Darum lernen Werdohler Kinder Demokratie schon im Kindergarten

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Renate Pilz vom Kinderhilfswerk (vorne links) übergab den 1000-Euro-Scheck an die Kita Gernegroß unter der Leitung von Birgit Nörthemann (rechts). Bürgermeisterin Silvia Voßloh und Jugendamtsleiterin Kirsten von der Crone bedankten sich für das Engagement der Erzieherinnen.

Werdohl – Die Anforderungen an Erzieherinnen in Kitas sind heutzutage enorm. Nicht nur das körperliche und emotionale Gedeihen der Kleinen steht im Mittelpunkt, auch Ansätze einer staatsbildenden Erziehung werden angestrebt.

Dankbar nahm das Team um Birgit Nörthemann deshalb 1000 Euro Spende vom Kinderhilfswerk entgegen, um damit eine Fortbildung „Frühkindliche Demokratiebildung“ zu finanzieren. 

Ist die Förderung von Demokratie, freier Meinungsbildung und Teilhabe nicht ein grundsätzliches erzieherisches Konzept in jedem Kindergarten? „Ja. Was als selbstverständlich und üblich gilt, wird mit diesen Mitteln noch einmal aufgefrischt“, beantwortet Bürgermeisterin Silvia Voßloh diese Frage. 15 Frauen und ein Mann aus dem Team der städtischen Kindertageseinrichtung Gernegroß haben sich deshalb einen ganzen Tag lang fortbilden lassen. 

Ganztägige Fortbildung

Solche Angebote macht die „Akademie für Kindergarten, Kita und Hort“. Seminarleiterin Daniela Kehl schulte die Werdohler Fachkräfte der Gernegroß ganztägig in Sachen Meinungsbildung bei Kindern. Die Erzieherinnen dienen dabei als Multiplikatorinnen, die Kinder geben ihre Erfahrungen unmittelbar in die Elternhäuser weiter – ein Effekt, der bei der Verschiedenheit Werdohler Familien unbedingt gewünscht wird. 

Kita-Leiterin Birgit Nörthemann berichtete, dass die Bewerbung um die Förderung und die Teilnahme an der Fortbildung eine Team-Entscheidung gewesen sei, schließlich sei es ein zusätzliches und freiwilliges Engagement. 

Altersgerechte Verknüpfungen

Sabine Schöbel ist Sprachkita-Fachkraft in der Kita Gernegroß. Sie erklärte, dass es durch die Teilnahme am Weltvorlesetag und am Weltkindertag altersgerechte Verknüpfungen zur Demokratiebildung gebe. Die Kinder hatten ausdrucksstarke Bilder zu den Kinderrechten gemalt. Inhaltlich gehe es um Selbstbestimmung und Teilhabe. Schöbel übersetzt: „Demokratieverständnis können wir bereits im Kindergartenalter wecken, es fängt ganz simpel damit an, sich zum Beispiel selbstbewusst ein Bonbon zu nehmen.“ Demokratiebildung bedeute aber auch, dass die Kinder lernen, Rücksicht zu nehmen und sich an eine Gruppe anzupassen, ohne sich als Verlierer zu fühlen. 

Das funktioniere schon bei den Allerkleinsten in der Kita, den Unter-Zweijährigen. Sie besitzen zum Teil noch keine große Sprachfähigkeit, wissen aber sehr gut „mein“ und „dein“ zu unterscheiden. 

Funktioniert bei Unter-Zweijährigen

Ein zweijähriges Kind könne durchaus selbstbewusst seine Meinung ausdrücken, in dem es auf das Schild mit „seinem“ Turnraum zeige. 

Nörthemann berichtete, dass das Team diese Aufgabenstellung professionell angehen wollte. In der Fortbildung seien die Inhalte kompetent weitergegeben worden. Nörthemann: „Es ging dabei auch um unsere eigene Haltung und ein Nachdenken darüber.“ 

Strahlt Verhalten der Kinder ins Elternhaus ab?

Jugendamtsleiterin Kirsten von der Crone freute sich über das Engagement der Erzieherinnen. Das Verhalten der Kinder strahle in die Elternhäuser ab. Es gelte heute eher umgekehrt zu früher, den Erziehungs- und Bildungsauftrag von öffentlichen Einrichtungen wieder in die Elternhäuser zurückzugeben. 

Das Deutsche Kinderhilfswerk finanziert sich hauptsächlich aus dem Inhalt von Spendendosen. In Werdohl stehen sie in der Rossmann-Filiale, in der Volksbank und in zwei Apotheken. Standortbetreuerin Renate Pilz freute sich, dass Werdohler Spendengeld auf diese Weise in die Stadt zurückfließe. Sie übergab den 1000-Euro-Scheck an Birgit Nörthemann. 

Das Deutsche Kinderhilfswerk hat in den vergangenen fünf Jahren insgesamt 6,1 Millionen Euro für demokratische Teilhabe, Chancengerechtigkeit und faire Bildungschancen weitergegeben.

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