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Mit dem Intercity aus dem Lennetal bis an die Nordsee

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Von: Volker Griese

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Ein Intercity der zweiten Generation, 134,50 Meter lang und zwei Stockwerke hoch, wird demnächst auch in Altena, Werdohl und Plettenberg halten.
Ein Intercity der zweiten Generation, 134,50 Meter lang und zwei Stockwerke hoch, wird demnächst auch in Altena, Werdohl und Plettenberg halten. © Georg Wagner

Das Lennetal wird besser an das Fernverkehrsnetz der Deutschen Bahn angeschlossen: Mit dem Fahrplanwechsel am 12. Dezember wird auch die neue Intercity-Linie 34 eingeführt, die das Sauerland mit Frankfurt und dem Ruhrgebiet verbindet und sogar Reisen bis an die Nordsee möglich macht.

Lennetal ‒ Eine ganz neue zusätzliche Fernverkehrslinie bringt die Deutsche Bahn (DB) von Frankfurt/Main über Siegen nach Dortmund beziehungsweise Münster auf die Schiene. Davon profitieren auch die Städte im Lennetal, denn der Intercity der Linie 34 wird auch in den Bahnhöfen Altena, Werdohl und Plettenberg halten. Doch was bringt der Lennetal-Intercity wirklich für Bahnkunden? Profitiert auch die Wirtschaft, vielleicht sogar der Tourismus? Wir beleuchten die wichtigsten Aspekte.

Über welche Strecken fährt der Lennetal-Intercity?
Die Städte im Lennetal erhalten mit der neuen Intercity-Linie 34 alle zwei Stunden schnelle, umsteigefreie Fernverkehrsanbindung nach Frankfurt sowie nach Hamm und Dortmund beziehungsweise Münster. Zwei Mal pro Tag und Richtung fahren die IC-Züge mit weniger Zwischenhalten besonders schnell über Schwerte und Unna statt über Witten und Dortmund. Und einmal täglich fährt die neue Linie sogar ab Letmathe direkt bis Norddeich-Mole mit Anschluss auf die Ostfriesischen Inseln.

Welche Züge kommen zum Einsatz?
Die DB wird Intercity 2-Züge einsetzen. Das sind neue, doppelstöckige Züge mit 468 bequemen Sitzen, viel Beinfreiheit, einer hohen Laufruhe, neun Fahrradstellplätzen sowie Gastro-Service und W-Lan am Platz.

Welche Vorteile bietet die neue IC-Linie den Fahrgästen?
Die Zeitersparnis gegenüber der schnellsten bisherigen Verbindung ist zunächst gar nicht so groß, wie das Beispiel der Verbindung zwischen Werdohl und Frankfurt zeigt: Mit Regionalverkehrszügen von Abellio und Hessischer Landesbahn braucht man für die Strecke bei einem Umstieg in Siegen zwei Stunden und 49 Minuten. Mit dem Intercity ist man demnächst ohne Umsteigen nach zwei Stunden und 38 Minuten am Ziel. Ähnlich ist mit 17 Minuten die Zeitersparnis für die Strecke Werdohl – Dortmund. Was aber vielleicht wichtiger ist: Durch die Direktverbindungen entfällt das Risiko, dass man bei einem Umstieg einen Anschlusszug nicht erreicht. Wer von einem der Flughäfen in Frankfurt oder Dortmund in den Urlaub starten will, wird das zu schätzen wissen. An den Fähranlegern in Norddeich-Mole ist man von Werdohl aus mit dem Intercity in viereinhalb Stunden – schneller ist man mit dem Auto auch nicht.

Ist die Fahrt im Intercity teurer als in der Regionalbahn?
Ob Fern- oder Regionalverkehrszüge günstiger sind, lässt sich pauschal nicht beantworten, weil das bei der DB auch immer davon abhängt, wann man die Tickets kauft. Wer seine IC-Fahrkarte lange im Voraus kauft, kann deshalb sogar billiger fahren als mit einem am Reisetag gekauften Ticket zum Normaltarif.

Eine Besonderheit gibt es allerdings auf der neuen Strecke: Auf dem Abschnitt Letmathe – Dillenburg/Hessen werden in den IC-Zügen auch Nahverkehrstickets des Westfalen-Tarifs anerkannt. Das dürfte ein Zugeständnis der DB an das Verkehrsunternehmen Abellio sein, das zumindest noch bis Ende Januar auf der Ruhr-Sieg-Strecke die Linie RE 16 anbietet, die nun alle zwei Stunden durch den IC ersetzt wird. Allerdings hat das auch Verschlechterungen zur Folge, beispielsweise für Hohenlimburg. Im Hagener Vorortbahnhof hält der neue IC im Gegensatz zum RE 16 nämlich nicht. Allerdings gibt es gute und schnelle Verbindungen vom Hagener Hauptbahnhof. Außerdem wird auch Iserlohn (nach der Zugteilung in Letmathe) nur vom RE 16 und nicht vom IC angefahren.

