Darum wird an der Realschule Werdohl auf Türkisch unterrichtet

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Türkischlehrerin Cahide Ates erläutert einem ihrer Schüler, wo sich auf einer Landkarte die verschiedenen Regionen der Türkei befinden.

Werdohl - Es geht um die Meere (denizler) vor der türkischen Küste, um Regionen (bölgeler), Nachbarländer (komsu ülkeler) und um die großen Städte (sehirler) der Türkei. In der Werdohler Realschule wird seit Beginn dieses Schuljahres auf Türkisch unterrichtet – allerdings nur in vier Unterrichtsstunden pro Woche.

Sprache ist ein Schatz. Mehrere Sprachen zu sprechen ist von unschätzbarem Wert und eine besondere Fähigkeit. Diese Fähigkeit zu besitzen, ist eine Ressource, die dem Menschen selbst, aber auch der gesamten Gesellschaft zugutekommen kann und sollte. Und gerade deshalb ist es wichtig, diese Fähigkeit schon früh, nämlich bei Kindern und bei Jugendlichen, zu fördern. An der Realschule wird das jetzt durch Herkunftssprachlichen Unterricht praktiziert.

Cahide Ates (53) unterrichtet am Köstersberg an zwei Tagen in der Woche jeweils zehn Schüler türkischer Abstammung in ihrer Muttersprache. Für die Kinder sind das jeweils zwei zusätzliche Unterrichtsstunden am Nachmittag, wenn die anderen Realschüler schon ihre Freizeit genießen.

Eine Belastung scheint das für sie trotzdem nicht zu sein. „Die Kinder kommen mit Freude und machen eifrig mit“, hat Ates festgestellt.

Im Klassenraum geht's locker zu

Im Klassenzimmer geht es relativ locker zu, wenn die Lehrerin – wie an diesem Nachmittag – mit ihren Schülern in türkischer Sprache über die Städte und Regionen des auf zwei Kontinente aufgeteilten Landes spricht. Die Kinder unterhalten sich – interessanterweise meistens auf Deutsch – untereinander, sind aber insgesamt diszipliniert.

Zum Schluss stimmen sie ein Geburtstagsständchen für Mitschüler Semih an, der an diesem Tag elf Jahre alt wird, dann gibt es für alle eine kleine Süßigkeit. Hausaufgaben gibt es in aller Regel nicht.

Kinder sprechen gutes Türkisch

Cahide Ates ist positiv überrascht von den Türkischkenntnissen ihrer Schützlinge. „Die Kinder hier sprechen ein gutes Türkisch, sie haben einen reichen Wortschatz“, sagt sie. Diese Sprachkenntnisse nicht verkümmern zu lassen, sondern sie vielmehr auszubauen, sei das Ziel des Herkunftssprachlichen Unterrichts, erläutert die 53-jährige Dortmunderin, die seit 2001 als Türkischlehrerin arbeitet und auch an der Adolf-Reichwein-Gesamtschule in Lüdenscheid unterrichtet.

Grimms Märchen auf Türkisch

Sie möchte erreichen, dass ihre Schüler Türkisch nicht nur als Alltagssprache, sondern auch als Bildungssprache beherrschen. So gestaltet die studierte Germanistin auch die Unterrichtsinhalte. Es geht um den Vergleich der türkischen und der deutschen Grammatik, aber auch um naturwissenschaftliche Themen. Sogar die Märchen der Gebrüder Grimm finden Platz in ihrem Türkischunterricht.

Was bringt das Ganze?

Doch was bringt der Herkunftssprachliche Unterricht denn eigentlich den Kindern? „Er stärkt die Schüler in etwas, das nicht jeder hat“, sagt Schulleiter Oliver Held und meint damit fundierte Kenntnisse in einer weiteren Sprache. In einer zunehmend globalisierten Gesellschaft könne das nur von Vorteil sein, pflichtet ihm Cahide Ates bei. Im Berufsleben könne das nur von Vorteil sein, auch in vermeintlichen Alltagsberufen.

Initiative des Türkischen Elternvereins

Auch Belma Bektas-Kilic, die Vorsitzende des Türkischen Elternvereins in Werdohl, begrüßt, dass türkischstämmige Kinder an der Realschule jetzt Unterricht in ihrer Herkunftssprache erhalten. Der Elternverein hatte sich im vergangenen Jahr dafür stark gemacht. Jetzt habe sie von vielen Eltern positive Rückmeldungen erhalten, berichtet sie, sagt aber auch: „Manche sind jedoch enttäuscht, dass es das Angebot nur für die Fünftklässler gibt.“

Mindestens 18 Schüler nötig

Das hängt aber damit zusammen, dass es in älteren Jahrgängen nicht genügend Interessenten für das Angebot gibt. Mindestens 18 Schüler pro Jahrgang sind in der Sekundarstufe 1 nötig, damit die Bezirksregierung Herkunftssprachlichen Unterricht finanziert.

Bei der Anmeldung der Fünftklässler sei das Interesse bei den Eltern abgefragt worden, erklärt Schulleiter Held. Das gelte übrigens für Eltern aller Kinder, die nicht deutscher Herkunft sind. Aber nur für Türkischunterricht kam die erforderliche Anzahl von Schülern zusammen.

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