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Darum sind Apotheker gar nicht „heiß“ auf das E-Rezept

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Von: Volker Griese

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Startklar fürs E-Rezept, aber nicht überzeugt: Apotheker in Werdohl sind nicht böse, dass das elektronische Rezept nun doch nicht zum 1. Januar verpflichtend eingeführt worden ist.
Startklar fürs E-Rezept, aber nicht überzeugt: Apotheker in Werdohl sind nicht böse, dass das elektronische Rezept nun doch nicht zum 1. Januar verpflichtend eingeführt worden ist. © Mohssen Assanimoghaddam

Anstatt digitale Rezeptcodes einzulesen, werden die Werdohler Apotheker und Apothekerinnen erstmal weiter wie gewohnt rosa Papierzettel entgegennehmen. Die Einführung des elektronischen Rezepts (E-Rezept), die zum 1. Januar 2022 geplant war, ist vorerst wegen technischer Schwierigkeiten für unbestimmte Zeit auf Eis gelegt worden. Wir beantworten die wichtigsten Fragen rund um das elektronische Rezept.

Werdohl ‒ Wir beantworten die wichtigsten Fragen rund um das elektronische Rezept:

Was ist das elektronische Rezept?

Das E-Rezept ist die digitale Version der herkömmlichen Verschreibung von Medikamenten oder medizinischen Hilfsmitteln. Obwohl das Rezept nur digital vorliegt, hat sie es denselben Rechtsstatus wie das Rezept auf Papier, es stellt juristisch gesehen eine Urkunde dar.

Wie funktioniert das E-Rezept?

Im Unterschied zum Rezept auf (meistens) rosafarbenem Papier, das von Hand unterschrieben wird, signieren Arzt oder Ärztin das E-Rezept digital. Anschließend werden die Rezeptdaten auf einem zentralen Server abgelegt und gespeichert. Patient oder Patientin bekommen einen QR-Code auf ihr Smartphone oder einen Papierausdruck mit diesem Code. Der Patient kann mit dem QR-Code in die Apotheke gehen. Dort wird der Code gescannt, die Apothekenmitarbeiter erhalten damit Zugriff auf das E-Rezept und können die benötigten Medikamente aushändigen. Wollen Patienten das Rezept einsehen oder digital an eine Apotheke übermitteln, benötigen sie neben einem Smartphone eine kostenlose spezielle App und um sich in der App zu identifizieren, die elektronische Gesundheitskarte und eine Geheimnummer (PIN) von der Krankenkasse.

Kann man auch Rezepte für andere Personen einlösen?

Manchmal bittet man bisher Angehörige, Nachbarn oder Freunde, vom Arzt verschriebene Medikamente aus der Apotheke mitzubringen. Dazu gibt man ihnen das Papierrezept mit. Das soll auch in der digitalen Version möglich sein. Man gibt den Rezept-Code an eine Vertrauensperson weiter, die dann die Medikamente besorgt. Wie das innerhalb der App genau funktionieren wird, muss allerdings noch geklärt werden.

Was haben die Patienten davon?

Das E-Rezept erspart Patienten vor allem Zeit und Wege. Denn mithilfe der App kann der Patient unverbindlich bei bis zu drei Apotheken gleichzeitig anzufragen, ob oder wann das verschriebene Medikament verfügbar ist. Auch kann man zum Beispiel erfragen, ob die Apotheke einen Botendienst hat und das Medikament bringen kann. Und sogar die Bestellung von Medikamenten im Versandapotheken zum Beispiel im Ausland wird einfacher, weil man das Rezept ganz schnell digital übermitteln kann.

Hat das E-Rezept noch andere Vorteile?

Elektronische Rezepte gelten als schwerer zu fälschen und besser lesbar. Entsprechend weniger Fehler können beim Einlösen passieren. Laut einer repräsentativen Befragung der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände sehen Patienten auch einen Beitrag zum Umweltschutz, weil das Rezept nicht mehr auf Papier gedruckt werden muss. Außerdem erhoffen sie sich mehr Komfort und dass die Kommunikation mit der Apotheke besser läuft. Verordnete Arzneien sollen in Zukunft auch in einen elektronischen Medikationsplan übernommen werden können. Darin sind alle Mittel aufgeführt, die Patienten einnehmen. Apotheker können dann auf einen Blick gefährliche Wechselwirkungen erkennen.

Was sagen die Werdohler Apotheker über das E-Rezept?

Die Apotheker vor Ort wären für den Start am 1. Januar gerüstet gewesen, hatten die notwendigen Geräte und die Software zur Verarbeitung der E-Rezepte angeschafft. Sie sehen durchaus Vorteile für die Patienten, aber auch Nachteile, vor allem für die Apotheken selbst. „Das E-Rezept macht es den Versandapotheken leichter“, begründet Kenan Karakas von der Neuen Apotheke und erklärt auch, warum ihn das stört: „Wir Apotheken vor Ort kümmern uns um alles Mögliche: wir beraten, helfen nachts und am Wochenende, führen jetzt auch noch Corona-Tests durch. All das leistet eine Internetapotheke nicht.“ Karakas glaubt, dass der Versandhandel mit Arzneien viele lokale Apotheken in Deutschland in ihrer Existenz bedroht – und dass dieser Entwicklung mit dem E-Rezept noch Vorschub geleistet wird. Diese Befürchtung teilt auch Olaf Lüdtke von der Fortuna-Apotheke. Anders als Karakas glaubt Lüdtke aber nicht, dass das E-Rezept für ältere Patienten ein Problem darstellt. Während Karakas beobachtet, dass Senioren schon mit dem digitalen Impfnachweis auf dem Smartphone ihre Probleme haben, verweist Lüdtke darauf, dass der Arzt das E-Rezept ja auch auf Papier ausdrucken kann. „Und dann ändert sich für die Patienten überhaupt nichts“, findet er.

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