MdB Dagmar Freitag begutachtet Sprachförderung in der Kita Wunderkiste

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Auch Vorlesen ist Sprachförderung. Bürgermeisterin Silvia Voßloh (links) und die Bundestagsabgeordnete Dagmar Freitag verfolgten gestern in der Kita Wunderkiste eine Vorlesestunde mit Erzieherin Marion Scheer (rechts).

Werdohl - Insgesamt sechs Werdohler Kindertageseinrichtungen erhalten zusammen 600 000 Euro aus dem Bundesprogramm „Sprach-Kitas – Weil Sprache der Schlüssel zur Welt ist“. In der Kita Wunderkiste, die ebenfalls von dieser Förderung profitiert, hat sich gestern die SPD-Bundestagsabgeordnete Dagmar Freitag ein Bild davon gemacht, wie das Programm im Alltag umgesetzt wird.

Für Hilal Demirtas (links), Fachkraft zur Sprachförderung in der Kita Wunderkiste, hatte Dagmar Freitag ein Vorlesebuch mitgebracht.

Hilal Demirtas ist in der Ütterlingser Kita seit September als zusätzliche Fachkraft für die Sprachförderung angestellt. Von Vorteil ist für die gebürtige Werdohlerin dabei, dass sie neben Deutsch auch ihre türkische Muttersprache perfekt beherrscht. Doch Kita-Leiterin Sandra Koch betonte, dass sich die Sprachförderung keineswegs nur auf Türkei-stämmige Kinder beschränkt. Unter den 69 Kinder, die in der Wunderkiste betreut werden, seien auch viele russische, italienische, griechische und polnische Mädchen und Jungen. „Und Sprachprobleme gibt es keineswegs nur bei Kindern mit Migrationshintergrund, sondern auch bei deutschen“, berichtete Koch.

Die Kita Wunderkiste versucht, die Sprachförderung möglichst ganzheitlich in ihre Arbeit mit den kleinen Werdohlern und ihren Familien einzubauen. Dazu gehört nach Worten von Hilal Demirtas die alltagsintegrierte sprachliche Bildung, bei der Kinder in anregungsreichen Situationen aus ihrer Lebens- und Erfahrungswelt lernen, die deutsche Sprache richtig anzuwenden. Dass passiere zum Beispiel durch handlungsbegleitendes Sprechen, erläuterte Demirtas: „Wir sprechen mit den Kindern darüber, was wir gerade tun, beispielsweise: „Ich ziehe mir jetzt die Schuhe an!“ Auch in vielen anderen alltäglichen Situationen versuche das Team der Wunderkiste, immer wieder Gesprächsanlässe zu schaffen und die natürliche Sprachentwicklung der Kinder zu fördern: durch Vorlesen, durch das Einüben von Liedern oder Spielen, durch Bewegungsspiele in der Turnhalle oder einfach durch das Ansehen und Beschreiben von Fotos.

Auch die inklusive Pädagogik spielt in der multikulturellen Kita eine wichtige Rolle. Sie soll die Kinder, aber auch deren Eltern ermutigen, Vorurteile, Diskriminierung und Benachteiligung kritisch zu hinterfragen sowie eigene Gedanken und Gefühle zu artikulieren. Dies bedeutet, sowohl den Gemeinsamkeiten und Stärken von Kindern Aufmerksamkeit zu schenken als auch Vielfalt zu thematisieren und wertzuschätzen. „Die Vielfalt der Kulturen kann auch eine Chance sein, die man nutzen sollte“, sagte Kita-Leiterin Koch.

Sprachförderung in der Kita bedeutet aber auch eine enge Zusammenarbeit mit den Familien der Kinder. Die Wunderkiste setzt das durch regelmäßige Angebot wie Info-Nachmittage für Eltern, internationale Frühstücke oder Vorlesebesuche von Eltern um. Geplant sei auch eine Kita-Bibliothek, aus der Kinder ein Buch für eine Woche mit nach Hause nehmen können, berichtete Sandra Koch. Damit wolle die Einrichtung der Tatsache begegnen, dass manche Familien nicht über Bilder- oder andere Kinderbücher verfügten: „In manchen Kulturen ist Vorlesen offenbar nicht so wichtig.“

Dagmar Freitag war von den Bemühungen in Ütterlingsen beeindruckt: „Hier ist das Geld gut investiert. Es wird sich doppelt und dreifach auszahlen, denn wir müssen es später nicht für Hartz IV aufgrund von gebrochenen Schulbiografien auszahlen“, war die Abgeordnete überzeugt davon, dass das frühe Erlernen der deutschen Sprache die Basis für ein erfolgreiches Leben ist. Entscheidend sei, „dass Kinder fließend Deutsch sprechen könnten, wenn sie in die Schule kommen.“

Die Kita Wunderkiste erhält noch bis 2019 jährlich 25 000 Euro Fördermittel für die Sprachförderung.

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