessen. Die Verwaltungsvorschrift zur Straßenverkehrsordnung fordere für einen solchen Weg außerorts aber eine Mindestbreite von 2 Metern, innerorts sogar von 2,50 Metern.

„Das ist also in jeder Hinsicht gesetzeswidrig“, sagt Hattendorf über die Verhältnisse am „Posten 40“. Die Folge: Ein Begegnungsverkehr von Radfahrern ist auf diesem Abschnitt brandgefährlich, zumal in unmittelbarer Nähe der Fahrzeugverkehr vorbeirauscht.

Große MK-Stadt auf dem letzten Platz

Im Märkischen Kreis gibt es übrigens auch Städte, die Fahrradklima-Test noch schlechter abgeschnitten haben als Werdohl. Allen voran ist da Lüdenscheid zu nennen: Die Kreisstadt bekam in der Gruppe der Städte bis 100.000 Einwohnern mit 5,01 nicht nur ein klares „mangelhaft“, sondern auch die schlechteste Note im gesamten Ranking überhaupt. Als Gesamtnote über alle Städte hinweg erhielt NRW diesmal von den Fahrradfahrern nur die Note „ausreichend“. Deutlich besser kam Plettenberg weg, das mit einer Gesamtnote von 3,71 im Ranking der Orte mit 20.000 bis 50.000 Einwohnern den 117. von 415 Plätzen belegte. Balve landete mit der Note 3,96 in derselben Ortsgruppenklasse wie Werdohl auf Platz 252.

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