Werden die Schäden an der Strecke rechtzeitig behoben sein?
Durch das Unwetter im Juli ist die Bahninfrastruktur rund um Hagen erheblich beschädigt worden, weshalb im Lennetal derzeit viele Züge nicht fahren können. Ein Bahn-Sprecher hat aber vor wenigen Tagen noch einmal betont, dass die Strecken rund um Hagen bis zum Fahrplanwechsel am 12. Dezember wieder befahrbar seien.

Was sagt die Politik?
„Ganz klar: Die Direktverbindungen sind ein Gewinn für unsere Region. Sie ermöglichen den Menschen in unserem Kreis schnelle und attraktive Anbindungen an Großstädte und Ballungsräume“, sagt Landrat Marco Voge. Ein gutes Mobilitätsangebot sei ein wichtiger Standortfaktor und ein bedeutender Baustein moderner Lebensentwürfe. Für Familien sei es „großartig, zukünftig entspannt und unkompliziert an die Nordsee zu kommen.“ Gleichzeitig biete der neue Intercity jungen Menschen die Chance, zum Einkaufen oder Feiern in größere Städte zu kommen. In der Frage, ob zukünftig mehr Menschen vom Auto auf den Zug umsteigen, ist Voge unsicher: „Entscheidend ist, wie attraktiv ein Angebot ist. Die IC-Anbindung an unsere vier Städte im Märkischen Kreis stellt auf jeden Fall eine deutliche Verbesserung des Mobilitätsangebots dar.“

Welche Erwartungen hat die Wirtschaft?
Die neue IC-Verbindung könne sich für die mittelständisch geprägte Wirtschaft im Märkischen Südwestfalen durchaus positiv auswirken, glaubt Jens Tornow, Verkehrsexperte der Südwestfälischen Industrie- und Handelskammer (SIHK). „Unter Umständen unterstützt die neue schnelle IC-Verbindung auch die Suche nach Führungs- und Fachpersonal“, sagt er. Ob Geschäftsreisende in Zukunft öfter in den Zug als ins Auto steigen, ist nach seiner Einschätzung aber noch offen. Zwar biete die Bahn gegenüber den „teilweise chaotischen Verhältnissen auf der Straße, zum Beispiel der A45“ durchaus Vorteile wie die Möglichkeit des Arbeitens während der Fahrt. „Auf der anderen Seite ist die Bahn immer noch häufig unpünktlich“, gibt Tornow zu bedenken.

Horst-Werner Maier-Hunke, Vorsitzender des Märkischen Arbeitgeberverbandes (MAV), glaubt, dass der neue Intercity für „den starken Mittelstand in unserem Verbandsgebiet mit viele nationalen wie internationalen Geschäftskontakten“ Vorteile bringt. „Es liegt auf der Hand, dass eine neue IC-Verbindung im Lennetal eine deutliche Verbesserung für die Unternehmen dort darstellt“, sagte er. Weil dieser Zug aber Lkw-Transporte nicht ersetzen könne, bleibe es wichtig, dass auch der Transportweg Straße weiter optimiert werde. Ob Geschäftsreisende zukünftig verstärkt den Intercity nutzen, hängt auch für Maier-Hunke von der Attraktivität der Verbindungen ab: „Die Unternehmen werden den Zeitaufwand, die Pünktlichkeit der Züge und die Anschlussverbindungen für sich bewerten und die für sie beste Lösung nutzen“, ist er überzeugt.

Welche Chancen bieten sich dem Tourismus?
„So ein Intercity ist natürlich von Vorteil, denn er bringt die Menschen in Bewegung“, ist Hana Janeckova, Geschäftsführerin des Freizeit- und Tourismusverbandes Märkisches Sauerland (FTV), grundsätzlich erfreut über die neue Fernverkehrsanbindung. Doch der Intercity allein werde den Tourismus in der Region nicht beflügeln, dämpft sie möglicherweise aufkommende Erwartungen. „Wir müssen uns auch überlegen, wie man die Menschen aus den Zügen über die Bahnsteige in die Städte bekommt“, sieht sie für die örtlichen Tourismusbetriebe und die Kommunen noch einige Hausaufgaben. Denn Chancen, dass zumindest Tagestouristen die Bahnhöfe in Letmathe, Altena, Werdohl und Plettenberg für eine Entdeckungsreise ins Lennetal nutzen, sieht sie durchaus. Die touristischen Leistungsträger vor Ort seien aber gefragt, ihre potenziellen Gäste zu inspirieren, Reiseanlässe für sie zu kreieren. „Die Intercity-Anbindung ist also als Chance, aber auch als Auftrag zu sehen“, meint die Touristik-Expertin.

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