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Darum kann sich die Sperrung der Bundesstraße noch verlängern

Lärm und Staub begleiten die Felssicherungsarbeiten an der Neuenrader Straße. Auf dem 300 Meter langen Abschnitt müssen 800 bis 900 Anker in die bis zu rund 30 Meter hohen Felswände gesetzt werden.
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Lärm und Staub begleiten die Felssicherungsarbeiten an der Neuenrader Straße. Auf dem 300 Meter langen Abschnitt müssen 800 bis 900 Anker in die bis zu rund 30 Meter hohen Felswände gesetzt werden.

Seit gut zwei Wochen laufen an einem wichtigen Straßenabschnitt im Kreis Felssicherungsarbeiten. Die Bundesstraße ist deshalb gesperrt, Lastwagen müssen weite Umwege fahren. Bis zum Jahresende sollen die Arbeiten beendet werden. Ob das klappt, hängt wesentlich von einem Faktor ab.

Werdohl ‒ Mit ohrenbetäubendem Lärm frisst sich der Bohrkopf in die Felswand. Der Staub, der dabei aufgewirbelt wird, ist schon aus weiter Entfernung zu sehen. An der Neuenrader Straße arbeiten gerade zwei Unternehmen gleichzeitig daran, dass die steil aufragende Felswand möglichst noch vor Weihnachten so weit gesichert ist, dass der Straßenverkehr darunter wieder rollen kann.

Rund drei Monate war die Neuenrader Straße zwischen der Einmündung am Werdohler VDM-Werk und der Kreuzung am Haus Werdohl gesperrt, weil dort ein Kanal, die Straßenentwässerung, eine Gasleitung und auf gut 400 Metern die Fahrbahndecke erneuert wurden. Kurz bevor diese Arbeiten abgeschlossen waren, hatte der Landesbetrieb Straßen-NRW dann Anfang Oktober eine neue Hiobsbotschaft für Auto- und insbesondere Lkw-Fahrer: „Alle Felssicherungen sind defekt und müssen neu gemacht werden“, sagte Straßen.NRW-Sprecher Andreas Berg. Das sei erst kürzlich bei einer Kontrolle der im Frühjahr von Bäumen und Sträuchern befreiten Felswand festgestellt worden. Die Folge: Eine weitere Sperrung des Straßenabschnitts wohl bis mindestens Ende des Jahres, für Lastwagenfahrer verbunden mit Umleitungen von bis zu 40 Kilometern.

Gleich zwei Unternehmen im Einsatz

Nicht einmal zwei Wochen nach der Ankündigung legten dann auch gleich zwei Spezialunternehmen los. Die Firma Salmen aus Meschede, die vor zwei Jahren auch schon Felssicherungsarbeiten an der B 229 im Versetal vorgenommen hatte, hatte sich aufgrund eines Personalengpasses mit der Firma Jähnig aus dem sächsischen Dorfhain Verstärkung geholt.

Erneuert werden müssen die Felssicherungen vor allem im unteren Bereich der Neuenrader Straße, aber auch im Mittelteil ist die Felssicherung wohl unzureichend und nicht mehr auf dem Stand der Technik. Jetzt arbeiten Sauerländer und Sachsen Seite an Seite, um die Verkehrssicherheit an diesem etwa 300 Meter Teilstück der Bundesstraße 229 wieder herzustellen.

Bis zu 900 Anker notwendig

Dazu werden nach einem von einem Ingenieurbüro zuvor genau berechneten und definierten Plan 800 bis 900 Stabanker in die Felsen eingesetzt. Zwischen drei und neun Meter lang und 28 Millimeter dick sind diese verzinkten Stahlstangen. Die Löcher, die dafür in die Felsen gebohrt werden müssen, sind aber mit einem Durchmesser von etwa 100 Millimetern deutlich größer, was damit zusammenhängt, dass sie noch mit Zementmörtel gefüllt werden, wenn die Anker eingesetzt sind. Die Mischung wird durch ein Plastikrohr entlang des Nagels in das Loch gespritzt; nach dem Aushärten des Mörtels sitzt der Nagel fest im Fels.

Auf die bis zu gut 30 Meter hohe Felswand entlang der Neuenrader Straße sind mit roter und blauer Farbe Kreuze und Punkte aufgebracht worden, die den Arbeitern Aufschluss darüber geben, an welcher Stelle welche Anker zu setzen sind. So kann der Bohrer an zuvor genau definierten Stellen angesetzt werden. Unter lauten Getöse und in einer Staubwolke frisst sich die überdimensionale Bohrmaschine dann in den Stein. Für eine fünf Meter tiefe Bohrung benötigt die Maschine etwa 20 Minuten.

Arbeiten kosten sechsstelligen Betrag

Neben den Felsankern sollen auch noch Netze und Zäune aus Stahlseilen dafür sorgen, dass zukünftig möglichst keine Steine mehr aus der Felswand auf die Straße fallen können. Die Baukosten für die Erneuerung der Sicherungselemente belaufen sich nach Angaben des Landesbetriebs Straßen.NRW auf etwa 300.000 Euro.

Läuft alles glatt und spielt das Wetter mit, wollen die Spezialisten aus Meschede und Dorfhain vor Weihnachten mit ihrer Arbeit fertig sein. Als letzter Arbeitstag an der Neuenrader Straße ist der 18. Dezember angepeilt. Um diesen Termin halten zu können, darf aber insbesondere kein Frost auftreten. Dann nämlich kann kein Mörtel in die Bohrlöcher injiziert werden, weil der dann gefrieren und nicht richtig aushärten würde. Kommt der Wintereinbruch also zu früh, können sich die Felssicherungsarbeiten und damit die Sperrung der Straße auch noch bis in das nächste Jahr hineinziehen.

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