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Darum hält Werdohls Bäder-Chef Schließungen für möglich

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Von: Volker Griese

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Die Beheizung der Schwimmbäder bereitet den Bäderbetrieben Werdohl einige Sorgen. Während im Freibad noch mit Sonnenenergie zugeheizt werden kann, verfügt das Hallenbad zwar über ein modernes Blockheizkraftwerk, das aber mit Gas betrieben werden muss.
Die Beheizung der Schwimmbäder bereitet den Bäderbetrieben Werdohl einige Sorgen. Während im Freibad noch mit Sonnenenergie zugeheizt werden kann, verfügt das Hallenbad zwar über ein modernes Blockheizkraftwerk, das aber mit Gas betrieben werden muss. © Volker Griese

Verderben Russlands Krieg gegen die Ukraine und die damit verbundenen Sanktionen den Deutschen bald das Badevergnügen? Werdohls Bäderchef Frank Schlutow hält das zumindest nicht für ausgeschlossen. Er sieht die Bäderbetriebe auch in einer gesellschaftlichen Verantwortung.

Werdohl ‒ Mitte Juni hat Russland seine Gaslieferung über die Ostseepipeline Nord Stream 1 um mehr als die Hälfte reduziert. Eine rechtzeitige Befüllung der Gasspeicher zum Winter hat dies erheblich erschwert. Die Bundesregierung hat deshalb die zweite Stufe des Notfallplans Gas aktiviert. Sollte es zu einem kompletten Stopp der russischen Gaslieferungen kommen, dürfte die dritte und höchste Stufe ausgerufen werden. Dann droht eine harte Rationierung, wobei die Industrie als erstes betroffen sein dürfte. Wird dann auch Schwimmbädern der Gashahn zugedreht?

Eine durchaus umstrittene Handreichung hat nun die Deutsche Gesellschaft für das Badewesen herausgegeben. Unter der Überschrift „Schwimmbäder in der Energiekrise“ schlagen die Autoren nicht nur das Absenken der Wassertemperatur vor, sondern sprechen auch davon, dass möglicherweise Rutschen, Saunen und Warmbecken vollständig ausgeschaltet werden sollten. Selbst komplette Bäder sollen aus ihrer Sicht den Betrieb bis auf Weiteres gänzlich einstellen. Das solle vor allem für mit fossilen Energieträgern beheizte Freibäder und für Freizeitbäder gelten, sprich: Für alle Bereiche, die nicht zu den kommunalen Pflichtaufgaben gehören. Sogar Schwimmbäder für den Schul- und Vereinssport werden nicht ausgenommen.

Zwei Grad weniger in Luft und Wasser

Die Bäderbranche müsse sich „in dem einen und auch in dem anderen Fall ihrer energetischen Verantwortung stellen“, heißt es in dem Leitfaden weiter. Frank Schlutow, Geschäftsführer der Bäderbetriebe Werdohl, kann das zumindest teilweise nachvollziehen. „Wir müssen unseren gesellschaftlichen Beitrag leisten, damit es in den Wohnungen im Winter warm sein kann“, sagt er.

Nach Schlutows Einschätzung könnte das auf eine Komplettschließung des Hallenbades hinauslaufen, beschlossene Sache sei das aber noch keineswegs. Vielmehr denkt er zunächst an eine Senkung der Wassertemperatur. Normalerweise werde das Wasser im Becken des Hallenbades auf 28 Grad Celsius aufgeheizt, in direkter Abhängigkeit davon wird auch die Lufttemperatur eingestellt. Allerdings könnte die Wasser- und die Lufttemperatur auch um 2 Grad gesenkt werden, unternimmt Schlutow derzeit Gedankenspiele. Dadurch könne eine Energieeinsparung von etwa 15 Prozent erzielt werden.

Kein Einsparpotenzial sieht er bei den Duschen. Schon aus hygienischen Gründen könnte die Temperatur des Duschwassers nicht zu sehr gesenkt werden, sagt Schlutow und nennt die Gefahr einer Legionellenvermehrung als Beispiel. Legionellen, die bei Menschen grippeartige Beschwerden und sogar schwere Lungenentzündungen auslösen können, vermehren sich am besten bei Temperaturen zwischen 25 und 45 Grad Celsius. Oberhalb von 60 Grad werden sie meistens abgetötet und unterhalb von 20 Grad vermehren sie sich kaum noch. Dass aus den Duschen im Hallenbad nur noch kaltes Wasser kommen soll, ist für Schlutow aber undenkbar. In diesem Bereich gibt es für ihn also keinen Spielraum.

Richtige Heiztechnik im Einsatz?

Doch setzen die Bäderbetriebe Werdohl überhaupt auf die richtige Technologie zur Wassererwärmung? Die Deutsche Gesellschaft für das Badewesen betont, dass Technologien für die Minderung des Energiebedarfes in Schwimmbädern – Dämmung, Wärmepumpen, Solartechnik – bekannt und verfügbar seien. Jetzt sei es an der Zeit, sie auch zu nutzen.

Die Bäderbetriebe setzen nach wie vor auf Gas als Energielieferant für Frei- und Hallenbad, die Beheizung des Freibades wird aber auch über eine Absorberanlage durch die Sonne unterstützt. „Normalerweise heizen wir das Freibadwasser auf 22 Grad auf, mit Sonnenunterstützung schaffen wir auch 24 Grad“, erklärt Schlutow. Im erst drei Jahre alten Hallenbad produziert ein gasbetriebenes Blockheizkraft Wärme, aber auch Strom zur Eigennutzung. Eine Solarthermie macht dort nach Schlutows Auffassung keinen Sinn. Die könne nicht die hohen Vorlauftemperaturen liefern, die für die Lüftungsanlage, mit der das Bad beheizt werde, erforderlich seien.

Mit dem Blockheizkraftwerk ist Schlutow auch grundsätzlich zufrieden: „Das ist eine neue Anlage, die hocheffizient ist“, sagt er. Dennoch, glaubt der Geschäftsführer, müssten sich die Bäderbetriebe mit der Frage beschäftigen, wie man die Schwimmbäder mit regenerativen Energien beheizen könne. Ansonsten, und da ist Schlutow wieder beim Ukraine-Krieg und seinen Folgen angelangt, könnten Badschließungen nicht für alle Zeit ausgeschlossen bleiben: „Wir hoffen, dass wir ohne eine Schließung durch das Jahr kommen, sicher bin ich aber nicht.“

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